Da ich nebenbei bei Facebook mehrere Wohnungsgruppen administriere, insbesondere eine englischsprachige in Berlin, habe ich schon einmal ein paar Tipps für ausländische Wohnungsbewerber zusammengestellt, die die deutschen Gepflogenheiten bei der Wohnungssuche und Bewerbung nicht kennen. Jetzt möchte ich an dieser Stelle (auch gemeinsam mit Euch), die besten Tipps für die Wohnungsbewerbung sammeln. Hier und jetzt. Wer noch Tipps hat (auch für bestimmte Wohnungssuchende, z.B. mit Haustieren) ist sehr willkommen, diese in die Kommentare zu schreiben, ich werde den Artikel von Zeit zu Zeit aktualisieren.

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1. Seid allzeit bereit – Bereitet mehrere Bewerbungsmappen mit Kopien von folgenden Dokumenten vor :

Wenn Ihr die Wohnung wirklich interessant findet, gebt auch direkt eine Bewerbungsmappe ab, wenn dies der derzeitige Mieter, Makler oder Vermieter möchte.

  • Kurzer Lebenslauf mit Photo (wenn beides professionell ist, keine negativen Punkte enthalten sind und das Photo sympathisch wirkt).
  • Wenn Ihr Euch direkt beim Vermieter schriftlich bewerbt, kann auch ein kleines Begleitschreiben die persönliche Note verbessern. Ein Beispiel findet Ihr z.B. bei Immobilienscout.
  • Eine ordentlich ausgefüllte Mieterselbstauskunft, eine Vorlage gibt es z.B. hier http://www.wohnungsboerse.net/mieterselbstauskunft. Wichtig: Es sollte ordentlich aussehen und lesbar sein, schreibt im Zweifel in Druckstaben. Wenn Ihr keine ordentliche Handschrift habt, lasst Euch das entweder von jemandem schreiben oder ladet die Word Version auf wohnungsboerse.net herunter, füllt es am Computer aus und unterschreibt dann die Ausdrucke. Auf der ausgefüllten Kopie sollte immer noch eine originale Unterschrift sein, das wirkt besser. Welche Fragen Ihr wahrheitsgemäß beantworten müsst, bzw. nicht müsst, sagt Euch z.B. der Mieterverein. Wenn Ihr vom Vermieter eine Selbstauskunft ausgehändigt bekommt, kopiert diese erstmal, bevor Ihr die ausfüllt. Falls Ihr Euch verschreibt, könnt Ihr die dann nochmal sauber ausfüllen.
  • Verdienstbescheinigungen / Gehaltsabrechnungen der letzten 3 Monate, bei Selbständigen am besten länger.
  • Mietschuldenfreiheitsbescheinigung oder (Vermieter sind nicht verpflichtet, einen Bescheinigung auszustellen) einen Nachweis über die Zahlungen (z.B. Kontoauszüge der Mietzahlungen der letzten 12 Monate)
  • Referenzen – in manchen Selbstauskunftbögen enthalten, könnt Ihr hiermit zusätzliches Vertrauen schaffen, wie auch bei Jobbewerbungen. Ihr solltet dabei den vollständigen Namen, Beruf und Kontaktmöglichkeiten wie Email Adresse oder Telefonnummer angeben.
  • Bürgschaft – besonders empfehlenswert für Studenten, Selbständige, Bewerbern, bei denen die Miete mehr als 30% des Netto!einkommens (also das, was sie monatlich ausgezahlt bekommen) ausmachen. Tipp: Solltet Ihr keinen persönlichen Bürgen haben, könnt Ihr auch versuchen, bei Eurer Hausbank eine kostenpflichtige Bürgschaft zu erhalten. Das kostet in der Regel ca. 5% der Bürgschaftssumme pro Jahr (siehe z.B. diese Übersicht bei Stiftung Warentest), damit habt Ihr aber bei konservativen Vermietern, kleinerem Einkommen und fehlenden Bürgen bessere Chancen. Ihr könnt auf einem separaten Blatt auch erklären, dass Ihr bereit seid, vor Mietvertragsunterzeichnung eine Bankbürgschaft abzuschließen, wenn Ihr nicht direkt vorher eine abschließen wollt.
  • Schufauszug – eine einmalig kostenlose Basisauskunft könnt Ihr hier https://www.meineschufa.de/index.php?site=11_3 bekommen, vorsorglich könnt Ihr auch noch dem Vermieter schriftlich erlauben (meist auf den Formularen für die Selbstauskunft enthalten) eine eigene Auskunft einzuholen.
  • Reicht bitte keine Sammlung loser Blätter ein, sondern leistet Euch ein paar ordentliche Mappen. Papier schlägt Plastik.

Extratipp: Scannt die gesamte Bewerbungsmappe ein, um sie im Zweifelfall auch nochmal per Email an den Vormieter, Makler, die Hausverwaltung oder den Vermieter zu verschicken. Gerade ein Vormieter wird im Zweifel als erstes eine gute, digitale Bewerbung zuerst weiterschicken, weil er dadurch weniger Aufwand hat.

