In den letzten Tagen wurde mir Werbung für ein „hoch angesehenes Zertifikat“ der Linkresearchtools GmbH aus Wien auf Facebook angezeigt. Auf der „Landing Page“ für diesen Kurs auf linkresearchtools.de konnte ich dann erfahren, dass ich mit dem Kurs meinen „SEO Erfolg boosten“, meine „Konkurrenten überholen und ein „höchst anerkanntes Zertifikat verdienen“ kann. Für die 37€ Euro „Early Bird“ Preis wird einem von Linkresearchtools in den Bullet Points sogar versprochen, dass man „Abschlussprüfung und Zertifikat“ bekommt. Da fragt man sich natürlich: warum brauche ich eine Abschlussprüfung, wenn mir das Zertifikat für 37€ versprochen wird?  Aber darum soll es gar nicht gehen, sondern um den „Early Bird Preis“.

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Der Fake-Countdown von Linkresearchtools

Denn der „Early Bird Preis“, also der Preis für Frühbucher wurde nicht mit einer normalen Frist (wie absolut üblich) versehen, sondern mit einer Countdown-Uhr, die den Kunden angeblich etwas über 6,5 Stunden Zeit ließ, das Angebot zu bestellen. Nach Ablauf der 6 Stunden 40 Minuten wurde dann ein anderer „Sonderpreis“ angezeigt, diesmal über 147€.  Bei Countdown-Uhren sollten Interessenten allerdings immer skeptisch sein, denn allzu oft sind die Countdown-Uhren Fake und sollen den Kunden nur unnötig unter Druck setzen, das Angebot zu nutzen.

Insofern war ich auch bei diesem Countdown skeptisch und das obwohl der Geschäftsführer der Linkresearchtools GmbH, Christoph C. Cemper laut Landing-Page „mehr als eine Dekade als öffentlich Vortragener und Trainer“ arbeitet, „seit 2003 selbstständig mit dem Thema Links“ ist, „22.640 Stunden an Erfahrung mit Links und SEO“ hat, „15 Jahre täglichen Aufstehens für die Arbeit mit Links“ hinter sich hat, „bereits auf 312 Konferenzen über Links gesprochen“ hat, „152 öffentliche Schulungen über Links seit 2007″ durchgeführt hat, „Mastermind der LinkResearchTools® (LRT)“ ist, „regelmäßige SEO Experimente und Test“ betreibt, „langjährige Erfahrung im Link Building, SEO, Online Marketing“ hat. Denn leider musste ich bisher feststellen, dass Erfahrung alleine noch nichts über die Seriosität des Marketings einer Firma oder Person aussagt.

Leider hat sich dies auch bei Linkresearchtools bestätigt. Der Countdown war Fake, nach dem Löschen von Cookies wurde er wieder neu gestartet. Allerdings hat es nicht gereicht, die Cookies von Linkresearchtools zu löschen, das Team von Christoph C. Cemper hat für die Implementierung des Fake-Countdowns ein Tool von deadlinefunnel.com verwendet, das ebenfalls ein „Cookie“ gesetzt hat. Diese „Cookie“-Software von deadlinefunnel.com hat dann die User mit einem Zeitstempel markiert, sodass beim erneuten Besuch der Webseite der Countdown auch weiter heruntergezählt wurde. Insofern musste das Cookie von deadlinefunnel.com gelöscht werden, um hier den Countdown erneut starten zu lassen (siehe Video unten).

Alternativ konnte man in einem anderen Browser (als dem, mit dem man die Landing-Page zuerst besucht hat) den Link aufrufen, dann konnte man auch nach Ablauf der 6,5-Stunden-Frist den Kurs zum „Early Bird Preis“ von 37€ erwerben.

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Ein solch unseriöser Countdown, der den Kunden in den Glauben versetzt, dass der Sonderpreis nach Ablauf der Frist nicht mehr verfügbar ist, obwohl dies unzutreffend ist, ist natürlich irreführend und nicht mit dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) vereinbar. Auch wenn die Linkresearchtools GmbH und Herr Christoph C. Cemper in Wien, Österreich sitzen, addressieren sie doch den Markt in Deutschland und unterliegen damit auch deutscher Gesetzgebung.

