Update 13.10.2017: Ich wurde durch darauf hingewiesen, dass in einem verlinkten Video der Mitarbeiter sagt, dass er bei medidate.de arbeitet. Das ist auch richtig, allerdings war das Video, und damit die Information, dass es sich um einen Mitarbeiter von Medidate handelt, nicht besonders gut auffindbar. Auf der „Erfahrungsberichte Seite“ war zum Zeitpunkt des Originalartikels die Seite https://medidate.de/augenlasern/ verlinkt. Auf dieser Seite war das Video mit dem Titel „Video LASIK-Erfahrungsbericht  und der Beschreibung „Unser Kollege Oliver hat sich die Augen lasern lassen. Hier berichtet er über seine Erfahrungen in unserer Partnerklinik in Köln“ erst nach einem Text von ca. 1400 Wörtern zu finden. Besonders transparent ist dies meines Erachtens nicht.

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Nach meinem Artikel hat man die Verlinkung verändert und verweist nun auf  https://medidate.de/erfahrungsberichte/femto-lasik/. Dort allerdings muss man jetzt das Video abspielen, um zu erfahren, dass Oliver T. bei Medidate arbeitet (was nun allerdings nicht mehr stimmt). Warum man Interessenten nicht gleich auf Übersichtsseite darüber informiert, dass dies ein ehemaliger Mitarbeiter ist, ist mir immer noch unverständlich. Proaktive Transparenz an jeder Stelle wäre doch viel authentischer und glaubwürdiger. Oder? Das Video selber wirkt doch offen, transparent und sympathisch, warum macht man das nicht auch auf der Übersichtsseite?


Originalartikel vom 11.10.2017 – Medidate.de wurde laut Informationen im Pressebereich im Mai 2014 von Eiko Gerten und Nico Kutschenko gegründet. Medidate bezeichnet sich als „führenden Patientenlotsen im Bereich der Lifestyle Chirurgie „.

Medidate vermittelt vergünstigte Behandlungen im Bereich der Schönheitschirurgie und erklärt die Vergünstigung selber so:

„Die Vergünstigung ergibt sich durch Zugriff auf exklusive Termine sowie durch Optimierung der Arbeitsabläufe und entsprechender Kostenersparnis bei Ärzten und Kliniken.“

Etwas konkreter und nachvollziehbarer erklärte Wirtschaftswoche Online 2016 die vergünstigten Preise:

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„Die Berliner Jungunternehmer arbeiten in Deutschland mit rund 50 entsprechenden Kliniken zusammen und vergeben deren Resttermine – nicht ganz kurzfristig, bis zu vier Monate müssen Patienten schon mal warten.“

„Restplatzvermarktung“ also. Ein cleveres Konzept, gerade bei Eingriffen, die nicht für jeden Kunden absolut dringend sind.

Wenig clever und nicht besonders vertrauenserweckend wirkt es hingegen, wenn man etwas hinter Fassade schaut und feststellt, dass medidate.de mit Fake-Testimonials, bzw. Quasi-Fake-Testimonials arbeitet und irreführend mit Siegeln von Focus wirbt.

(Quasi-)Fake-Testimonials bei medidate.de

Direkt auf der Startseite wirbt medidate.de mit Erfahrungsberichten, Bilder von sechs Kunden werden angezeigt, es wird auf eine Seite mit Erfahrungsberichten verlinkt.

Dort findet man dann Zitate von fünf Medidate-Kunden (ein Herr von der Startseite ist auf der Detailseite nicht mehr „dabei“) , die dem Interessenten freudig entgegenstrahlen. Manuela W. (48) berichtet von ihrer Bruststraffung „Ich fühle mich in meinem Körper wieder gut“, Sandra F. (28) meint „Es ist soweit: Endlich passt meine Brust zu mir!“, Oliver T. freut sich über sein Leben ohne Brille und Syliva (eigentlich Sylvia) P. und Christiane G. (47) sehen auf den Photos blendend aus und sind ebenfalls begeistert.

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Alle Medidate-Kundinnen, bzw. ein Kunde wirken glücklich und zufrieden, das sieht der Interessent hier auf den ersten Blick. Das kleine Problem dabei: fünf dieser Bilder zeigen lediglich Models aus Bilderdatenbanken. Die Erfahrungsberichte sind mit Sicherheit echt, wenn allerdings Photos unkommentiert dazumontiert werden, die lediglich Models zeigen, ist sind die „Gesamt-Testimonial“ in meinen Augen Fake-Testimonials.

