Zugegeben, ich bin kein regelmäßiger Leser von kassenzone.de, weil ich Ecommerce News eher bei exciting-commerce.de lese. Ich war also vielleicht 3-4 mal auf der Webseite. Negativ aufgefallen ist mir die Seite allerdings nicht.

Im Glauben an die Freiheit der Meinungsäußerung in unserem Land habe ich dann vorletzte Woche einen Interview-Artikel auf Kassenzone.de kommentiert, bei dem Alexander Graf, einer der Betreiber von kassenzone.de Roman Kirsch von lesara.de interviewt. In meinen Augen ist in vielen Medien die Berichterstattung zu lesara.de zu unkritisch. Man berichtet gerne über Finanzierungsrunden, über den Shop, allerdings scheinbar genauso gerne an der Realität von rechtlich sehr fragwürdigen Streichpreisen und katastrophalen Kundenbewertungen vorbei. Der Titel des Artikels „Wie funktioniert eigentlich lesara.de – Interview mit Roman Kirsch“ lud also dazu ein, den Expertenlesern auch mal die Augen zu öffnen, wie lesara WIRKLICH funktioniert.

Was folgte, war in meinen Augen ein Paradebeispiel dafür, wie man im „Social Media Bereich“ nicht agieren sollte und wie man seine Reputation als unabhängiges Medium schnell zerstören kann. Ich sehe selber die Herausforderung bei Blogs (auch hier bei meinem eigenen), kritische Kommentare zu moderieren, auf diese auch einzugehen und vor allem diese nicht zu löschen.

Meine Kommentare waren in der Tat sehr direkt und bezogen sich auf den unkritischen Umgang von kassenzone.de mit lesara, aber vor allem auf die phantastischen Streichpreise von lesara selber, die schlechten Bewertungen bei ekomi.de und  ihre Fake Kundentestimonials.

Alexander Graf warf sich aber vor allem schützend vor lesara.de:

  • Was erwartest du denn? Du stellst doch gar keine Fragen zum Geschäftsmodell, sondern postet nur deine Theorie zur Legalität des Modells. Das ist ja nicht Themas des Beitrags hier.“

Er sah auch die Verwendung von nicht nachvollziehbaren Streichpreisen als unproblematisch:

  • Das sehe ich nicht so, außer du präsentierst hier ein objektives Rechtsgutachten. Das Handelsmodelle mit Streichpreisen agieren ist aus meiner Sicht vollkommen normal. Um das Modell als unfair und unethisch werten zu können, müssten man ja auch bei objektiver Betrachtung eine krasses Mißverhältnis zwischen zufriedenen und unzurfriedenen Kunden feststellen können. Ethisch bedenklich finde ich eher Modelle wie snipster.de“

Diesen Kommentar, insbesondere die Aussage, [dass] „Handelsmodelle mit Streichpreisen agieren ist aus meiner Sicht vollkommen normal.„, fand ich sehr verwunderlich für einen Ecommerce-Experten. Gerade weil Streichpreise nach gängiger Rechtsprechung erklärt werden müssen, solange sie nicht einfach frühere Preise desselben Produktes beim gleichen Shop waren. Dass das Erfinden von Streichpreisen kein Kavaliersdelikt ist, sondern auch strafbar sein kann, haben ja dieses Jahr auch unister Manager erfahren

Zuletzt hat dann Alexander Graf meine letzten Kommentare, die sich an Roman Kirsch gewendet haben, gelöscht. Darin habe ich darauf hingewiesen, dass 1. ich es arrogant von Roman Kirsch finde, toptestsieger.de einen „“Hater-Blog” mit 44 likes“ zu nennen  2. Lesara ja durchaus die Fake Testimonials von der Webseite entfernt hat. 3. ich garantiere, dass Roman Kirsch früher oder später auch seine Streichpreise auf lesara anders darstellen wird:

  • @Daniel Ich habe deine letzten drei Kommentare gelöscht. Das gehört hier nicht mehr zu kassenzone.de. Die Dinge kannst du gerne an Roman direkt schreiben oder in deinem Blog verwenden. Als persönliches Schimpfforum ist dieser Kommentarbereich nicht gedacht.

Meine Kommentare waren direkt, das gebe ich zu. Die Kommentare von Alexander und Roman waren allerdings nicht weniger direkt und scharf. Dass Alexander Graf meine Kommentare gelöscht hat, empfinde ich persönlich als Eingriff in die Meinungsfreiheit und zerstört m.E. die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit seines Blogs. Fraglich auch deshalb, weil er die direkte Beleidigung „Hater Blog“ von Roman Kirsch stehen lässt. Aber es ist letzten Endes seine Sache.

