Aktualisierung 26.04.2018 – Nachdem ich den Vorstand von wallstreet-online.de um eine Stellungnahme gebeten habe, sind heute nun alle „Nachrichten“ des Fake-Chefredakteurs „Christian von Hardenberg“ auf wallstreet-online.de offline genommen worden.


Aktualisierung 18.04.2018 – Nachdem Torial das Profil von „Christian von Hardenberg“ gelöscht hatte, habe ich mich noch einmal an kress.de gewendet, wie auch an linkedin, wo weitere Fake-Profile betrieben wurde. Linkedin hatte ich zur Prüfung noch ein weiteres Profil geschickt, von einem angeblichen Journalisten namens Thomas Wolf. Über dieses Profil wurde dem Fake-Profil von „Christian von Hardenberg“ ein „Linkedin Endorsement“ gegeben, eine Art Mini-Referenz. Linkedin hat sich sehr schnell gemeldet, Kress leider nicht. Meine Anfrage ist nun schon ein paar Wochen her, höchste Zeit also, Zwischenbilanz zu ziehen. Denn es hat sich nicht nur bei den Fake-Profilen etwas getan.

Linkedin Profil: Sowohl das Profil von „Christian von Hardenberg“ als auch das von „Thomas Wolf“ sind nicht mehr verfügbar.

Google Profil von Christian von Hardenberg: Online, aber das Fake-Photo wurde gelöscht.

Twitter Profil von „Finanzen und Wirtschaft“: Offline

Youtube Kanal von „Finanzen und Wirtschaft“: Alle Videos sind offline

Facebook Seite von „Finanzen und Wirtschaft“: Offline

Aber nicht nur eine Mehrzahl der Social Media Kanäle wurde offline genommen, auch die Webseite selber ist offline: finanzenundwirtschaft.de. Zumindest derzeit wird nur die Fehlermeldung angezeigt: „Warning! Domain mapping upgrade for this domain not found. Please log in and go to the Domains Upgrades page of your blog to use this domain. “

Weiterhin online und unverändert:

Kress Profil: Fake-Profil ist immer noch online, es gab keinerlei Reaktion von Kress.

Twitter Profil „Christian von Hardenberg“: Immer noch online, Twitter habe ich allerdings auch nicht kontaktiert.

Artikel auf Wallstreet-Online: Weiterhin online, aber bisher habe ich wallstreet-online.de noch nicht kontaktiert. Dies werde ich allerdings jetzt nochmal nachholen.


Aktualisierung 27.03.2018 – Nach meinem Hinweis an torial.com auf Facebook wurde das Profil von „Christian von Hardenberg“ gelöscht. Zudem wurde die E-Mailadresse des Twitter-Kontos von „Finanzen&Wirtschaft“ geändert, ich vermute der Kontoinhaber hat diesen Beitrag hier gelesen. Das passt, den eben jener Mitarbeiter hat auch auf seinem Facebook Profil ein paar Beiträge, die in Verbindung mit „finanzenundwirtschaft.de“ stehen entweder gelöscht oder die Sichtbarkeit eingeschränkt. (Ein Beitrag wurde allerdings vergessen.) Die sonstigen Social-Media Profil von „Christian von Hardenberg“ sind nach wie vor unverändert, es scheint bei finanzenundwirtschaft.de also offensichtlich keine Einsicht zu geben.


Originalartikel vom 26.03.2018 – „Kommunikation schafft Vertrauen“, so lautet die Überschrift des „Über uns“ Bereiches auf der Webseite der Bettertrust GmbH in Berlin, bettertrust.de. Damit hat die Agentur, die nach eigenen Angaben unter anderem „TV-Platzierungen, Public Relations / Online PR Berlin oder Reputationsmanagement“ anbietet, allerdings nur zum Teil Recht. Denn Kommunikation allein schafft noch kein Vertrauen, bzw. kein dauerhaftes Vertrauen. Für dauerhaftes Vertrauen bedarf es nicht nur einer ehrlichen und transparenten Kommunikation, sondern auch eines ehrlichen Umfeldes. Insofern gehört es auch zu den Aufgaben einer seriösen PR-Agentur, dafür zu sorgen, dass die Botschaften von Unternehmen nicht nur verbreitet werden, sondern auch, dass sie auch in den richtigen Kanälen verbreitet werden und dass sich Unternehmensvertreter auch nur in den richtigen und vor allem seriösen Kanälen äußern. Auf ein Beispiel für einen nicht so seriösen Kanal, dem man besser nicht vertraut, bin ich in den letzten Wochen gestoßen. Der Fall zeigt mehr als deutlich, wie wichtig es ist, eine professionelle und vor allem seriöse PR-Agentur zu haben.

