Einen Firmentest (mit firmentest.de) ganz besonderer Art hat RTL in der Sendung „extra“ am 25.09.2017 ausgestrahlt. Im „extra Test“ ging es um Fake-Tests und darum, wie einfach man sich ein Siegel kaufen kann. Ich bin in der Sendung ebenfalls mit von der Partie. Die Sendung kann bei rtl.de derzeit noch kostenlos abgerufen werden.

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Die Reporter von RTL haben für diesen Test ein Duschgel (O-Ton „das mieseste Duschgel Deutschlands) selber zusammengemischt, die Highlights der Zutaten waren unter anderem zerhäckselte Brennesseln, Juckpulver und ein Sirup. Die Duschprobandin der extra Redaktion fühlte dann auch einen leichten Juckreiz und einen klebrigen Film auf der Haut.

Für das Fake-Duschgel wurde dann kurzerhand auch noch eine Fake-Firma ins Leben gerufen, um als glaubwürdiger Anbieter auftreten zu können. Zumindest glaubwürdig genug, um Kontakt zu „Testern“ aufnehmen  und um Interesse an einem Gütesiegel vortäuschen zu können.

Eine der kontaktierten Webseiten, die im „extra Test“ dann auch erwähnt wurde, war firmentest.de, die laut Impressum bis letzte Woche von der Ad2.0 Internet GmbH aus Hamburg betrieben wurde. Der Projektleiter, der scheinbar für die Siegel (und die „Tests“) zuständig ist, erklärte in einem Telefonat den Ablauf des „Tests“ so:

„Das läuft so, wir recherchieren erstmal im Netz, das heißt wie erscheint das im Netz. Das heißt wir testen erstmal anhand der Verpackung, ob es das Produkt gibt. Nicht, dass wir irgendwelche betrügerischen Sachen unterstützen.“

Die Kosten des „Tests“ und die Benutzung des Siegels hätte 2800€ für das erste Jahr und 1200€ für das zweite Jahr gekostet.

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Dass scheinbar nur die Lizenzgebühren im Vordergrund standen und kein ordentlicher Test wurde bei einem persönlichen Treffen des Reporters mit versteckter Kamera klar:

extra Reporter: „Wie können wir uns da auf eine gute Note einigen?“

Projektleiter: „Ja die kriegen Sie. Die verspreche ich Ihnen.“

Auf die Nachfrage des Reporters, ob es dafür vielleicht bestimmte Kundenbewertungen geben müsste, verneint der Projektleiter und sagt schließlich:

„Ich würde sagen, 1,3 klingt doch gut, oder?“

Die Flasche mit dem Duschgel wollte der Projektleiter gar nicht haben. Ein Test wäre also gar nicht durchgeführt worden, hätte gar nicht durchgeführt werden können.

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Dass bei firmentest.de keine richtigen Tests durchgeführt werden, konnte man sogar nach Lektüre der firmentest.de Webseite vermuten können. Dort erklärte man unter dem Menüpunkt „So geht´s“ ganz freimütig den Prozess, um eine firmentest.de Gütesiegel zu bekommen:

  1. Nach der Beauftragung analysieren erfahrene Redakteure alle zur Verfügung stehenden Testberichte und Kundenmeinungen über Ihr Unternehmen. Diese Ergebnisse werden in einer Gesamtnote zusammengefasst. Der Redakteur schreibt anschließend einen suchmaschinenoptimierten Testbericht über Ihr Unternehmen und veröffentlicht diesen auf Ihrer Profilseite.
  2.  Sie erhalten das Testsiegel als Grafik in verschiedenen Formaten und können dieses für all Ihre Werbemaßnahmen einsetzen. Außerdem können Sie den Versand einer Pressemeldung beauftragen und Werbemittel, wie Aufkleber oder Tresenaufsteller bestellen.
  3. Kunden finden Sie über Google und stellen Anfragen. Das Vertrauen Ihrer Kunden wird gesteigert und dies führt zu durchschnittlich 23% höherer Abschlussquote. Sie erhalten mehr Interessenten, eine höhere Abschlussquote und damit mehr Umsatz.

