Der Online-Shop Lesara ist in den letzten Jahren immer wieder durch dubioses und irreführendes Marketing auffällig geworden (weitere Artikel findet Ihr hier).

Anzeige

Eine der irreführenden Marketingtaktiken, die Lesara von Anfang bis vor ein paar Jahren anwendete, war eine Fake-Countdown-Uhr, mit der man den Kunden vorgaukelte, dass die Produkte nur im Rahmen einer zeitlich begrenzten Aktion erhältlich seien. In Wahrheit wurde die Countdown-Uhr nach dem Ablaufen wieder neu gestartet.

Ein Wettbewerber verklagte Lesara auch wegen dieser Fake-Countdown-Uhr vor dem Landgericht Bochum im Jahr 2015 und bekam Recht. Lesara wurde dazu verurteilt,

„es zu unterlassen, […]das Ende des Angebotszeitraums durch eine rückwärts laufende Uhr zu definieren, wenn das Angebot tatsächlich nicht auf den mit der Uhr suggerierten Zeitraum begrenzt ist und der Artikel nach Ablauf der Angebotszeit nach wie vor zum Angebotspreis feilgeboten wird“

Das Gericht nannte diese Irreführung einen „schwerwiegenden Wettbewerbsverstoß“ (siehe auch das Urteil auf justiz.nrw.de).

Man könnte also meinen, dass man im Unternehmen Lesara weiß (oder dieses Wissen innerhalb des Unternehmens weitergegeben hat), dass man mit Fake-Countdown Uhren nicht werben darf. Auch wenn es sich nicht um komplette Verkaufsaktionen handelt, sondern „lediglich“ um einen 5 Euro Gutschein. Denn Fake bleibt Fake, und Irreführung bleibt Irreführung.

Anzeige

Die 60-Minuten-Fake-Countdown-Uhr

Wie funktioniert die Irreführung bei Lesara dieses Mal? Lesara blendet im Shop prominent über den Artikel unterschiedliche Codes ein, mit denen Kundinnen 5€ ab einem Bestellwert von 50€ sparen können. Wenn die Kundin Lesara das erste Mal besucht, startet der 60-Minuten Countdown für die Verwendung des Gutscheines. Wenn die Kundin das Browserfenster schließt zählt der Countdown scheinbar immer noch weiter. Besucht die Kundin um 18 Uhr zum ersten Mal Lesara, schließt das Browserfenster und kehrt um 18.30 Uhr zurück, zeigt die Countdown Uhr noch angebliche 30 Minuten Restzeit an, in denen der Gutscheincode noch eingelöst werden kann. Kehr die Kundin nach mehr als 60 Minuten zurück, wird der Gutschein nicht mehr angezeigt, scheinbar kann die Kundin keine 5€ mehr sparen.

Das ist allerdings falsch, die Countdown-Uhr nur Fake. Der Zeitpunkt für den Countdown Start wird nämlich auf einem Cookie im Browser der Kundin gespeichert. Wird der Cookie gelöscht, surft die Kundin auf einem anderen Browser oder wählt sie den „Inkognito Modus“ des Browsers, wird der Gutscheincode oder ein anderer Gutscheincode für den 5€ Rabatt wieder eingeblendet.

 

Screenshot Lesara um 18 Uhr. Restzeit 56:49 Minuten

Screenshot Lesara um 18 .08 Uhr. Restzeit 48:14 Minuten

Screenshot Lesara 18:11 – nach Schließen und erneutem Öffnen des Inkognito Fensters. Restzeit: wiederum 60 Minuten.

Bitte um Stellungnahme an Lesara

Auf meine Bitte um Stellungnahme am 09.11.2017 reagierte die „PR- und Brandmanagerin“ direkt am nächsten Tag, aber lediglich mit der Antwort:

„vielen Dank für Ihre Nachricht und den Hinweis. Wir werden den Sachverhalt umgehend prüfen!“

Die Irreführung geht weiter

Das Ergebnis dieser Prüfung hat man mir dann aber nicht mitgeteilt. Vielleicht ist die Prüfung noch nicht abgeschlossen, aber braucht man wirklich so lange? Die Fake-Countdown Uhr wird mir jedenfalls immer noch angezeigt.

Fazit

Grundsätzlich sind irreführende Angaben über die zeitliche Begrenzung eines Angebotes wettbewerbswidrig. Der Kunde soll nicht unter Druck gesetzt werden und damit zum Kauf überredet werden, wenn er das Angebot auch nach Ablauf der Frist in Anspruch nehmen kann. Das gilt auch für Rabatte von lediglich 5 Euro. Es ist schade, wenn Marketing-Profis nichts Besseres einfällt, als platte Fake-Countdown-Uhren.

Anzeige
Anzeige

Leave a Reply