Der Fake-Chefredakteur von finanzenundwirtschaft.de

Auf finanzenundwirtschaft.de bin ich zufällig durch einen Artikel von wallstreet-online.de gestoßen: „Der Karatbank Coin: Hightech meets Gold„. Zwei Dinge sind mir sofort ins Auge gesprungen. Zum einen liest sich der Artikel eher wie Werbung oder eine vom Autor unreflektierte und nicht hinterfragte Pressemitteilung, zum anderen wirkt das Photo des angeblichen Chefredakteurs „Christian von Hardenberg“ sehr glatt, eher wie ein „Stockphoto“ aus einer Bilderdatenbank und nicht wie ein normales Portrait eines Journalisten.

Nach mehreren Anläufen habe ich dann auch das Photo in einer Bilderdatenbank gefunden. Das Photo stammt von dem Photographen Alberto Jorrin Rodriguez (siehe z.B. hier bei dreamstime.com), das Stockphoto-Modell kommt aus Los Angeles in den USA. Die echte Person hinter dem Bild findet man hier bei Linkedin, sie heißt nicht Christian von Hardenberg, kommt nicht aus Deutschland und ist nicht Chefredakteur. Dort findet sich auch ein Fake-Profil von „Christian von Hardenberg“, Fake deshalb, weil in seinem linkedin Profil ebenfalls das Stockphoto verwendet wurde, bei auch bei anderen Fake-Profilen bei Kress, torial.com und Google+. In der Literatur sind Pseudonyme ja durchaus gebräuchlich, bei angeblichen Chefredakteuren von angeblichen Finanz- oder Wirtschaftsportalen halte ich die Verwendung von Stockphoto in Business-Netzwerken dann doch eher für unseriös.

Vor diesem Hintergrund hege ich auch Zweifel, ob es bei finanzenundwirtschaft.de überhaupt einen Chefredakteur gibt, der „Christian von Hardenberg“ als echten Namen führt.

finanzenundwirtschaft.de

Da ich also nicht richtig überzeugt war, dass es den Chefredakteur „Christian von Hardenberg“ überhaupt gibt, der bei finanzenundwirtschaft.de sogar im Impressum aufgeführt wird, wollte ich herausfinden, wer ansonsten noch am Betrieb der Seite und der zugehörigen Kommunikationskanäle beteiligt ist.

Im Impressum wird neben Herrn „von Hardenberg“ eine Antonia Witt (antonia-witt.de) als Redakteurin aufgeführt, die in der Tat auch existiert. Anders als Herr „von Hardenberg“ tritt Frau Witt nicht nur mit einem Stockphoto in die Öffentlichkeit, sondern führt auch Interviews vor der Kamera. Eine Anfrage bei Frau Witt bzgl. Herrn „von Hardenberg“ und seinem Fake-Photo blieb allerdings unbeantwortet. Ebenso wie die Frage, für welche Firma Frau Witt bei ihren Intervieweinsätzen für „Finanzen und Wirtschaft TV“ eigentlich tätig ist.

Ebenso wenig Erkenntnis brachte die Suche bei der denic, denn dort wird als Domainhaber keine echte Person oder Firma aufgeführt, weil der Domaininhaber einen „Privacy Service“ von „United Domains“ nutzt und damit seine wahre Identität verschleiert.

