Vor einem Monat, am 25.7.2017, hat die Wettbewerbszentrale auf zwei Urteile aus dem Jahr 2016 aufmerksam gemacht.

„Werbung mit falschen unverbindlichen Preisempfehlungen – Wettbewerbszentrale erhält Beschwerden und lässt in zwei Fällen Preiswerbung mit falschen UVP gerichtlich untersagen“

Grund für den erneuten Hinweis auf die beiden Urteile des LG Bielefelds vom 19.07.2016 (Az. 12 O 47/16 und 12 O 44/16):

„Die gegen diese beiden Urteile jeweils eingelegten Berufungen zum Oberlandesgericht Hamm nahmen die betreffenden Onlinehändler nun kurz vor dem Verhandlungstermin im Juli 2017 zurück. Die beiden landgerichtlichen Entscheidungen sind damit rechtskräftig geworden:“

Die beiden Online-Shops wurden dazu verurteilt

es zu unterlassen, geschäftlich handelnd Waren mit ihrem Preis und mit der Angabe einer unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) zu  bewerben, wenn die genannte UVP dem Betrage nach höher ist als die, die von dem Hersteller der Ware für diese ausgesprochen ist“

Bei den Online-Shops handelt es sich um eis.de, das von der „Eis.de GmbH“ betrieben wurde, die sich vor 2 Wochen, am 09.08.2017, in „Romance for Charity GmbH“ umbenannt hat und um druckerzubehoer.de, das von der Internetmarketing Bielefeld GmbH betrieben wird. Geschäftsführer beider Unternehmen ist seit Mai 2017 Bojan Neumann, zum Urteilszeitpunk in 2016 verantwortete laut Handelsregister Stefan Schmidt die Geschicke beider Firmen.

Den Urteilstext des Verfahrens gegen eis.de (bzw. den Betreiber) findet ihr hier,  den des Verfahrens bzgl. UVP auf druckerzubehoer.de hier.

Trotz Urteil falsche UVP bei „Tipp des Tages“

Als ich die Meldung der Wettbewerbszentrale gelesen habe, war ich überrascht, da ich just am selben Tag eine doch recht zweifelhafte „unverbindliche Preisempfehlung“ (UVP) auf druckerzubehoer.de gesehen habe. Am 09.08.2017 wurde eine Sagrotan Duschcreme als „Tipp des Tages“ beworben, für 0€ statt 4€ (zzgl. Versandkosten).

Die schriftliche Anfrage beim Hersteller Reckitt Beckinser Deutschland GmbH ergab allerdings, dass die unverbindliche Preisempfehlung nicht bei 4€, sondern bei 2,49€ liegt.

In der folgenden Woche wurde als „Tipp des Tages“ dann ein „BBQ Picknick und Tisch Grill“ von „BBQ Collection“  für 4,97€ (plus Versandkosten)  statt der angeblichen unverbindlichen Preisempfehlung von 50€ beworben (Screenshot vom 16.08.2017).

Da mir eine unverbindliche Preisempfehlung von 50€ für einen lackierten Blecheimer sehr hoch vorkam, habe ich auch bei EDMACO INTERNATIONAL S.A. (edco.nl), dem Markeninhaber von „BBQ Collection“,  angefragt, wie hoch die UVP sei. Laut schriftlicher Auskunft von edco.nl liegt die UVP bei 14,99€.

Bitte um Stellungnahme an druckerzubehoer.de

Woher stammen also diese laut Hersteller falschen unverbindlichen Preisempfehlungen (4€ statt 2,49€ und 50€ statt 14,99€)? Das wollte ich vom Geschäftsführer der Internet Marketing Bielefeld GmbH, Bojan Neumann, wissen und habe um Stellungnahme gebeten.

Leider gab es auf meine Anfrage keine Reaktion.

Fazit

Auf der Startseite gibt sich druckerzubehoer.de ganz seriös, ein Siegel auf dem anderen türmt sich auf der rechten Seite auf der Homepage. 243.894 Bewertungen bei shopauskunft.de, ein Siegel von „Trusted Shops“, „Deutschland Test“, 38 mal sind die Produkte von druckerzubehoer.de getestet.

Dass man trotz so vieler Gütesiegel und nach einem rechtsgültigen Urteil es aber nicht schafft, sich so konzentrieren, dass einem keine Fehler bei den unverbindlichen Preisempfehlungen unterlaufen, insbesondere bei den „Tipps des Tages“, ist nicht nur höchst verwunderlich, sondern auch bedenklich. Bedenklich ist in meinen Augen auch, dass die Wettbewerbszentrale gegen zwei Unternehmen vorgehen musste, die vom selben Geschäftsführer geleitet wurden.

Die Wettbewerbszentrale hat hier gute Urteile erstritten. Gute Urteile für den fairen Wettbewerb und indirekt auch gute Urteile für die Verbraucher. Hier zeigt sich meines Erachtens wieder, wie wichtig Verbände wie die Wettbewerbszentrale sind. Mahnt ein anderer Online-Shop unfaire Wettbewerber ab, besteht immer die Gefahr der Gegenabmahnung und weiterer langwieriger Rechtsstreitigkeiten. Der ehrliche Händler, der sich wehren will, sieht sich einem direkten Kostenrisiko ausgesetzt, deshalb sehen viele Händler auch von Abmahnungen oder Klagen gegen unfaire Wettbewerber ab.

Wie die zwei Beispiele allerdings zeigen, muss die Wettbewerbszentrale bei druckerzubehoer.de scheinbar weiter am Ball bleiben, damit sich druckerzubehoer.de auch an die Urteile hält und seine „Fehlerquote“ bei der Werbung mit falschen UVP-Streichpreisen auf null senkt.

 

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