Update vom 20.10.2017 – Die Facebook Seite „Busynews2472“ ist nicht mehr verfügbar, genauso wenig wie das durch diese Seite veröffentlichte Video. Da auch die zugehörige Webseite nicht mehr online ist, gehe ich davon aus, dass der Seitenbetreiber selber die Facebook Seite und die zugehörige Webseite offline genommen hat. (Ein Screenshot der Fake-Nachrichtenseite findet Ihr hier, der Alternativartikel, der nach zweimaligem Laden der Webseite angezeigt wurde, ist hier verfügbardas Video habe ich zu Dokumentationszwecken vorübergehend bei Facebook hochgeladen.

Anzeige

Originalartikel vom 20.10.2017 – Im letzten Jahr habe ich in einem Artikel auf testbericht.de gezeigt, dass auf der Mehrheit der 100 mir von untersuchten Nachrichtenseiten Anzeigen für betrügerische Fake-Nachrichtenseiten zu finden waren (siehe auch „Programmatic Advertising“ – das Hintertürchen für die Fakes – 100 deutsche Nachrichtenportale im Test). Oft firmierten die angeblichen Nachrichtenseiten unter Phantasienamen, manchmal wurden aber auch die Logos echter Medienmarken missbraucht, wie z.B. von „heute“ (ZDF) oder „Welt“. Auf den Seiten wurden sehr oft Fake-Reporter aufgeführt, Bilder wurden einfach aus dem Netz geklaut, teilweise mussten aber auch Promis herhalten, wie z.B. Robert Geiss.

Nach dem Test hatte sich auf vielen der untersuchten Nachrichtenseiten einiges getan (wenn auch teilweise erst nach wiederholten Hinweisen von mir),  nach wie vor sind mir aber immer wieder negative Beispiele untergekommen vor allem auch auf anderen Webseiten. Das neueste Negativ-Beispiel ist dieses Video der Facebook Seite „BusyNews2472“.

Nächstes Promi-Opfer: Frank Thelen

Das Video ist eine dreiste Fälschung und wurde aus einem Interview mit Frank Thelen (bekannt aus der VOX Sendung „Die Höhle der Löwe) von“Euroforum Deutschland“  auf der „3. Handelsblatt Jahrestagung Digitale Energiewirtschaft 2017“ zusammengeschnitten. Im Video werden Werbeuntertitel für eine Bitcoin Anlage angezeigt: „Verdiene Millionen mit Bitcoin“, „Das beste Investment des Jahres“, „Bitcoin ist das Geld der Zukunft“, „Wir verdienen sehr viel Geld mit Bitcoin“. Es wird der Eindruck erweckt, Frank Thelens Aussagen würden sich auf ein Bitcoin-Invest beziehen. Ans Ende des Videos wurde sogar ein gefälschter Screenshot eines angeblichen Twitter-Beitrags von Frank Thelen und eine angebliche Empfehlung hineinmontiert (scheinbar auf der Seite https://tweeterino.com/frank_thelen/status/143927 erstellt und durch ein Bild ergänzt)

Klickt der User dann auf den Link, der am Ende auf dem Video eingeblendet wird, wird er zu einer Fake-Nachrichtenseite weitergeleitet, busynews247.info/a00208-schwarz-de.

Anzeige

Fake-Nachrichtenseite busynews247.info

Auf dieser Fake-Nachrichtenseite wird dann behauptet, dass Frank Thelen in eine Software investiert hätte, mit der man ganz leicht mit Bitcoin Geld verdienen könne:

„Frank Thelen hat 500.000 € in eine revolutionäre neue Software investiert. Diese Software gibt jedem die Chance Tausende von Euro täglich von zuhause aus zu verdienen. Und das Dank der Macht der Kryptowährungen!“

„Die Software gibt Ihnen Zugang zur Kryptowirtschaft und die Möglichkeit Ihr eigener Chef zu sein. Wortwörtlich kann jeder den Vorteil davon nutzen und Tausende Euro von zuhause aus verdienen.“

„Herbert Schmitt, Vater von zwei Mädchen, war am Anfang skeptisch gegenüber Frank Thelens Software. Doch wie sich herausstellte war es „die Beste Entscheidung seines Lebens“.

Auf der Seite wird aber nicht für eine Software geworben, in die Frank Thelen investiert hat. Ein Banner oben auf der Seite lässt vermuten, dass hier für „The Bitcoin Code“ (thebitcoincode.de / thebitcoincode.com) geworben wurde, eine betrügerische Werbeseite für die unseriöse „Binäre Optionen“ Plattform option888.com. Ganz genau lässt sich dies nicht mehr nachvollziehen, da der Link auf dem Werbebanner und anderen Buttons auf der Seite ins Leere führt. Auf der Seite https://trackteer.com/?flux_action=1 wird nur eine Fehlermeldung angezeigt. Entweder ein momentaner Fehler oder man ist schon auf andere Seiten „weitergezogen“.

thebitcoincode.de und option888.com

Der Link zu trackteer.com/ wird wahrscheinlich aber lediglich ein Weiterleitungslink gewesen sein, das Ziel mutmaßlich die Seite thebitcoincode.de /com oder eine andere Seite mit gleicher Aufmachung. Hier wird dem User vorgegaukelt, dass man mit der beworbenen „Software“ und dem Investment in Bitcoins tausende Euro am Tag verdienen können. Wenn der User sich aber anmeldet, wird klar, dass nicht für ein Investments in Bitcoins geworben wird, sondern für die unseriöse Seite optionen888.com.

