Chip.de und die Download Tricksereien

Jahrelang war chip.de der Felsen in der Brandung des Internets. Seriös, glaubwürdig, sicher. Wann immer ich eine Empfehlung für eine Kamera, ein Notebook oder eine Software brauchte: chip.de war meine Adresse. Wie auch die von anderen Millionen Internetsurfern. Schließlich sitzt chip.de in Deutschland und gehört zu Hubert Burda Media Gruppe. Aber auch chip.de muss Geld verdienen.

Früher konnte ich bei chip.de eine Software direkt auf der Seite Downloaden. Das Programm war von chip geprüft, man konnte sich sicher sein (oder zumindest sicherer als bei anderen ausländischen Plattformen), dass der Download keine Viren beinhaltete. Und dass man auch nur das gedownloaded hat, was man haben wollte.

Heutzutage ist das leider anders. Bei chip lädt man nicht mehr die Software herunter, sondern ersteinmal den „chip Downloadmanager“. Das ist ja erstmal noch okay, wobei ich eigentlich sowas gar nicht braucht. Aber chip.de. Warum? Damit sie dem User noch Software unterschieben können, für deren Download sie wahrscheinlich jedes mal eine Vergütung bekommen.

Das wäre noch okay, wenn sich der User dessen bewusst wäre und den zusätzlichen Download aktiv auswählen würde.

Aber auf jeden Fall ist es nicht okay, wenn sich chip.de eine Download „Zustimmung“  so erschwindelt:

1. Schritt: Downloadmanager wird gestartet. User klickt auf weiter.

1_Chip

2. Schritt: Werbung für anderes Programm. User klickt auf weiter.

2_Chip

Der User hat aber nicht realisiert, dass sich gerade für den Download eines weiteren Programms „entschieden“ hat. Das perfide dabei: Es steht zwar da, dass er mit dem Download des weiteren Programms einverstanden ist, wenn er auf weiter klickt.  Aber auf Englisch: „By clicking Next you agree to install PC Speed Up and accept its EULA.“ Der User hätte es aber auch wahrscheinlich nicht mitbekommen, wenn es auf Deutsch dort stehen würde. Und er muss es auch nicht. Ein Klick auf „Weiter“ ist keine Einwilligung. Das ist analog zum Opt-in Zwang bei Newsletter Emails zu sehen.

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3. Der User hat also weiter geklickt. Das Programm fängt mit der Installation an. , Der User weiß in den meisten Fällen nicht, was für ein Zusatzprogramm er sich da runtergeladen hat.

3_Chip

Diese Software wurde vor einigen Wochen in den Downloadmanager gepackt, derzeit gibt es einen anderen Flow. Der etwas anders arbeitet, allerdings auch immer noch mit einem Opt-out statt einem Opt-in. Ich persönlich bezweifele, dass es das letzte mal war, dass wir so etwas wie hier zum letzten Mal gesehen haben. Vielleicht sollten wir wieder anfangen, Datenträger aus dem Media Markt zu nehmen, statt auf solche Tricks im Internet reinzufallen.

Liebe Chip Macher: Warum setzt ihr Euren Ruf so aufs Spiel? Ist es das wirklich wert?

5 Responses

  1. Eddie

    Die Zeiten, in denen Chip noch eine gewisse Qualitätsadresse war, sind längst vorbei. Heute vertraue ich nur noch Heise.de – da ist man nicht nur vor Viren sicher, sondern auch vor lästiger Malware.

  2. Enrico

    Daher, liebe Freunde – direkt beim Hersteller bzw. Entwickler runterladen… das ist meist unkomplizierter, neueste Versionen und Support ist ebenfalls nicht weit…

    • Artur

      Es ist genau wie bei Daniel beschrieben. Ich war früher ein Fan von chip.de.
      Das ist aber min. schon 5 Jahre her. Seitdem suche ich mir lieber die Herstellerseite
      um etwas runterzuladen.

  3. Sebastian

    Ja, kann ich nur zustimmen. Erst vor zwei Tagen ein Programm gesucht, kommt natürlich wieder der Download von Chip in den Suchergebnissen. So weit, so gut. Aber anstatt dem direkten Download (nach paar Sekunden warten wegen Werbung und wasweißich) der Downloadmanager. Da wird man schon hellhörig.

    Wollten auch ganz dezent und unauffällig Programme unterschieben – perfide, dass der Downloadmanager ja nichts anderes macht, als uns Werbung anzuzeigen und, wenn man nicht aufgepasst hat und einfach weiterklickt, die gewünschte Software plus die Werbe-Software im Anschluss herunterzuladen. Der Downloadmanager macht nichts, außer den direkten Download anzusteuern (und „Extras“).

    So vergrault man sich Kunden, die auch ihr Umfeld zukünftig vor solchen Machenschaften warnen.

  4. Heinrich

    Kann ich nur zustimmen. Ich selbst bin immer vorsichtig bei diesen Downloadportalen und lasse z. B. meine Eltern selbst nichts installieren, weil sie auf diese Tricks reinfallen würden. Auch, wer einfach nicht alles liest, weil es kompliziert, unübersichtlich und voll ist, läuft in dasselbe Problem. Und was mich auch noch stört an Chip & Co. – erster Klick auf Download, dann weiter zu irgendeinem Server, da nochmal klicken, dann entweder noch ein Klick plus Weiterleitung auf eine dritte Seite oder der Download startet nach ein paar Sekunden dann endlich. Wollen die damit einfach nur ihre Pageviews künstlich aufblähen? Nervt, sowas.

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