Das ist leider jetzt der 3. Artikel in Folge über Fake-Tests im Umfeld der Bewerbungsservices, über die Bewerber ihre Bewerbungsunterlagen schreiben oder optimieren lassen können. Aber ich denke, es ist wichtig und nötig, die Probleme aus mehreren Blickwinkeln zu beschreiben.Diesmal geht es um den angeblichen „Testsieger“ eines angeblichen Tests von testsieger-berichte.de, über den ich vor knapp 3 Wochen berichtet habe: die-bewerbungsschreiber.de. Der Service wird von der webschmiede GmbH in Bochum betrieben, Geschäftsführer sind hier Holger Manzke und Stefan Gerth.

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Nicht nur Fake-Tests sind ein Problem in vielen Branchen, das Problem sind auch die angeblich „Getesteten“, die sich mit den Fake-Auszeichnungen schmücken. Manchmal mag das die Unkenntnis über die rechtliche Lage sein, manchmal die Unkenntnis darüber, dass nicht wirklich getestet wurde, vielleicht aber manchmal auch das Kalkül, dass der Nutzen größer ist als der Schaden. Ein Schaden z.B. durch eine Abmahnung oder ggf. die Klage eines Wettbewerbers. Was aber auch immer der Grund dafür sein mag, dass ein Unternehmen eine Fake-Testsieger Auszeichnung führt, auf jeden Fall ist es unfair gegenüber den Wettbewerbern und irreführend für den Verbraucher.

Dass Wettbewerber sich oft nicht wehren, weil sie vielleicht den Aufwand und den Ärger scheuen und den Schaden unterschätzen, wenn sich ein Wettbewerber zu Unrecht „Testsieger“ nennt, sieht man auch am  Fall von die-bewerbungsschreiber.de aus Bochum.

Der Artikel stammt aus dem November 2014, ist also seit mehr als 2 Jahren online. Und wie eine bei archive.org gespeicherte Version vom 19.12.2014 nahelegt, verwendet die-bewerbungsschreiber.de seit mehr als 2 Jahren ein Fake-Testsiegersiegel. Auch meine Anfrage vor fast 4 Wochen bei Stefan Gerth und Holger Manzke, den Geschäftsführern der webschmiede GmbH hat sich daran nichts geändert, auch heute noch ist das Fake-Testsiegersiegel auf der Webseite von die-bewerbungsschreiber.de (siehe Teil-Screenshot vom 28.02.2017 im Titelbild) Warum? Stefan Gerth hatte zwar auf meine Fragen schnell geantwortet, man gab sich bzgl. des Fake Tests sehr uneinsichtig. Ebenso fand man es unproblematisch, dass der Text des Testes von einer ehemaligen Praktikantin bei der webschmiede GmbH verfasst wurde. (Anbei folgen auch Fragen zu einem Testbericht bei trialo.de, auf den ich einem weiteren Artikel noch berichten werde. Fragen und Antworten veröffentliche ich schon an dieser Stelle, da man seitens der Webschmiede GmbH der Veröffentlichung der Stellungnahme nur in Gänze zugestimmt hat. Meine Fragen sind fett markiert).

Stellungnahme webschmiede GmbH – die bewerbungsschreiber.de

Sie führen ein „Testsieger“ Siegel von „testsieger-berichte.de“. Nach Aussage des Betreibers der Seite fand allerdings gar kein Test statt. Infolgedessen ist die Bezeichnung des Vergleichs als Test m.E. irreführend, gleiches gilt für das Werben mit diesem Gütesiegel auf Ihrer Webseite. Siehe analog auch https://www.testbericht.de/presse/fake-testseiten

 Sicherlich lässt sich darüber streiten, was ein Vergleich und was ein Test ist. Aber ab wann ist ein Vergleich ein Test? In dem Artikel wurden wir ausführlich getestet. So wurden zum Beispiel unsere Internetseite, unser Angebot sowie auch das Preis-Leistungsverhältnis ausgiebig getestet. Lediglich ein Produkttest hat nicht stattgefunden, wird aber auch an keiner Stelle behauptet. „Wir von testsieger-berichte.de haben einmal das Preis-Leistungs-Verhältnis unterschiedlicher Dienstleister wie z.B. den Bewerbungsschreibern getestet.“ Der Duden definiert den Begriff Test wie folgt: „nach einer genau durchdachten Methode vorgenommener Versuch, Prüfung zur Feststellung der Eignung, der Eigenschaften, der Leistung o. Ä. einer Person oder Sache Der Artikel auf https://www.testsieger-berichte.de/2014/11/05/bewerbungsservice-test/ kann daher als Test gewertet werden, da ein nach einer genau durchdachten Methode vorgenommener Versuch, Prüfung zur Feststellung … der Eigenschaften…einer … Sache“ ist.

