Update 22.032016 17:57 Uhr: Jetzt wurde auch das Youtube Video von Crowdfox auf privat gesetzt.


Update 22.03.2016 17:41 Uhr: Das Vimeo Video wurde jetzt auch auf Vimeo selber entfernt. Wer das Video noch sehen will, findet es aber auch noch bei Youtube.


Konnte Crowdfox (www.crowdfox.com) noch letzte Woche eine Millionenfinanzierung verkünden, so ging es am Wochenende in der „Wortfilter.de“ Online-Händler Facebook Gruppe hoch her, Crowdfox stand in der Kritik. Ausgangspunkt war ein Artikel zu Crowdfox von Mark Steier auf wortfilter.de. (Am Ende des Artikels findet ihr auch eine Gegendarstellung von Crowdfox zum Artikel bei Wortfilter.)

Im Laufe der Diskussion wurde auch auf eine Seite bei Crowdfox verwiesen, die als Landing Page für die Anmeldung interessierter Händler dient. Auf dieser Seite wurde bis gestern dieses Video mit einem Bericht über Crowdfox eingebunden.

Genau über dieses Video bin ich dann „gestolpert“, vor allem weil es 2 bemerkenswerte Details gab.

1. Das Video kommt im Stil einer neutralen Berichterstattung über Crowdfox daher, es ist aber unklar, wer das Video in Auftrag gegeben hat und welche Redaktion sich dafür verantwortlich zeichnet. Im Laufe des Videos erklärt die Sprecherstimme:

„Wir haben den Test gemacht und 2 Tage lang nonstop online eingekauft. Ergebnis: Es funktioniert tatsächlich. Die Produkte, die der Crowdfox Computer herausgesucht hat, waren immer billiger als bei Amazon. Im Schnitt um 10%. Wir finden heraus, das Crowdfox System ist zuverlässiger, weil ein internes Team von Programmierern eine eigene Such- und Preissoftware entwickelt hat, die täglich angepasst werden kann. Andere Unternehmen, nutzen Standardsoftware.“

Der interessierte Zuschauer erfährt aber an keiner Stelle, wer „wir“ ist und wer Crowdfox 2 Tage lang nonstop, also 48 Stunden!, getestet hat, um die nötigen Erfahrungen mit Crowdfox zu sammeln.

2. Im Videobeitrag kommt ein Journalist, Sven Baumhauer, zu Wort, der laut Einblendung  „Wirtschaftsjournalist ARD“ ist.

Verwunderlich waren an dieser Stelle die sich für mich recht optimistischen anhörenden Aussagen von Herrn Baumhauer bzgl. Crowdfox, gerade auch vor dem Hintergrund der kommunizierten Position als Wirtschaftsjournalist bei der ARD.

„Portale wie crowdfox und andere geschlossene Einkaufscommunities, die keine Händlergebühren kassieren,
werden amazon über kurz oder lang dazu zwingen, die Gebühren zu senken. Denn eine Plattform wie amazon
ist sonst aufgrund seines hohen Preisniveaus und der massiven Gebühren nicht wettbewerbsfähig.“ […]

„Das neue Modell eines geschlossenen Marktplatzes ohne Händlergebühren könnte großen Einfluss auf die heutige Marktsituation haben. Ich halte es für denkbar, dass amazon in 10, vielleicht sogar schon 5 Jahren nicht mehr in der heutigen Form existiert.“

Die Aussage, dass eine Firma in 10 Jahren in der heutigen Form nicht mehr existiert ist natürlich immer richtig, wenn man den genauen Wortlaut der Aussage nimmt, weil sich jede Firma jeden Tag ändert. Man kann sie aber auch anders verstehen.

Diese 2 Stolpersteine waren auf jeden Fall Grund genug für mich, einmal genauer nachzuforschen, insbesondere hat mich der aktuelle Status von Herrn Baumhauer interessiert. Im Netz waren allerdings keine aktuellen Berichte oder Reportagen zu finden, lediglich ältere Beiträge, bei denen Herr Baumhauer für den WDR als freier Mitarbeiter tätig war. Eine Email an seine WDR Email Adresse führte zu einer Fehlermeldung.

Eine Anfrage über XING bei Herrn Baumhauer direkt (okay, es war Samstag Abend) ergab leider erstmal keine Antwort, der WDR antwortete allerdings auf die Anfrage am Sonntag Mittag bereits ein paar Stunden später, dass man mir am nächsten Tag Auskunft dazu geben könnte.

Das hat der WDR am Montag auch gemacht, Ergebnis: Herr Baumhauer war zuletzt 2014 für den WDR tätig.

Meine Anfrage am Montag bei Crowdfox bzgl. Referenzen für Herrn Baumhauer und dem Auftraggeber / Sender des Videos blieben ersteinmal unbeantwortet, erst nach mehrmaligen Nachfragen erklärte mir Daniel Koller, “ Head of Brand and Marketing Communications“ bei Crowdfox:

Sven Baumhauer ist freier Journalist, der seit mehreren Jahren für WDR- und ARD-Programme tätig ist, u. a. für „markt“ im Dritten/WDR sowie vereinzelt für den „Markencheck“/ARD.“

Daraufhin bat ich Herrn Koller, nocheinmal nachzuforschen, ob Herr Baumhauer noch andere ARD Engagements habe, auf die sich die Betitelung als Wirtschaftsjournalist stützen könne, weil laut WDR Herr Baumhauer zuletzt 2014 für sie als freier Mitarbeiter tätig war.

Diese Frage wurde mir allerdings bis heute seitens Crowdfox, trotz mehrmaliger Nachfrage nicht beantwortet. Auch die Frage bzgl. des Auftraggebers / Senders des Videos blieb unbeantwortet. Das Video wurde allerdings gestern im Verlauf des Tages ausgewechselt. Gestern Abend war es nicht mehr zu sehen.

Heute hat dann Sven Baumhauer per XING auf meine abermalige Bitte um ein Statement geantwortet:

„Ich bin im Rahmen der Produktion des Industriefilms über Crowdfox gebeten worden in meiner Funktion als unabhängiger, freiberuflicher Wirtschafts-und Verbraucherjournalist einen O-Ton abzugeben. Momentan befinde ich mich noch in Elternzeit und bin deshalb derzeit – anders als in den vergangenen Jahren – nicht als freiberuflicher Journalist für den WDR oder die ARD tätig. Die Insertierung meiner Person im Crowdfox-Beitrag habe ich nicht zu verantworten. Um weitere Irritationen und Missverständnissen vorzubeugen, habe ich darum gebeten mein Insert sofort zu ändern und den Zusatz „ARD“ weg zu lassen.“ 

Punkt 2 ist also beantwortet. Crowdfox hat mit einem „Wirtschaftsjournalisten ARD“ Werbung gemacht, der zuletzt 2014 als freier Mitarbeiter für den WDR tätig war. Wer letzten Endes für diese Betitelung verantwortlich war, kann ich an dieser Stelle nicht klären, sie war in meinen Augen aber weder glücklich, noch professionell.

Punkt 1 bleibt leider nach wie vor unbeantwortet. Aber vielleicht äußert sich Crowdfox ja noch dazu, wer für den 48-Stunden-Non-Stop-Test verantwortlich war und wer die Berichterstattung in Auftrag gegeben hat. Ich weiß nicht, ob sich Crowdfox melden wird, ich bin gespannt.

Eines weiß ich aber auf jeden Fall: So geht in meinen Augen transparentes Händlermarketing nicht.

 

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