Weitaus schlimmer als die Zensur dieser Kommentare ist m.E. die Aburteilung meiner Kommentare, indem er sie mit dem Begriff „Schimpfforum“ in Verbindung bringt. Das ist nicht mehr okay, weil er den Leser beeinflusst und gleichzeitig ihm die Möglichkeit gibt, sich selber zu informieren. Wenn man über kontroverse Gründer und Startups unkritisch berichtet und einen Blog mit Kommentarfunktion betreibt, muss man damit rechnen, dass sich auch kritische Stimmen zu Wort melden. Und dass diese auch auf abfällige Kommentare von einem Startup Gründer eingehen.

Insofern habe ich per Facebook Nachricht Alexander Graf gebeten, zumindest den Kommentar „Schimpfforum“ zu löschen oder zu ändern. Dies hat er abgelehnt.

Da ich das nicht akzeptieren wollte, habe ich die Facebook Fan Seite von Kassenzone aufgesucht, um mich über dieses Verhalten zu beschweren. Dort waren allerdings meine Kommentare nach kurzer Zeit nur noch für mich und meine Facebook Freunde sichtbar. Dies erinnert von der Funktion her an die „Hide Funktion“ für Facebook Seitenbetreiber. Diese Funktion erlaubt es Seitenbetreibern, bei Facebook Userkommentare so zu verstecken, dass nur der User selbst und seine direkten Kontakte diese Kommentare sehen, sonst aber niemand. Somit bekommen die User in vielen Fällen gar nicht mit, dass ihr Kommentar nicht mehr öffentlich sichtbar ist.

Links die Ansicht auf den Post und die Kommentare von einem nicht mit mir befreundeten Facebook User, rechts die Ansicht aus meinem Facebook Profil heraus.

kassenzone_1

 

Wie man sieht hat Kassenzone dies bestritten, auch von Alexander Graf wurde dies bestritten (siehe Screenshot unten). An dieser Stelle kann ich allerdings nicht mit Sicherheit sagen, ob dies durch die Hide Funktion verursacht wurde oder irgendein automatischer Filter von Facebook war.

Nachdem ich heute Vormittag allerdings genau das nocheinmal ausprobiert habe, nämlich ob das Ausblenden ein automatischer Filter war, und nachdem ich meinen Originalkommentar, der ausgeblendet war, nochmal gepostet habe, hat man sich aber bei Kassenzone.de dazu entschieden, meine Kommentare komplett zu löschen und mich für die Facebook Seite von kassenzone komplett zu sperren. Dieses Verhalten kenne ich bisher nur von lesara.de (https://www.facebook.com/Kassenzone/posts/979575532058835) und ist für ein Medium in meinen Augen unwürdig. Kritik und Auseinandersetzung mit Kritik gehört zum Betreiben eines Blogs dazu.

Kassenzone_finaler_Kommentar

 

(Anmerkung: das Profilbild von Alexander Graf wurde durch uns geschwärzt)

 

Auf Basis meiner Erfahrungen hier nun allgemeine Ideen und (nicht auf kassenzone.de oder lesara.de direkt bezogenen) Tipps, wie man in meinen Augen seine Reputation als Medium sehr schnell zerstören kann:

1. Schlagen Sie sich sofort auf die Seite Ihres Interviewpartners, sollten Kommentatoren es wagen, sich zum Geschäftsgebaren des Interviewpartners negativ zu äußern.

2. Behaupten Sie auf jeden Fall, dass der Kommentar gar nichts mit dem Thema des Artikel zu tun hat.

3. Glauben Sie auf gar keinen Fall, dass ein Kommentator recht haben könnte.

4. Recherchieren Sie NICHT nocheinmal zum Sachthema, um sich nicht nochmal eine neue Meinung bilden zu müssen. Halten Sie starr an Ihrer persönlichen Meinung fest.

5. Löschen Sie Kommentare, das zeigt ihre Entschlussfreudigkeit

6. Weisen sie nochmal daraufhin, dass Ihr Medium kein Ort für negative Kritik ist. Nennen sie dies aber nicht „Kritik“, sondern „Schimpfen“.

7. Weigern Sie sich möglichst oft, die Kommentare wiederherzustellen oder  Ihre Einordnung als „Schimpfen“ zu verändern oder zu löschen.

8. Sollten Kommentatoren ihre Facebook Seiten entdecken und dort weiterkommentieren, nutzen Sie bitte die  „Hide“ Zensur-Funktion für Kommentare.