Stellungnahme von Linkresearchtools

Gestern habe ich dann Christoph C. Cemper, laut Webseite der Gründer von Linkresearchtools um eine Stellungnahme zum Fake-Countdown gebeten, ebenso wie um die Info, wer denn eigentlich Geschäftsführerin oder Geschäftsführer der Firma sei, weil dies (bis gestern) nicht aus dem Impressum hervorging. Bereits gestern abend habe ich dann auch auch eine Stellungnahme von Herrn Cemper bekommen.

Sehr geehrter Herr Brückner

Danke für Ihr Schreiben. Ich stelle mich gerne als Gesellschafter und Geschäftsführer der LinkResearchTools GmbH vor.

Wie Sie wissen, gilt im Wettbewerbsrecht der Grundsatz der Preisgestaltungsfreiheit. Wir bieten den jeweils ersten Besuchern konkreter Werbeanzeigen und Landingpages die Möglichkeit, Trainings zu einem gegenüber unserem Listenpreis per (in diesem Fall)

https://linkresearchtools.simplero.com/purchase/62735-LRT-Associate-Training-auf-Deutsch/
https://academy.linkresearchtools.com/product_categories/25478-SEO-Online-Training
erheblich reduzierten Angebotspreis zu bestellen.

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Im Gegensatz zur von Ihnen zitierten Entscheidung des Gerichts Bochum wird bei uns „die Uhr nicht nach Ablauf der Zeit wieder auf Null gestellt“.

Bei seriöser Internetnutzung wird der Countdown auch keineswegs bei jedem neuerlichen Einloggen auf Null gestellt. Auch das bloße Löschen der Cookies im Browser bewirkt nichts dergleichen in unserem System.

Es würde mich interessieren, wie Sie unser System „überlistet“ haben, zumal wir die zumutbaren Maßnahmen ergreifen um das auszuschließen.

Apropos: die Links, die Sie teilweise nutzen, um die Google-Rankings Ihres Blogs für erwähnte Markennamen mit hohem Suchvolumen zu verbessern, wie z.B.
http://filt er-so ck.com/e-tu be-pa rtn ers-pip eline-const ruction-pr oject/
http://www.sto ragein belfa st. com/links/
http://ww w.el karb us.com/nue va-web/

auf fremdsprachlich und völlig irrelevanten anderen Blogs erstellte Verlinkungen zum Zwecke für „BDSWISS“ oder „BDSWISS Seriös“ zu ranken sind nach den Google Richtlinien… als Spam und auch verpönt.

Ich lade Sie herzlich ein, bei uns ein Seminar zum Listenpreis, oder natürlich auch zum Aktionspreis, falls eine Aktion läuft, zu belegen, damit Sie in Zukunft keine Spamlinks mehr setzen müssen, um im Internet besser auffindbar zu werden.

Unser Impressum haben wir auf die Maximalinformation erweitert.
Danke für den Hinweis.

Mfg
Christoph C. Cemper

Founder & CEO

[Hinweis: ich habe in den oben aufgeführten Links zur Sicherheit Leerzeichen hinzugefügt, damit keiner einfach auf die Links klickt, auch niemand der „Add-ons“ verwendet, die nicht verlinkte URLs anklickbar machen. Ich weiß nicht, wie sicher diese Seiten sind. Siehe auch mein Kommentar zur Stellungnahme.]

Zwölf Minuten später erhielt ich dann auch noch eine Ergänzung zur ersten Stellungnahme:

PS: . Bei unseren Seminaren bieten wir, was ja allgemein üblich ist, unterschiedliche „Early Bird“ Rabatte an wie zB dem für Sie empfohlenen hier https://www.linkresearchtools.de/schulungen/linkresearchtools-certified-professional-wien-201805/

Dies auch in individuellen Anzeigen, wie den von Ihnen beanstandeten. Wir gehen dabei davon aus, dass mit sechs Stunden eine ausreichende Überlegungsfrist für die Inanspruchnahme dieses wirklich exzellenten Preises geboten wird, und niemand überhastet oder unüberlegt buchen muss. Da wir aus Datenschutzgründen natürlich nicht ausschließen können und wollen, dass Nutzer anonym auf mehreren PCs surfen, kann es in Einzelfällen dazu kommen, dass ein Nutzer das Angebot nochmals erhält. Das macht aber unsere Werbung nicht unlauter, sondern wäre doch ein Vorteil im Einzelfall.