Punkt 1 bedeutet: ein paar externe Testberichte und externe Kundenmeinung, irgendwo im Internet verfügbar wurden zusammengeschrieben, der Redakteur von firmentest.de dachte sich eine Note aus und schrieb über das jeweilige Unternehmen, das den angeblichen „Test“ in Auftrag gegeben hatte, einen „Testbericht“.

Genau das bestätigt sich auch in der „extra Test“ Reportage: der Mitarbeiter bot das Siegel an, ohne das Produkt testen zu wollen.

Meine eigene Erfahrung mit firmentest.de

Dass man bei firmentest.de nicht koscher operiert, ist mir selber klar geworden, als bei stellenportal.de mit einem einem angeblichen Test von firmentest.de geworben wurde (siehe stellenportal.de – ein „Testsieg“ jagt den nächsten). Damals wurde die firmentest.de offiziell von der Care Verlag GmbH betrieben, die denselben Geschäftsführer hat, wie die Stellenportal.de GmbH, die stellenportal.de betrieb (jetzt nur noch auf stellenmarkt.t-online.de zu finden): Jens Kunath. Nach meinem damaligen Bericht wurde das Impressum geändert, firmentest.de wurde ab da offiziell von der Ad2.0 GmbH betrieben. Lange Wege zwischen diesen beiden Firmen gibt es allerdings nicht. Beide sitzen in der Stresemannstraße 29 in 22769 Hamburg. Als Domainhaber war und ist bei der denic nach wie vor Jens Kunath mit der Adresse Care GmbH, Stresemannstraße 29 in 22769 Hamburg eingetragen.

Auch wenn der Care-Verlag nicht mehr als offizieller Betreiber im Impressum genannt wurde, war firmentest.de nach wie vor im Vermarktungsportfolio vom Care Verlag aufgeführt.

firmentest.de – offline

Einige Tage nach dem extra Bericht war die Seite dann offline. Zudem wurden auf der Seite des Care Verlags (care-verlag.de) fast sämtliche Nennungen von firmentest.de gelöscht (hier ist die Portfolioseite über firmentest.de auf care-verlag.de noch im Google Cache verfügbar, hier ein Blogeintrag zu firmentest.de). Lediglich in den Mediadaten zu den einzelnen Projekten habe ich firmentest.de noch gefunden.

Konsequenzen für werbenden Firmen

Dass firmentest.de nicht mehr verfügbar ist, hat auch für die Firmen Konsequenzen, die mit dem Gütesiegel der angeblichen Tests werben. Die Werbung ist schon dadurch irreführend, dass sich Kunden über die „Tests“ nun nicht mehr informieren können (mal ganz abgesehen davon, dass ich bei allen „Testberichten“, die ich auf firmentest.de gelesen habe, kein Indiz dafür gefunden habe, dass es sich um echte Tests gehandelt haben). Aber das ist eine Voraussetzung für die wettbewerbskonforme Werbung mit Testergebnissen.

Fazit – der extra clou – der extra Coup

Der extra Bericht ist aber nicht nur deshalb sehenswert, weil man einen Einblick in das Geschäft mit den Fake- bzw. Pseudotests bekommt, sondern auch, weil am Ende des Berichts (10:35) der Geschäftsführer der Ad2.0 GmbH (also der Firma, die die Seite offiziell betrieben hat), Holger Bickel, an einem Messestand des Care Verlags den „Firmentest“ verleugnet, bzw. den Eindruck erweckt, er würde den „Firmentest“ gar nicht kennen.

Absolut begrüßenswert ist die scheinbare Entscheidung der Ad2.0 GmbH (und des Care Verlags) den „Firmentest“ in den Vorruhestand zu schicken, hoffentlich dauerhaft.

Die mit dem Siegel von firmentest.de noch immer werbenden Firmen sollten das Siegel umgehend von ihren Webseiten und ihren Werbematerialien entfernen, die Werbung damit ist irreführend.

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