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In jedem Fall waren wir damals sehr froh, gewonnen zu haben und haben den Begriff Test auch nie hinterfragt und das uns zur Verfügung gestellte Siegel auch gerne integriert. Für uns macht das einfach keinen Unterschied. Wir haben nie versucht, Irgendjemanden zu täuschen. Wer sich ein Bild von uns machen will, kann auch auf anderen Bewertungsportalen recherchieren.

Sie führen ein „Testsieger“ Siegel von „trialo.de“ https://www.trialo.de/bewerbungsservice-test/. Nach eingehender Recherche stellen sich mir hier folgende Fragen:

Wurden Sie vor dem Test von Trialo kontaktiert?

Ja.

Hat sich Trialo bei dieser Anfrage oder bei einer anderen vor dem Test erkundigt, ob Sie ein Affiliate Programm betreiben, also Affiliate Werbepartner für Leads oder Sales vergüten?

Nein.

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Hat Trialo vor dem Test nachgefragt, ob die Kosten für den bei dem in Anspruch genommenen Bewerbungsservice erstattet werden, bzw. ob dieser kostenfrei ist? Wurden die Kosten erstattet oder der Service kostenfrei gewährt?

Wir wurden im Vorfeld gefragt, ob wir an dem Test teilnehmen wollen. Dem haben wir zugestimmt. Warum? Weil wir an uns glauben. Wir waren der festen Überzeugung gut abzuschneiden, weil wir einen sehr hohen Anspruch an die Qualität unserer Arbeit haben. Dass die Kosten erstattet werden, haben wir mit Trialo so abgestimmt, wobei wir den genauen Zeitpunkt nicht mehr präsent haben. Wir finden es auch ok, dass die Kosten nachträglich erstattet bzw. die Rechnung storniert wurde. Warum? Weil Trialo als Portal Aufklärung betreibt und absolut fair vorgegangen ist. Es entstand enormer Aufwand seitens Trialo. Trialo ist ein unabhängiges Portal, das Unternehmen und deren Dienstleistungen und Waren aus Verbrauchersicht testet und bewertet. Wir waren froh darüber, dass so ein Test stattfindet und auch unsere Konkurrenten teilgenommen haben, um sich mit uns zu messen. Letztendlich waren wir nicht überrascht, den Test gewonnen zu haben.

War der Test von Trialo ein Blindtest oder wussten Sie bei der Testanfrage, ob sie von Trialo kommt?

Es war ein Blindtest. Trialo hat uns im Nachhinein darüber informiert, dass Unterlagen bestellt wurden und uns mit den Ergebnissen konfrontiert.

Warum haben Sie von Trialo gefordert (oder gewünscht), dass das Anschreiben, das erstellt wurde, nicht sichtbar ist?

Ganz einfach. Es geht hier um ein individuelles Produkt. Damit ein Verbraucher das Produkt ganzheitlich bewerten kann, benötigt er umfangreiche Informationen zum Auftrag, d.h. die Stellenausschreibung, den kompletten Werdegang des Kunden, alle relevanten Zeugnisse sowie Zertifikate und sämtliche Informationen (Mails, Telefonate etc.), die uns zur Verfügung gestellt wurden. Soweit ich mich zurückerinnern kann, hat Trialo signalisiert diese umfangreichen Informationen nicht öffentlich machen zu wollen, da es um einen echten Menschen aus dem Bekanntenkreis ging. Somit machte es keinen Sinn, die Dokumente offenzulegen. Außerdem hätte es den Umfang des Artikels komplett gesprengt. Wir gehen davon aus, dass auch andere Anbieter dem zugestimmt haben und das Ergebnis dadurch in keiner Weise beeinflusst wurde. Für uns sind Tests, eine gute Gelegenheit unser Können unter Beweis zu stellen und zeigen uns auf, wie andere unsere Dienstleistung betrachten.

Ist Trialo ein Affiliate Werbepartner von Ihnen?

Ja. Sie haben sich nach dem Test auf unsere Kampagne beworben und wir haben dem zugestimmt. Wir haben dazu folgende Meinung: Wenn Trialo mit dem Artikel Geld verdienen kann, haben Sie daran ein Interesse den Artikel zu pushen, sei es durch SEO-Maßnahmen oder AdWords oder was auch immer. Wir kommen in dem Artikel gut weg, somit macht es Sinn Trialo als Werbepartner zuzulassen. Die anderen bewerteten Dienstleister waren oder sind ja ebenfalls Werbepartner.

Wenn ja, warum wird das bei Trialo nicht gekennzeichnet? Halten Sie es nicht für problematisch, wenn das sie auszeichnende Unternehmen Ihr Affiliate Partner ist?

