Update 4. September:

Sowohl Companisto als auch die Knicket Gründer hüllen sich weiter in Schweigen. Knicket scheint sich weiterhin zu weigern, Fragen zu beantworten. Lediglich ein weiterer Kommentar wurde vor 3 Tagen freigeschaltet, alle weiteren Kommentare unterliegen scheinbar immer noch der Zensur. Das ist nicht nur mangelhaftes Community Management. So gehen auch Heizdeckenverkäufer mit kritischen Kunden auf Kaffeefahrten um: mundtot machen und nicht auf Kritik eingehen.


Update: 29. August:

Die Kampagne von Myparfuem ist ohne Beanwortung unserer Fragen zu Ende gegangen. Auch andere Fragen / Antworten wurden nicht mehr veröffentlicht.

Auch Knicket hat sich nicht mehr gemeldet, jedenfalls nicht auf die Fragen.

Companisto hat sich komplett tot gestellt. Weder die Email an den Support, noch an Tamo Zwinge, einen der Geschäftsführer von Companisto wurde beantworte. Auf der Facebook Seite von Companisto wurden wir ja ohne Gründe schon vor Monaten gesperrt.


 

Vorab: Der Artikel bezieht sich nur auf Crowdinvestment in Deutschland bei denen normale User in Form von Darlehen am Unternehmenserfolg (oder Misserfolg) beteiligt werden. Auf Crowdfunding, bei denen die User mit dem Funding die Produktion oder die Produktentwicklung vorfinanzieren (z.b. startnext.de oder kickstarter in den USA) beziehe ich mich nicht.

Das Thema liegt mir schon seit längerem am Herzen, bzw. etwas schwer im Magen. Warum? Nicht etwas weil ich die Plattformen unseriös finde oder denke, dass Heizdecken verkauft werden.  Ich find das Grundmodell / die Grundidee des Crowdinvestments extrem spannend, die genaue Ausgestaltung des Modells in puncto Kommunikation  auf Plattformen wie seedmatch.de oder companisto.com halte ich aber für bedenklich.  Aus der Sicht der Geldgeber sind zumindest diese beiden Plattformen, bzw. teilweise die teilnehmenden Startups, in ihrer Informationspolitik in meinen Augen mangelhaft:

  • Die Präsentationen sind zu werblich und in einigen Fällen zu optimistisch und übertreibend. Die Präsentationen erinnern mich teilweise an die TV Shopping Channels. Natürlich ist jedes Startup bestrebt, sich so gut wie möglich darzustellen. Bei Crowdinvesting Plattformen muss aber daran gedacht werden, dass die Zielgruppe teilweise aus ganz normalen Verbrauchern besteht. Hier sollte auch durch die Crowdinvest-Plattformen selber ein erster Plausibilitäts- und Qualitätscheck erfolgen.
  • Die von den Startups zur Verfügung gestellten Informationen sind sehr lückenhaft bzw. zu ungenau. Aufgrund dieser Daten würde meiner Ansicht nach kein erfahrener Business Angel oder VC in ein fremdes Startup investieren (natürlich sieht das anders aus, wenn man die Gründer jahrelang kennt und ihnen vertraut, aber genau dieser Fall trifft bei Crowdinvestments höchstens nur teilweise ein)
    • Die Finanzplanungen sind viel zu pauschal und damit deren Plausibilität selbst für Profis nur schlecht überprüfbar.
    • Insbesondere wird zu wenig auf Details der Mittelverwendung eingegangen. Das ist das A und O jeder Finanzierungsrunde: wo fließt das Geld des Investors genau hin?
    • Alternativplanungen fehlen bei den Finanzplänen: z.B. bei veränderter Absatzmenge, Verteuerung der Produktions- oder Marketingkosten, etc.
    • Genaue Informationen über bereits bestehende Investments werden nicht gegeben.
    • Die Anteilsverhältnisse unter den Gründern werden oft nicht aufgedeckt.
  • Dieser Mangel an Informationen wird leider auch nicht durch Fragemöglichkeiten der Geldgeber behoben. Die vielzitierte „Wisdom of the Crowd“ (Die Weisheit der „Masse“) kann sich nicht entfalten:
    • Fragen, die User stellen, werden nicht direkt veröffentlicht. Allem Anschein nach können die Startups selber Kommentare / Fragen der User freischalten und diese dann beantworten.
    • Es wird einem eher inaktiven User, der keine eigenen Fragen stellt, nicht deutlich kommuniziert, dass Fragen nicht direkt veröffentlicht werden. Dies wird erst angezeigt, wenn man eine Frage eingereicht hat.
    • Beispiel Companisto: Es werden NICHT alle Fragen veröffentlicht. (Beispiel siehe unten) Das heißt, das jeweilige Startup ist in der Lage die Kommunikation der Interessenten zu steuern und nötigenfalls zu zensieren. Insbesondere kritische Kommentare bzw. Detailfragen scheinen nicht besonders beliebt zu sein.
    • Detailfragen, die für einen  Businessangel oder einen VC normal wären, werden mit Hinweis auf die Sensibilität der Information, nicht beantwortet.