2. Kleider machen Leute – Achtet auf ein gepflegtes Äußeres beim Besichtigungstermin

Egal ob der Termin durch den Hausmeister, den noch in der Wohnung lebenden Mieter, den Makler oder Vermieter selber organisiert wird: kleidet Euch ordentlich und macht nicht unbedingt die Nacht mit Parties durch. Es geht nicht darum, dem Vermieter Toleranz beizubringen, Ihr möchtet die Wohnung haben.  Ihr müsst auch nicht unbedingt einen Anzug anziehen, aber nehmt die ordentlichste, neueste Kleidung die Ihr habt. Gleiches gilt für einen persönlichen Termin bei der Hausverwaltung

3. Der frühe Vogel fängt den Wurm – Seid früh da, insbesondere bei Massenterminen.

Oft gewinnt derjenige der als erster von den Interessierten da war und seine Unterlagen abgegeben hat. Mit früh meine ich übrigens nicht genau pünktlich, sondern 15-20 Minuten vor dem eigentlichen Termin. Wenn Ihr einen Einzeltermin habt, reicht es natürlich, wenn Ihr 5-10 Minuten vor Eurem persönlichen Termin ankommt.

4. Unterhaltet Euch mit demjenigen, der Euch die Wohnung zeigt.

Bereitet immer ein paar Fragen vor, damit Ihr mit der Person reden könnt, die die Wohnung zeigt, damit Ihr auch als Person in Erinnerung bleibt. Fragen nach den anderen Mietern / der Mieterstruktur im Haus, Besonderheiten des Hauses, Heizungsart, zur Umgebung können nicht schaden, sondern helfen Euch, ein kurze Gespräch aufzubauen. Seid freundlich, aber nicht zu aufdringlich, Ihr müsst auch nicht bei der Besichtigung da bleiben, bis der letzte Bewerber die Wohnung verlassen hat.

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5. Bewerbt Euch ggf. zusätzlich direkt beim Vermieter

Möchtet Ihr die Wohnung wirklich und der Termin wird durch den noch aktuellen Mieter oder Hausmeister organisiert, findet die Hausverwaltung oder den Namen des Vermieters heraus (z.B. indem Ihr auf Aushänge im Haus schaut oder im Extremfall beim Nachbarn klingelt und fragt) und schickt zusätzlich nochmal Eure Bewerbungsmappe direkt zum Vermieter oder der Hausverwaltung. Wird der Vermieter durch eine Hausverwaltung betreut, könnt Ihr auch am nächsten Bürotag der Hausverwaltung vorbeigehen und Eure Unterlagen persönlich abgeben. Denn irgendjemand macht es fast immer.

6. Stalkt Euch selber online

Sucht bei Google und Facebook nach Eurem Namen. Social Media ist überall und auch Euer potentieller Vermieter könnte auf die Idee kommen, Euch bei Google oder Facebook zu suchen. Also macht den Check. Achtet auch z.B. bei Facebook darauf, wie jemand Euer Profil sieht, wenn er nicht mit Euch befreundet ist. Vielleicht habt Ihr irgendeinen Beitrag, der lange zurückliegt, vergessen, aber er mag immer noch für „Nicht-Freunde“ als erstes auf Eurer Profilseite zu sehen sein. Wie Euer Profil für „Fremde“ aussieht, könnt Ihr z.B. bei Facebook sehen, wenn Ihr

„?viewas=100000686899395&privacy_source=timeline_gear_menu“

hinter die Webadresse Eures Profils hinzufügt und dann “Return” / “Eingabe” drückt. Also z.B. bei

facebook.com/peter_mustermann

facebook.com/peter_mustermann?viewas=100000686899395&privacy_source=timeline_gear_menu

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Denkt auch daran, welche Photos Freunde hochgeladen haben oder welche Beiträge Ihr wie kommentiert habt. Mit der „Facebook Graph Search“ kann man ziemlich viel von den meisten Facebook Profilen sehen. Denn die Sichtbarkeit wird nicht nur durch die eigenen Einstellungen bestimmt, sondern vor allem durch die Sichtbarkeitseinstellungen desjenigen, der den Beitrag erstellt hat. Jeder kann das mal mit fremden Profilen recht einfach mit diesem Tool ausprobieren: http://graph.tips (Damit das funktioniert, müsst Ihr bei den Spracheinstellungen bei Facebook Englisch (US) ausgewählt haben, mit der Spracheinstellung  „Deutsch“ funktioniert das nicht.)

Danach solltet Ihr bei problematischen Inhalte entweder die Sichtbarkeitseinstellungen verändern, sie löschen oder durch genügend andere Inhalte „verdecken“. In der Regel gilt nämlich immer: wenn man genügend über sich selber erzählt (siehe auch Lebenslauf und Anschreiben), reduziert man den Anreiz für andere, Informationen einzuholen. Auch ein Vermieter wird in der Regel nicht zum Detektiv und sucht nicht stundenlang in Euren Fotos, um irgendeinen Fehler zu finden. Denn meist gilt folgendes:

7. Der erste Eindruck zählt

An sich kein eigener Tipp, aber Ihr solltet dies bei jedem Tipp, bei allen Unterlagen, bei jedem Kontakt beherzigen. Meist gibt es immer nur eine Chance, beim ersten Eindruck zu glänzen.

 

So, jetzt seid Ihr dran: Was sind Eure besten Tipps für die Wohnungsbewerbung?

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