Auf der Suche nach einem anderen Betreiber oder Mitbetreiber wurde ich dann bei Twitter fündig. Das Twitter-Profil von „Finanzen&Wirtschaft“ wird nämlich von einem Mitarbeiter der Bettertrust GmbH verwaltet, zumindest ist in diesem Twitter-Profil die Firmen-E-Mailadresse dieses Mitarbeiters hinterlegt.

Woher ich das weiß? Weil die Standard-Privatsphäreneinstellungen bei Twitter recht viele Informationen auch an Außenstehende verraten. Gibt man auf der Seite „Passwortrücksetzung“ den „Twitter Handle“ ein, wird die E-Mailadresse des Inhabers anonymisiert angezeigt. Diese Anonymisierung ist allerdings nicht vollständig. Die ersten beiden Zeichen des „E-Mail-Handles“, also des Namens vor dem @-Zeichen, werden angezeigt, ebenso wie der erste Buchstabe der Domain der E-Mailadresse. Zudem entspricht die Anzahl der angezeigten Sternchen die Anzahl der Zeichen.

Im Fall von „Finanzen&Wirtschaft“ hatte und hat der Profilbetreiber eine E-Mail Adresse der Domain „b**********.**. Mit etwas Fleißarbeit und ein wenig Herunterscrollen hatte ich bald den ersten „Verdächtigen“: als dritter „Follower“ von „Finanzen&Wirtschaft“ wird das Twitter-Profil der Bettertrust GmbH angezeigt, als fünfter „Follower“ ein Mitarbeiter von Bettertrust (allerdings nicht der Profilinhaber). Ein Mitarbeiter mit einem Vornamen mit gleichem Anfangsbuchstaben wie dem des „E-Mail-Handles“ war schnell gefunden, die zugehörige Firmen-E-mailadresse des Mitarbeiters auch.

Bis zu diesem Punkt waren das aber nur Vermutungen. Hat man allerdings die richtige E-Mailadresse und hat das Konto des Eigentümers nur die Standard-Privatsphäreneinstellungen, kann man die E-mailadresse eindeutig verifizieren. Über die Funktion „Freunde finden“ kann man Twitter auf Adressbücher von „Outlook“ oder „Gmail“ zugreifen und durchsuchen lassen. Über die E-Mail der Kontakte werden dann die entsprechenden Kontakte bei Twitter gesucht und bei Twitter aufgelistet. Hat man nur einen Kontakt, bzw. eine E-Mail Adresse in seinem Adressbuch, ist die bei Twitter verwendete E-Mailadresse eines Twitterprofils eindeutig verifiziert. In diesem Falle die Firmen-E-Mailadresse des Mitarbeiters der Bettertrust GmbH. Der teilt auch auf seinem Facebook Profil den ein oder anderen Link zu Kanälen von „Finanzen&Wirtschaft“.

Auf den zweiten Blick ist mir beim Linkedin Profil von „Christian von Hardenberg“ dann wiederum aufgefallen, dass der Mitarbeiter von Bettertrust, der „Follower Nr. 5“ von „Finanzen&Wirtschaft“ auf Twitter ist, Herrn „von Hardenberg“ ein „Endorsement“ (eine Art Mini-Referenz) gegeben hat. Einmal für Management und einmal für „journalistisches Schreiben“. Warum gibt man einem Chefredakteur mit einem Fake-Photo eine Referenz auf linkedin?

Diese Verbindungen zwischen der Bettertrust GmbH und finanzenundwirtschaft.de sind insbesondere pikant, wenn man sich andere Überschneidungen anschaut.

