Homejoy und die Fake-Kundenbewertungen

Der Aufbau von Vertrauen ist enorm wichtig für Unternehmen. Enorm wichtig vor allem dann, wenn ein Unternehmen seine Dienste startet und noch recht unbekannt ist. Was bietet sich also besseres an, als die Empfehlungen von begeisterten, überzeugten Kunden für das eigene Marketing zu benutzen?

Das dachte sich auch Homejoy.com, eine US-amerikanische Firma, die mit neuen deutschen Anbietern wie helpling.de oder bookatiger.com konkurriert und die auf Ihrer Webseite die Vermittlung von Putzkräften anbietet.

Statt aber Kunden zu begeistern, nach Ihrer Meinung zu fragen und sie zu bitten, ob Sie als „Testimonial“ für die Webseite zu Verfügung stehen hat man lieber einen anderen Weg gewählt.

Man arbeitet lieber mit einem Fake (oder vielleicht auch mit mehreren Fakes? Unwahrscheinlich ist es nicht):

Katja B. aus Berlin Mitte wird auf der deutschen Startseite so zitiert:

Homejoy_Fake_Testimonial

Katja B. lebt aber höchstwahrscheinlich nicht in Berlin. Katja heißt auch nicht Katja, sondern vielleicht Cindy, aber wahrscheinlich ganz anders. Das Bild von Katjacindy findet sich nämlich auch auf den amerikanischen Startseiten von Homejoy, hier als „Cindy B.“:

Homejoy_Fake_Testimonial2

Manch einer mag sich jetzt zwar sagen, dass das zwar jede Waschmittelfirma macht, wenn Sie Uschi G. aus München zum neuesten viel reineren Weiß befragt. Wir denken aber, dass das nicht sein muss. Nicht sein soll und nicht sein darf.

Fast schon skurril finden wir das Versprechen von Homejoy etwas weiter unten auf der Homepage:

Homejoy_Vertrauen_Sicherheit

Ist das also wirklich „mehr als das Beste, um eine vertrauenswürdiges und zuverlässigeres Erlebnis zu schaffen?

Ich finde nicht. So etwas baut kein Vertrauen auf, sondern kann Vertrauen enorm zerstören. Ich würde auf jeden Fall mich nicht so einem Unternehmen anvertrauen. Und noch weniger meine Wohnung.

Unser Tipp: Bittet lieber Eure Freunde oder Eure Nachbarn um eine Empfehlung um eine Putzkraft. Denn auf diese Empfehlung könnt ihr Euch verlassen.

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Update 1: Wir hatten Homejoy auf Ihrer deutschen Facebook Seite gefragt, warum Sie das machen. Die Antwort war etwas enttäuschend:

„Alle Bewertungen und Testimonials in Deutschland sind von tatsächlichen Kunden. Dies gilt sowohl für Zitate als auch für Bilder. Sie beziehen sich hier auf ein Beispiel aus Baltimore, wo es anscheinend zu einer falschen Zuteilung der Bilder gekommen ist, was wir direkt von den Entwicklern überprüfen lassen werden. Generell arbeiten wir unter keinen Umständen mit falschen Zitaten oder Ähnlichem. Herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Beste Grüße Ihr Homejoy Team“ .

Die Aussage „Generell arbeiten wir unter keinen Umständen mit falschen Zitaten oder Ähnlichem. “  finden wir etwas unprofessionell.

Wir haben also noch einmal ein bisschen gesucht. Scheinbar hat man etwas öfters „Zuweisungsprobleme“:

In London heißt „Brooke“ „Brooke“ und kommt aus Los Angeles. In Minneapolis wird dasselbe Userphoto aber für ein Testimonial von „Lindsay“ verwendet.

Brooke1 Brooke2

In Minneapolis findet sich auch „Michael“, der allerdings in Canada auch als „Brian“ auftritt:

Brian1 Brian2

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Update 2:

Homejoy hat sich auf weitere Anfragen leider nicht mehr gemeldet. Die Kundentestimonials sind aber nun weltweit in allen Städten nicht mehr zu finden. Scheinbar doch mehr als „nur ein Vertauschen der Namen“.

2 Responses

  1. Armin

    Haha super :)

    Gefällt mir, dass du nochmal nachrecherchiert hast und somit zeigst dass ihre Social Media Mitarbeiter ebenso lügen.. Firmenkultur?

  2. anti

    So ist es wiedermal die kleinen Menschen werden noch kleiner gemacht. Alle diese neuen startups machen die Branche kaputt. Für eine Putzkraft die nach Tariflohn bezahlt wird und das Unternehmen auch gewinne erzielen will ist ein Preis pro Stunde unter 22 Euro nicht realistisch.

    Dann blenden diese Firmen auch noch die Kunden mit fake Bewertungen.

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