Christoph C. Cemper
Founder & CEO

Kommentar zur Stellungnahme

Ich begrüße natürlich jede Stellungnahme, aber wenn Unternehmen wenig Einsicht zeigen, frage ich mich, ob man nicht doch nocheinmal mit seinem Rechtsbeistand hätte sprechen können, der einem den Sachverhalt erklärt. Angesichts dieser Stellungnahme muss ich noch ein paar Dinge erklären.

Bzgl. der Preisgestaltungsfreiheit: Natürlich darf ein Unternehmen grundsätzlich die Preise frei gestalten. Dabei gibt es allerdings Schranken. Eine besteht z.B. im generellen Irreführungsverbot. Wenn ich meinem Interessenten suggeriere, dass es einen Sonderpreis in 7 Stunden nicht mehr gibt, dann muss dies auch der Wahrheit entsprechen. Wenn ich meine Kunden allerdings täusche, dann ist nicht irreführend und unseriös.

Bzgl. des „zitierten Urteils“: Zum einen habe ich in meiner Anfrage kein Urteil zitiert, zum anderen käme es aber auch gar nicht darauf an, dass die Uhr wieder auf den Anfangswert des Countdowns springt, ohne dass der User irgendetwas macht oder den Link in einem anderen Browser aufruft. Es reicht absolut aus, dass das Angebot verfügbar ist. Ich halte die Täuschung im Fall von Linkresearchtools übrigens noch für irreführender, weil der Interessent doppelt getäuscht wurde Erstens zum Zeitpunkt des „aktiven Angebots“, weil dem Interessenten vorgetäuscht wurde, dass das Angebot abläuft, aber zweitens auch, weil nach dem Ablaufen der Uhr dem Interessenten der nun teurere Preis angezeigt wird, der allerdings auch noch als „zeitlich begrenztes Sonderangebot“ beworben wurde. Ich hoffe wirklich, dass kein Kunde sich die 147€ aus der Tasche hat ziehen lassen.

Bzgl. der „seriösen Internetnutzung“: Dass jemand den Umstand, dass jemand es nicht bemerkt, dass er Cookies von unseriösen Tools wie das von „deadlinefunnel.com“ „verpasst bekommt“ und ahnungslos einem unseriös werbenden Unternehmen wie Linkresearchtools vertraut, „seriöse Internetnutzung“ nennt, ist auch für mich ein absolutes Novum. Bedeutet das etwa, dass ein Löschen von Cookies und ein Aufrufen einer URL von einem anderen Browser „unseriöse Internetnutzung“ ist? Ich würde jedenfalls sagen, dass ein seriöser Internetnutzer bei einer ausschließlich seriös werbenden Firma gar nicht so einen Fake-Countdown gesehen hätte.

Bzgl. der Behauptung „das bloße Löschen der Cookies im Browser bewirkt nichts dergleichen in unserem System“: Zum Zeitpunkt meiner Anfrage wäre diese Aussage falsch gewesen, siehe Video. Diesen Schritt habe ich mehrmals gemacht, es hat immer funktioniert. Gestern am späten Abend hat das bloße Löschen von Cookies dann allerdings wirklich nichts mehr gebracht, über verschiedene IP Adressen wurden mir allerdings verschiedene Countdowns angezeigt.