Sylvia P. findet man beispielsweise bei shutterstock.com, Christiane G. bei rtf.com. Dass die Photos nicht die echten Kunden zeigen, erwähnt medidate.de an dieser Stelle nicht. Für diesen Hinweis muss man auf die einzelnen Erfahrungsberichte klicken, dort taucht dann erst am Ende des Textes ein Sternchenvermerk auf (ohne dass es weiter oben ein Sternchen gibt): „*Bild und Name wurden zum Schutz der Identität angepasst.“ In meinen Augen reicht das nicht. Ein Hinweis darauf, dass die Fotos nicht die Kunden zeigen, sollte schon auf der Startseite direkt unterhalb der Bilder angebracht werden und auf der Übersichtsseite für die Erfahrungsberichte ebenfalls an den Bildern. Die Hinweise sollten eindeutig sichtbar und nicht irgendwo am Ende von Texten schlecht auffindbar sein, wie jetzt auf den Seiten mit den detaillierten Erfahrungsberichten. Auch dort sollte der Vermerk deutlich sichtbar (am Bild) angebracht sein.

Denn gerade bei Schönheitsoperationen zählen doch äußere Werte, insbesondere“danach“, oder? Wenn man keine Kunden hat, die sich zeigen wollen, dann sollte man auch keine x-beliebigen Bilder zeigen und lieber so lange warten, bis sich (wie in einer der unzähligen Reportagen in den privaten Fernsehsendern über Schönheitsoperationen) eine Kundin / ein Kunde findet, der auch ohne zusätzliche Vergütung von seinen Erfahrungen berichten möchte und sich auch ablichten lässt. Schließlich meint ja auch „Manuela W.“:

„Plastisch-ästhetische Operationen sind heutzutage nichts Außergewöhnliches mehr.“

Bei 1.000 Kunden pro Monat (Angabe medidate in welt.de, Stand Juli 2016) sollten sich doch 6 Kunden finden lassen, die keine Berührungsängste haben, von ihren Erfahrungen auch öffentlich zu erzählen.

Das Ex-Mitarbeiter Testimonial

Aber nicht alle Bilder zeigen lediglich Fotomodelle, ein Foto eines Kunden ist echt (aus diesem Grund von mir auf den Screenshots oben geschwärzt). Hier zeigt sich Medidate allerdings nicht von seiner transparentesten Seite, denn Oliver T. hat als leitender Mitarbeiter laut eigener Angabe auf seinem XING Profil bis Dezember 2016 für medidate gearbeitet. Ich stelle nicht in Abrede, dass er Kunde bei medidate.de war und auch nicht, dass er zufrieden mit der Vermittlung und mit der Behandlung war, ich finde aber, dass Interessenten durchaus ein Recht auf transparentere Kommunikation haben sollten.

Irreführende Werbung mit Focus-Siegeln

Im Footer von medidate.de findet sich dann noch ein problematisches Werbelement. Hier führt Medidate zwei Focus-Siegel auf, ein „Top Mediziner 2013“ Siegel im Bereich „Augenheilkunde“ (Interessenten mit Kurzsichtigkeit könnten allerdings Probleme haben, das Wort „Augenheilkunde“ zu erkennen) und ein „Top Mediziner 2014“ Siegel im Bereich „Reparative Chirurgie & Katarakt“. Darunter erklärt man:

„Unsere Premiumkliniken sind mehrfach ausgezeichnet“. 

Als Interessent könnte man schon den Eindruck bekommen, dass sich dieser Satz auf die Focus-Siegel bezieht und dass alle Premiumkliniken, an die man vermittelt, mehrfach ausgezeichnet sind.

Das ist allerdings laut Auskunft von focus-arztsuche.de falsch.

Die Redaktion Gesundheit bestätigt in einer umgehenden Antwort meine Zweifel am korrekten Einsatz der Siegel. Die Art der Siegel-Darstellung auf www.medidate.de sei nicht zulässig, da die FOCUS-Siegel Ärzte auszeichnen, zu denen jedoch kein Bezug hergestellt werde. Die Aussage „Unsere Premiumkliniken sind mehrfach ausgezeichnet“ sei in diesem Zusammenhang ebenso falsch, da die Siegel einzelne Mediziner auszeichnen und keine Kliniken. Man werde sich mit dem Betreiber der Seite in Verbindung setzen, damit die Verwendung der Siegel und die Darstellung unverzüglich geändert werde.

Bitte um Stellungnahme von medidate.de

Ich habe medidate.de bzw. die Geschäftsführung der eHealth MediDate GmbH, die Betreiberfirma von medidate.de, gestern um eine Stellungnahme bzgl. dieser Sachverhalten gebeten, bisher hat sich das Unternehmen bei mir noch nicht gemeldet.

Fazit medidate.de

Wenn ein Unternehmen sich als „führenden Patientenlotsen“ bezeichnet, sollte man in der Lage sein, auch durchgehend vertrauenswürdig mit Erfahrungsberichten und Siegeln zu werben. Schließlich wollen Kunden ja zum „Arzt ihres Vertrauens“ und nicht in die Irre geführt werden.

 

 

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