9. Sollte ein User sich darüber beschweren, dass Kommentare außerhalb seines Freundeskreises nicht mehr zu sehen sind, leugnen Sie, dass sie die Hide Funktion benutzt haben.

10. Sollte ein User sich weiterhin beschweren und den kritischen Kommentar auf der Facebook Seite ihres Blogs / Mediums / Nachrichtenseite / unabhängigen Nachrichtenseite nochmal posten, löschen Sie sämtliche Kommentare und blocken Sie diesen User für Ihre Facebook Seite.

 

 

4 Responses

  1. Frank

    Daniel, ich denke dass die Facebook Kommentar Spalte das falsche Forum für deine Bedenken ist. Dafür betreibst du doch schließlich deinen Blog, um dich hier kritisch über alles und jeden äußern zu können.
    Hier kannst du dich lang und breit über den persönlichen Affront dir gegenüber auslassen und die ist auch deiner Audienz ggü. kund tun. Deine Kritik ist aber zu keinem Teil fundiert und basiert größtenteils auf persönlichen Neckereien.

    • Daniel

      Ich denke, dass wir die Funktion von „Social Media“ scheinbar anders interpretieren. Wer in Social Media präsent und aktiv ist, muss auch Kritik entgegennehmen können. Auch öffentlich. Ansonsten würde eine einfache Webseite mit Angabe einer Email Adresse ja ausreichen. Oder?

      Bzgl. Deiner Aussage „meine Kritik sei nicht fundiert“: dazu kann ich wenig sagen, wenn Du so unspezifisch bleibst. Wenn Du Dich auf den Artikel hier beziehst, sind wir einfach unterschiedlicher Meinung. Ich denke, dass es der eigenen Reputation schadet, wenn man Kritik löscht und Aussagen zensiert, wenn diese jemanden nicht in seiner Person angreifen.

  2. Robert

    Daniel, Alexander Graf ist gerade mit seinem vorherigen Startup pleite gegangen. Vielleicht erklärt das seine Aggressivität. Schau mal nach der MoinMoin GmbH im bundesanzeiger.de, Liquidation ist erst am 04.09.2014 erfolgt und Alexander Graf hat einfach mal so 170.000 Euro verbrannt, ohne dass seine Geschäftsidee auch nur ansatzweise gefunzt hat. Alexander Graf ist mir vor allem dadurch auffällig geworden, dass er BWL-Kauderwelsch schreibt und andere kritisiert. Dass er es besser kann, hat er bislang nicht bewiesen, im Gegenteil siehe oben! Und das andere Unternehmen etribes Framework GmbH, als dessen Geschäftsführender Gesellschafter er sich immer präsentiert, ist eine Minibude und verdient nichts, schau Dir mal die Bilanz dazu an.

    • Daniel

      Hi Robert,
      danke für Deinen Kommentar. Die MoinMoin GmbH kannte ich nicht, die zugehörige Seite moinchef.de auch nicht. Das hört sich so ein bisschen wie 1000jobboersen.de an, die ja allerdings auch eher Agentur geworden sind. Ist halt in Deutschland meines Erachtens erstmal nur über harten Sales skalierbar. Ob das jetzt funktioniert hat oder nicht ist mir persönlich aber auch egal. Manchmal funktioniert es halt nicht, das kann unterschiedlichste Gründe haben. Ich finde diese Art des Scheiterns mit einem gut gemeinten Produkt, das ja durchaus der Welt einen Mehrwert gebracht hätte, auch okay. Wer nicht wagt, kann auch nicht gewinnen. Ich finde es auch nicht schlimm, wenn man sein Beratergeschäft über eine GmbH laufen lässt und nicht unbedingt Millionenumsätze macht. Wir müssen nicht alle McKinsey´s sein, wir müssen nicht alle skalieren skalieren skalieren.

      Mein Punkt ist der, dass Alexander Graf hier als Betreiber eines Blogs einfach ihm scheinbar persönlich unliebsame Kommentare löscht und ihm eine scheinbar unliebsame Diskussion einfach beendet. Und nicht nur das, sondern vor allem dass er dann meine Kommentare als „Schimpfereien“ in meinen Augen diskreditiert.

      Ich bin noch nicht lange mit diesem Blog „unterwegs“. Manche mögen die Artikel, geben mir auch persönlich positives Feedback. Manche schreiben kritische Kommentare, teilweise auch sehr scharf. Aber solange das sich in einem kritischen Rahmen bewegt ist das okay. Damit muss ich dann leben. Sonst sollte ich die Kommentarfunktion ganz abschaffen.

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