Bettertrust und finanzenundwirtschaft.de

Christopher Runge, der Geschäftsführer der Bettertrust GmbH ist laut der Webseite karatbank.io im „Karatbank Advisory Team“. Genau über diese „Karatbank“ „berichtete“ finanzenundwirtschaft.de mit mehreren sehr werblichen Beiträgen, am 29. November 2017, am 8. Januar 2018 und am 28. Februar 2018. Auf der Webseite von Bettertrust, bettertrust.de, listet die Firma in seinen Referenzen die Allianz auf, am 6. Dezember 2017 berichtete finanzenundwirtschaft.de über ein Projekt der Allianz. Ebenso findet sich in den Referenzen die webID Solutions, über deren Patentsstreit „Finanzen&Wirtschaft“ am 25. Oktober 2017 berichtete. Auch Tesla zählt zu den Referenzen, über Tesla wurde auf finanzenundwirtschaft.de am 22. August 2017 berichtet. Der Geschäftsführer von „8man“ (Protected Networks GmbH), ebenfalls Referenz auf der Webseite, wurde für den Youtube Kanal von „Finanzen&wirtschaft“ interviewt, das Interview wurde am 8. November veröffentlicht.

Bitten um Stellungnahme

Ich habe am 22.3.2018 mehrere Bitten um Stellungnahme per E-Mail abgeschickt. Sowohl an „Christian von Hardenberg“, den angeblichen Chefredakteur von finanzenundwirtschaft.de mit dem Fake-Photo, Antonia Witt, die Co-Redakteurin von Herrn „Christian von Hardenberg“ und Christopher Runge, den Geschäftsführer der Bettertrust GmbH. Zumindest bei der Bettertrust GmbH weiß ich, dass meine Anfrage angekommen ist und gelesen wurde, eine private Nachricht an die Facebook  Seite von bettertrust macht´s möglich. Eine Antwort habe ich aber weder von Herrn Runge, noch von Frau Witt, geschweige denn von Herrn „von Hardenberg“ bekommen. Auch mein Vorschlag an Herrn Hardenberg, sich persönlich hier in Berlin zu treffen, blieb unbeantwortet.

Keine Antwort, keine Reaktion? Viel ist in der Tat nicht passiert, außer kleinen Details: Herr „von Hardenberg“ hatte (wie oben bereits erwähnt) „Endorsements“ eines Mitarbeiters von Bettertrust, diese wurden gelöscht. Derselbe Mitarbeiter hat auch einen Tweet auf seinem Twitter-Profil mit einem Link zu einem Artikel von „Christian von Hardenberg“ auf wallstreet-online.de gelöscht. Die Privatsphäreneinstellungen des Twitter-Accounts von „Finanzen&WirtschaftTV“ wurden verändert, sodass die Identifizierung über „Freunde finden“ Funktion nicht mehr funktioniert (über die „Passwortrücksetzung“ Funktion kann man allerdings sehen, dass die angegebene E-Mail immer noch genauso aussieht, wenn sie getauscht wurde, dann gegen eine mit gleichen Anfangsbuchstaben. Ich gehe allerdings davon aus, dass sie nicht verändert wurde).

Fazit

Wenn ein Mitarbeiter der Bettertrust GmbH beim Betrieb von „Finanzen&Wirtschaft“ beteiligt ist (ob als Dienstleister oder als Mitbetreiber) und über Kunden oder Ex-Kunden „berichtet“ wird, ist das in meinen Augen keine neutrale Berichterstattung mehr, insbesondere nicht, wenn die wirtschaftlichen Verbindungen nicht aufgedeckt werden.

Dass ein anderer Mitarbeiter einem offensichtlichen Fake-Profil auch noch Referenzen gibt, erscheint bestenfalls unprofessionell und naiv, wenn er nicht wusste, das zumindest das Bild Fake ist. Genauso wie die Firma jetzt auch selber.

Mein Rat an finanzenundwirtschaft.de: die Webseite und sämtliche Fake-Profile von Herrn „von Hardenberg“ löschen und noch einmal ein neues, ehrliches und authentisches Projekt starten. Ich habe aber meine Zweifel, ob man das bei finanzenundwirtschaft.de genauso sehen wird, nach meinen Anfragen wurde ja noch nichtmal das Fake-Photo gelöscht. Einsicht sieht anders aus.

Mein Rat an Leser (und ein kleines Rätsel): Lauschen Sie dem Interviewer von „Finanzen&Wirtschaft“ hier bei Youtube und Herrn Runge von Bettertrust hier bei Youtube. Spannend, oder?

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