Bzgl. der „Spamlinks“, die ich laut Herrn Cemper angeblich gesetzt haben soll: Bei all der Erfahrung, als „Mastermind“ und vor allem mit Zugriff auf zumindest sein eigenes „Linkresearchtool“ hätte Herrn Cemper in meinen Augen auch auffallen, bzw. einfallen müssen, dass Links auf einen Blog nicht immer nur vom Blogbetreiber gesetzt werden. Insbesondere wenn es sich um tausende und abertausende Links handelt und insbesondere dann, wenn ein großer Teil dieser Links in einem relativ kurzen Zeitraum, nämlich ein paar Monate nach dem Erscheinen meines kritischen Artikels zu Bdswiss aufgetaucht sind.

Damals gab es nämlich mehrere Angriffe auf den Artikel, bzw. auf die ganze Seite. Es gab erst eine DDoS Attacke, sodass toptestsieger.de ersteinmal nicht mehr erreichbar war (durch wen auch immer), dann folgte eine „Negative SEO“ Attacke (durch wen auch immer) und anschließend habe ich eine Abmahnung, Aufforderung zur Änderung des Artikels und Abgabe einer Unterlassungserklärung erhalten (von einem Berliner Anwalt von „BDSwiss“). Die DDoS Attacke habe ich abgewehrt, die gesetzten Links (es waren damals, wenn ich mich richtig erinnere, mehr als 20.000) „disavowed“, also bei Google eingereicht und die Abmahnung mit einem anwaltlichen Schreiben beantworten lassen, das klarstellen ließ, dass die Abmahnung nicht berechtigt ist. Ich habe den Artikel weder geändert, noch gab im Anschluss der Abmahnung eine Klage.

Insofern habe ich keine „Spamlinks gesetzt“, wie Herr Cemper in seiner Stellungnahme behauptet hat. Ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass ein SEO-Profi so etwas einfach behauptet, obwohl ihm der Begriff „Negative SEO“, nämlich der Versuch, mit unseriösen Spamlinks das Ranking von Seiten oder Artikeln von anderen Webseiten negativ zu beeinflussen, eigentlich etwas sagen müsste.

Fazit

Auch wenn ich beim Lesen der Stellungnahme den Eindruck erhalte, dass Herr Cemper davon überzeugt ist, dass die Fake-Countdown Uhr nicht unlauter war (was unzutreffend ist), finde ich es gut, dass sich auf der Seite etwas getan hat. Wer heute die Landing Page aufruft, wird wahrscheinlich nur noch den „Early Bird Preis“ von 37€ ohne Fake-Countdown vorfinden, bzw. wieder vorfinden. Zumindest wird mir dieser Preis auch auf dem Handy angezeigt, obwohl „meine Countdown Uhr“ schon längst abgelaufen ist. (Sollte das bei jemand anders sein, bitte eine E-Mail an mich schicken. Wer einen höheren Preis bezahlt sollte sich an Herrn Cemper wenden, wenn das nichts hilft, bitte ebenfalls eine E-Mail an mich.)

Auf der Seite steht aber immer noch „für Dich heute nur € 37“, das heißt, morgen gibt es offensichtlich diesen Sonderpreis nicht mehr. Problematisch wäre es allerdings, wenn auch morgen dieser Sonderpreis erhältlich wäre. Ebenso problematisch wäre es meiner Ansicht nach (wie es bereits auch gestern war), wenn morgen dann nicht der normale Listenpreis von 297€ gefordert würde, sondern ein weiteres Sonderangebot, weil dem Kunden ja dann heute eine viel höhere Ersparnis heute vorgegaukelt worden wäre, die es heute gibt, als sie im Vergleich zu morgen gibt. Aber ich gehe jetzt schon davon aus, dass man sich bei Linkresearchtools nocheinmal bei einem Experten erkundigt hat oder heute erkundigt, damit man hier heute und in Zukunft seriös wirbt.

Ich kann jedenfalls nicht verstehen, warum man eine Fake-Countdown Uhr seinen Kunden, bzw. Interessenten vor die Nase setzt. Grundsätzlich sollte man doch beim ersten Kontakt mit dem Kunden versuchen, Vertrauen aufzubauen, statt ihn zu täuschen und in die Irre zu führen. Oder zeigt man in der SEO-Szene so seinen Respekt und seine Wertschätzung gegenüber den potentiellen Kunden?

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