Anzeige

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg berichtet von Warnung der ESMA und der Bafin vor binären Optionen und berichtet von Verbraucherbeschwerden gegen option888.com, ich kann auch nur eindringlich warnen. Auf vielen Plattformen für „Binäre Optionen“ wird nicht mit Wertpapieren gehandelt, sondern lediglich ein Glücksspiel angeboten. Man kauft dort keine Bitcoin, sondern wettet lediglich um Geld auf das Fallen oder Sinken von Kursen. Es handelt sich dabei aber nicht um nachprüfbare Kurse von Börsen, sondern der Anbieter selber macht die Kurse, auf „Grundlage der echten Kurse“. Wie genau die Kurse gemacht werden, weiß man als „Kunde“ allerdings nicht. Das hört sich jetzt wie ein schlechter Scherz an, ist aber Realität.

Anonyme Betreiber – Werbeplattformen machen es Betrügern zu leicht

Wer diese Seite betreibt, lässt sich natürlich nicht ohne weiteres herausfinden. Grundsätzlich wird es solchen Betreibern von den Werbeplattformen, hier Facebook, viel zu leicht gemacht, unerkannt zu bleiben. Für dieses Video wurde nach Aussage eines Facebook Users, der mich auf das Video aufmerksam gemacht hat, Werbung auf Facebook geschaltet. Bei Facebook gibt es aber, wie bei vielen Werbeplattformen, keine wirksame Identitätsprüfung, Werbung auf Facebook in Deutschland lässt sich anonym schalten. Man braucht lediglich ein Zahlungsmittel, aber auch hier ist es heutzutage kein Problem, zumindest auf den ersten Blick unerkannt zu bleiben.

Die Angaben auf der Seite sind natürlich Fake. Auf der Seite, die man zuerst anklickt wird dem User ein Impressum einer Firma aus „British Anguilla“ angezeigt, der „adb limited“, im Footer der Seite die „Virgin Trade LLC“ aus den USA.

Wenn man die Seite mit dem Fake-Bericht zweimal nachlädt, verschwindet dieser Artikel und unter derselben Webadresse wird auf einmal ein anderer Artikel angezeigt „Frank Thelen sieht Schwarz für Deutschland!“. Im Impressum dort wird die GoldMedia GmbH in der Münchnerstraße 42 in 80809 München aufgeführt. Die es aber ebenso wenig gibt, wie den angeblichen Geschäftsführer Dr. Harry Klein.

Nach meiner Erfahrung macht man es den Werbeplattformen viel zu leicht, macht es Facebook viel zu leicht, die eigenen User zu betrügen. Fehlende Prüfung der Identität, fehlende Prüfung der geschäftlichen Angaben, fehlende Prüfung der Inhalte. Betrügerische Werbung mit Promis bei Facebook? Kein Problem. Denn Prüfung würde Geld kosten und Kosten bedeuten weniger Rendite. Im Jahr 2017 reglementiert Facebook die Anzahl und Größe von Text auf Werbeanzeigen (automatisiert prüfbar), eine zumindest für Profis recht einfach zu erkennende betrügerische Werbung mit einem Promi rutscht aber in dem automatisierten Bereich einfach durch. Gestern abend hatten schon 190.000 User das Video gesehen, zur Zeit sind es 202.000 User.

Fazit

Noch immer sind betrügerische Werbeanzeigen für betrügerische Fake-Nachrichtenseiten keine Seltenheit. Das System der automatisierten Werbeschaltung ist von Betrügern einfach missbrauchbar, da es keine wirksamen Identitätsüberprüfungen und auch keine Überprüfung der Werbemittel mehr gibt. Zum Vorteil der Plattformen, die gar nicht mehr wegschauen müssen, weil sie erst gar nicht hinsehen. Zum Nachteil der Verbraucher, die auf solche Betrügereien hereinfallen, weil sie gar nicht annehmen, dass solche betrügerische Werbung mit einem Fake-Testimonial von einem Promi-Investor auf Facebook möglich ist.

Wäre hier nicht einmal der Gesetzgeber gefragt, die Werbeplattformen, die Publisher, die Verlage auf deren Webseiten solch betrügerische Seiten beworben werden, in die Pflicht zu nehmen? Ansonsten wird bei betrügerischer Werbung weiterhin einfach nicht hingeschaut und ganz unschuldig geäußert, dass man jede unseriöse Seite bei Meldung blockieren würde. Dass das nichts bringt, wenn die Seiten dann einfach von neuen Accounts mit anderer Fake-„Identität“ unter anderer Webadresse laufen, sollte den Vermarktern, Publishern und Werbeplattformen eigentlich klar sein.

Gefragt sind aber auch die Opfer von solchen Betrügern, die melden sollten, wenn sie auf solche Seiten hereingefallen sind, aber auch die „Opfer“, deren Bilder missbraucht werden, in diesem Fall zum Beispiel Frank Thelen. Vielleicht könnte ja Herr Thelen mal bei Facebook Deutschland anrufen und fragen, wer da mit seinem Bild wirbt. Und vielleicht könnte ja Herr Thelen auch seine Bekanntheit dafür nutzen, um vor den binären Betrügern zu warnen.

 

Anzeige

Leave a Reply