Die Zensur, bzw. Nichtbeantwortung von kritischen Fragen finde ich eigentlich den problematischsten Punkt. Denn die Schwarmintelligenz, die Diskussion unter den Investoren ist ein enorm wichtiges Korrektiv. Was für Business Angels und VCs Standard ist, insbesondere wenn untereinander bekannte Investoren gemeinsam investieren, wird hier sowohl von den Plattformen (funktionell) als auch von den Startups verhindert. Damit weist das ganze Modell aber einen Systemfehler auf, der dazu führen kann, dass mehr Startups finanziert werden, als eigentlich vernünftig wäre. Und natürlich auch mehr Startups pleite gehen werden.

Konkrete Beispiele für diese „Zensur“ von Fragen:

  • Meine Frage an „Myparfum“  auf der Facebook Seite von Companisto bezüglich der TV Kampagne vor der Insolvenz  wurde von Myparfum erst beantwortet, danach allerdings von Companisto gelöscht. Mein Facebook Profil wurde für die Facebook Seite von Companisto von Companisto geblockt. (Ich bin also nicht mehr in der Lage überhaupt Post von Companisto zu kommentieren)
  • Vor 3 Tagen habe ich Fragen an myparfum gestellt (eingereicht). Diese Fragen wurden bis heute weder veröffentlicht noch öffentlich beantwortet. Es waren eine Reihe von Fragen, aber es sollte machbar sein, diese in 3 Tagen zu beantworten. Alternativ könnte man kommunizieren, bis wann die Fragen beantwortet werden.
  • Ich habe sowohl Myparfum als auch Companisto per Email kontaktiert, um zu fragen, ob und wann die Fragen beantwortet werden. Bisher habe ich keine Antwort erhalten.
  • Vor 2 Tagen habe ich Fragen an Knicket (ebenfalls auf Companisto) gestellt. Diese wurden ebenfalls nicht beantwortet.
  • Gestern morgen habe ich Knicket / Companisto dann per Twitter gefragt, warum Knicket seit 3 Wochen (das wird im Kommentarbereich von Knicket angezeigt) nicht mehr auf Fragen geantwortet hat. 3 Wochen kamen mir (abgesehen mal von meiner eigenen Frage) recht lang vor und ebenso unwahrscheinlich.
  • Daraufhin hat mir einer der Gründer von Knicket, direkt per Twitter geantwortet, dass die letzte Frage vor 7 Tagen gestellt und auch direkt beantwortet wurde. Das ist natürlich merkwürdig, wenn auf der Plattform die letzte Frage (siehe Screenshot) 3 Wochen her ist. Was läuft hier falsch?

