Companisto.com, das sind 74.261 „Companisten“, 42.412.705 € investiert, 3 Exits (verkaufte Startups), 1000 neue Jobs, 91 Finanzierungsrunden und 3.462.848 € ausgezahlt. So jedenfalls wirbt Companisto auf der Startseite für die eigene Plattform, für die Startups auf der Plattform und um das Vertrauen der bisherigen und neuer Investoren.

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Auf der Startseite spricht man auch von Vertrauen:

„Nur Transparenz und Fairness schaffen Vertrauen. Wir arbeiten ständig daran, unsere Angebote stets ausgewogen und nachvollziehbar zu gestalten.“

Vertrauen, das man aber gleich dort schon wieder verspielt, weil man schon auf der Startseite von companisto.com irreführend wirbt.

TÜV Siegel und eine ominöse Goldmedaille

Neben einem TÜV-Siegel vom TÜV Saarland findet man auf der Startseite von companisto.com (und auch im Footer der Webseite) eine Art Goldmedaille, die Companisto als „Aktivster private Wagniskapitalgeber in Deutschland 2016“ auszeichnet. Zwei Lorbeerzweige im oberen Bereich der Medaille und 4 Sterne im unteren Bereich der Medaille verstärken zusätzlich den Eindruck, dass Companisto hier von einer neutralen dritten Institution als „aktivster Wagniskapitalgeber“ ausgezeichnet wurde. Dieser Eindruck wird auch dadurch hervorgerufen, dass man diese Medaille direkt neben das TÜV Siegel platziert hat.

Während das TÜV Siegel schnell über die Zertifikatsabfrage des TÜV Saarlandes auffindbar ist, erfährt man über die Goldmedaille allerdings nichts. Weder enthält sie den Namen der ausgebenden Institution noch ist sie mit einer Quelle verlinkt, bei der man Näheres zu der Auszeichnung finden könnte.

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Suche nach Auszeichnung erfolglos

Sucht man die Goldmedaille über die Bildersuche von Google, findet man außer der Companisto Webseite keine andere Quelle. Die Google Suche nach Companisto als „aktivstem privatem Wagniskapitalgeber“ bestärkt die Vermutung, dass es gar keine diesbezügliche Auszeichnung gab und die Medaille „Marke Eigenbau“ ist.

Selbstauszeichnung nach dem „Stille Post“-Prinzip?

Pressemitteilungen verdichten den Eindruck, dass man sich hier wohl selber zum „aktivsten privaten Wagniskapitalgeber“ „hochdefiniert“ hat. In dieser Pressemitteilung von Companisto heißt es nämlich

„Gemessen an der Anzahl der veröffentlichten Finanzierungsrunden war Companisto 2016 der aktivste private Wagniskapitalgeber in Deutschland (Quelle: BVK).“

Der „BVK“ ist der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. gemeint, ein Sprecher der Verbandes erklärt die Quellenangabe so:

„Der BVK stellt seinen Mitgliedern auf Wunsch Auszüge aus einer BVK-Datenbank zur Verfügung, in der der Verband alle in der Presse veröffentlichten Private Equity-Transaktionen einschließlich der Venture Capital-Investments/Finanzierungsrunden sammelt. Bezogen auf die Anzahl der getätigten Investments lagen in dieser Liste z.B. im Jahr 2015 die beiden öffentlichen VCs mit Förderauftrag, der High-Tech Gründerfonds und die IBB Beteiligungsgesellschaft, an der Spitze mit den meisten veröffentlichten Investments. BVK-Mitglieder können diese Informationen für eigene Zwecke weiterverarbeiten und die so entstandenen Auswertungsergebnisse werden nicht von unserem Verband verifiziert.“

Das heißt also, dass es bei der verwendeten Definition „aktivster privater Wagniskapitalgeber“ allein um Dimension der „Anzahl der veröffentlichten Finanzierungsrunden“ geht. Das heißt: private Wagniskapitalgeber, die ihre Investitionen nicht veröffentlichen, werden gar nicht berücksichtigt, die Höhe der Investments wird auch nicht berücksichtigt. Nach dieser Definition wäre ein Businessangel, der 3 Investments über jeweils 10.000€ veröffentlicht, aktiver als ein Businessangel, der 2 Investments über jeweils 500.000€ veröffentlicht. Ein Businessangel, der 10 Investments über 100.000€ nicht veröffentlicht würde gar nicht betrachtet werden. Insofern müsste also diese Einschränkung „gemessen an der Anzahl der veröffentlichten Finanzierungsrunden“ immer zwingend bei der Werbeaussage dabeistehen. Das gelingt Companisto oft, aber nicht immer. Der Stille-Post-Effekt macht sich z.B. bei dieser aktiven Jobanzeige für eine(n) Übersetzer(in) auf der Webseite, dieser (abgelaufenen) Jobanzeige bei Gründerszene.de oder dieser Jobanzeige bei medianet-bb.de bemerkbar.

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Hier heißt es dann nur noch „In den Jahren 2015 und 2016 war Companisto der aktivste private Wagniskapitalgeber in Deutschland.“

Auch in diesem Interview bei crowdfunding.de vergisst der Gründer und Geschäftsführer Tamo Zwinge den Zusatz.

Was können wir 2017 von Companisto erwarten?

Bereits 2015 waren wir dank unserer Companisten laut einer Statistik des BVK der aktivste private Wagniskapitalgeber in Deutschland. Diese Krone möchten wir weiter verteidigen.“

Wahrscheinlich in allen diesen Fällen einfach Flüchtigkeitsfehler in der Kommunikation, weil Companisto ansonsten an zahlreichen (und auf den ersten Blick zahlreicheren) Stellen immer auf die Einschränkung „gemessen an der Anzahl der veröffentlichten Finanzierungsrunden“ hinweist.

In der „Goldmedaille“ ist dieser Hinweis allerdings wiederum nicht aufzufinden. Wieder ein Flüchtigkeitsfehler von Companisto? Nach Auskunft des BVK (siehe oben) basieren diese Aussagen nur auf internen Daten, die der BVK nicht offiziell verifiziert,  die „Medaille“ stamme nicht vom Verband. Von wem stammt die Medaille auf companisto.com also dann?

Bitte um Stellungnahme von Companisto

Auf meine Bitte um Stellungnahme hat Companisto bisher nicht reagiert. Dabei heißt es doch (wir erinnern uns):

„Nur Transparenz und Fairness schaffen Vertrauen.“

Fazit

Companisto hat absolut Recht, wenn sie schreiben, dass nur Transparenz und Fairness vertrauen schaffen, werden aber diesem Motto in keiner Weise gerecht, wenn sie sich selber eine falsche Medaille „um den Hals hängen“ und damit in mehrfacher Hinsicht irreführend werben. Den beiden Gründern und Geschäftsführern Tamo Zwinge und David Rhotert, die ausgebildete Juristen sind und beide als Rechtsanwalt gearbeitet haben, sollte dies eigentlich auch klar sein (wenn sie auf Ihrer Startseite oder in ihrem Footer die „Medaille“ denn schon einmal gesehen haben sollten oder wenn sie die Medaille in Zukunft einmal zu Gesicht bekommen). Ich würde jedenfalls dringend empfehlen, diese Medaille mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn nicht alles, was glänzt, ist auch Gold.

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