Bzgl. dieser Frage müssen Sie sich an Trialo wenden. Unsere Meinung dazu: Das Geschäftsmodell Trialos ist es ähnlich wie bei testbericht.de über Affiliate-Provisionen Geld zu verdienen, soweit es für sie möglich ist. Das ist ein StartUp, wie wir es sind. Irgendwie muss Trialo Geld verdienen, ansonsten funktioniert das Geschäftsmodell nicht. Trialo kommuniziert das offen. Wichtig und entscheidend ist, dass die Testergebnisse nicht davon beeinflusst werden!

Ich würde mich freuen, wenn Sie sich in einer etwaigen Stellungnahme auch dazu äußern könnten, ob Sie es nicht problematisch finden, dass die Autorin des „Test“ Textes nach eigenen Angaben in Ihrer Firma ein 7 monatiges Praktikum absolviert hat.

[Nachträglicher Hinweis: die Bitte bezog sich auf den angeblichen Test bei testsieger-berichte.de]

 Die Autorin hat zu dem Zeitpunkt nicht mehr für uns gearbeitet und wir hatten nach Ende Ihres Praktikums auch keinen Kontakt mehr. Wir gehen davon aus, dass sie die Idee zum Test hatte. Aber wieso soll das problematisch sein?

Fazit

Nach Ansicht der Geschäftsführung von der webschmiede GmbH kann man sich also Testsieger von mehreren Bewerbungsservices nennen, obwohl die Hauptdienstleistung, die Beratung bei den individuellen Bewerbungsunterlagen gar nicht getestet wurde.

„So wurden zum Beispiel unsere Internetseite, unser Angebot sowie auch das Preis-Leistungsverhältnis ausgiebig getestet. Lediglich ein Produkttest hat nicht stattgefunden, wird aber auch an keiner Stelle behauptet.“

Wie sich die webschmiede GmbH einen Test des Preis-Leistungsverhältnisses ohne einen Test der eigentlichen Hauptleistung vorstellt, ist mir nicht klar. Aber eines ist auf jeden Fall klar: Glaube versetzt weder Berge noch macht es aus einem Vergleich von versprochenen Leistungen einen Test von abgelieferten Leistungen. Wer so mit einem Fake-Testsieger Logo wirbt, das auf keinem ordentlichen Test beruht, führt in meinen Augen den Kunden in die Irre.

Exkurs: Ein Fake XING Profil von die-bewerbungsschreiber.de

Der Einsatz des Fake-Testsiegersiegel scheint nicht das einzige Fake bei die-bewerbungsschreiber zu sein, bzw. gewesen zu sein. Am Wochenende ist mir zufällig ein XING Profil einer angeblichen Mitarbeiterin von die-bewerbungsschreiber.de bzw. der webschmiede GmbH aufgefallen. Eine gewisse Chloe Ribelle, angeblich Diplom-Ökonomin und „Bewerbungsexpertin & Leitung Qualitätsmanagement – Die Bewerbungsschreiber – webschmiede GmbH.

Screenshot XING Profil 25.02.2017 (jetzt gelöscht oder deaktiviert)

https://www.xing.com/profile/Chloe_Ribelles/

Das Problem: das Profilphoto war ein Fake und hat auf jeden Fall keine Chloe Ribelles gezeigt, sondern ein Stockphoto Model, hier z.B. zu sehen bei  shutterstock: https://www.shutterstock.com/image-photo/portrait-smiling-business-woman-isolated-on-120630031

Warum benutzt also eine Mitarbeiterin ein Stockphoto? Gibt es sie wirklich? Zweifel kann man da schon bekommen, auch wenn es auch noch ein Linkedin Profil und ein Facebook Profil mit dem gleichen Namen gibt. Denn auf „ihrer Webseite“ ist ebenfalls  nur das Stockphoto Modell zu sehen und im Impressum ist keineswegs Chloe Ribelles aufgeführt, sondern die webschmiede GmbH. Der Domaininhaber von chloe-ribelles.de: Stefan Gerth, der Geschäftsführer der webschmiede GmbH. Bisher habe ich von den Geschäftsführern keine Aufklärung darüber bekommen, was es mit diesem Profil auf sich hat. Ungünstig fände ich es allerdings auch, wenn es die Mitarbeiterin mit diesem Namen wirklich geben würde und man seitens des Arbeitgebers dann ein Fake-Photo benutzt. Selbst mit dem Einverständnis der Mitarbeiterin sollte man seitens der Firma nicht so etwas zumuten.

Insbesondere, wenn das Stockphoto auch bei einem XING Premiumprofil benutzt wird. Das Profil war auf jeden Fall nicht gänzlich inaktiv. Seit 22. März 2012 wurde das Profil laut XING zumindest 34.378 Mal aufgerufen.

XING jedenfalls scheint mit dieser Art der Nutzung nicht einverstanden zu sein. Nach meiner Anfrage an die Presseabteilung wurde das Profil gelöscht oder deaktiviert.

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