Knicket_Kommentare_21_08

  • Der Gründer von Knicket wollte sich dann bei Companisto erkundigen, ob es ein technisches Problem gibt. Danach hat er leider gar nicht mehr auf Fragen reagiert.

Ich finde diese beiden Beispiele sehr bedenklich. Gerade der letzte Fall wirft weitere Fragen auf: Wurde wirklich die letzte Frage von knicket vor 7 Tagen beantwortet? Heißt das vielleicht, dass Fragen teilweise zwar beantwortet werden, aber nicht für alle User mehr sichtbar sind? So wie die „Verstecken“ Funktion für Facebook Seiten, bei der ein User zwar seinen eigenen Kommentar noch sieht, aber sonst keiner mehr? Sodass er auch gar nicht weiß, dass der Kommentar verborgen wurde? Das sind aber alles nur Fragen und Spekulationen. Companisto sollte hierzu Stellung beziehen.

Was sollten die Plattformen wie seedmatch oder companisto also dringend ändern?

  • Einen hohen Mindeststandard für Informationen definieren (die Aufzählung ist nicht abschließend):
    • Ein detaillierter Finanzplan in Form einer Tabellenkalkulation. Dieser Finanzplan sollte
      • alle Planungen für Einnahmen / Ausgaben offenlegen
      • „Key Success Driver“ enthalten, auf denen der Finanzplan auch innerhalb der Tabellenkalkulation maßgeblich aufbaut. Sodass man innerhalb des Dokuments diese Werte für sich selber verändern kann, um zu sehen, wie sich die Einnahmen- und Ausgabensituation entsprechend ändert
      • idealerweise auch ein Wachstumsmodell enthalten, das die Grundannahmen für die Kundenakquise, aber auch für die Kundenentwicklung zeigt (Thema „Churnrate“ ist sehr wichtig).
      • Erklärungen für Schätzwerte enthalten.
    • Eine detaillierte Marketingplanung, die zumindest die Akquisekosten, die Kundenzahl und die Umsatzzurechnung der einzelnen Kunden zeigt.
    • Eine detaillierte Übersicht über die Mittelverwendung, insbesondere was die Erfüllung von bereits bestehenden Verbindlichkeiten betrifft (zurückgestellte Gehälter, offene Darlehen, etc.)
    • Übersicht über Geschäftsführer- , Gründer-, Beratergehälter
  • Jede Frage von Interessenten sofort veröffentlichen (bzw. in Kernzeiten, in denen die Fragen durch einen Community Manager betreut werden können)
  • Die Gründer verpflichten, jede Frage zu beantworten.
  • Bewerbung des Invests mit unkonkreten Informationen sollte vermieden werden. Das betrifft insbesondere das Bewerben des Angebots mit „Interessenten“, LOI, zukünftigen Kooperationspartner, anderen Investoren etc. insbesondere wenn es um bekannte Namen geht oder wenn Namen gar nicht genannt werden. Und insbesondere wenn man noch keine konkreten nachweisbaren Erfahrungen hat, wieviele Interessenten wirklich zu Partnern oder Kunden werden

Diese Listen sind natürlich nicht abschließend, ich bin gerne offen für weitere Vorschläge, die ich nachträglich noch ergänze.

Empfehlenswert zu diesem Thema ist übrigens auch der Artikel von Thomas Promny über Crowdfunding.

5 Responses

  1. Rick

    Offenbar unbeliebte Frage eher nicht zu beantworten scheint bei Companisto nach eigener Erfahrung auch 2016 noch ein Thema zu sein ;)

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  2. Marlon

    Oh ja, darüber könnte ich auch einiges erzählen. Mir wurden auch (kritische) Anfragen nicht beantwortet und nicht veröffentlicht.
    Dabei wäre es für die Plattformen eine (nach den letzten Pleiten) gute Qualitätssicherung, aber natürlich nicht gut fürs eigene Geschäft. Provisionen wollen verdient sein, das Geld der Anleger steht nicht im Fokus.

    Antworten

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