Update 03.07.2017:

  • Lidl.de hatte sich bereits am 2. Juni gemeldet, da man schrieb, dass man die Angelegenheit prüfen werde, hatte ich die Antwort noch nicht in den Artikel mit aufgenommen: „Lidl kooperiert nicht mit dem von Ihnen genannten Portal. Wir nehmen Ihre Anfrage jedoch zum Anlass die Weitergabe an das Portal zu überprüfen.“ Nach Rückfrage erklärte mir ein weiterer Sprecher: „unsere Produkte werden auf der von Ihnen genannten Seite nicht über unseren Kooperationspartner billiger.de beworben.“ Meine erneute Rückfrage, ob man expertentesten.de gesperrt habe (da auf expertentesten.de ja zumindest ein Produkt von lidl.de beworben wurde, habe ich den Shop kontaktiert), wurde noch nicht beantwortet.
  • Otto hat expertentesten.de nun auch für ihre Spezialshops,  wie z.B. ekinova.de gesperrt
  • Ich habe am 22.6.2017 10 weitere Onlineshops um Stellungnahme gebeten:

– takelo.de
– springlange.de
– torquato.de
– hai-end.com
– alza.de
– ebay.de
– boomstore.de
– pasternak-gmbh.de
– buero-bedarf-thueringen.de
– hse24.de

  • alza.de, betrieben von Alza.cz, a.s. in Tschechien hat expertentesten.de gesperrt:

„Wir bedanken uns vielmals bei Ihnen, dass Sie uns hinsichtlich dieses Themas kontaktiert und uns auf diese Fake-Seite aufmerksam gemacht haben.

Als erstes möchten wir dazu sagen, dass wir solche Seiten natürlich nicht unterstützen möchten und daher auch umgehend billiger.de kontaktiert haben, um diese Seite für uns sperren zulassen. Billiger.de hat uns auch bereits geantwortet und die Sperrung bestätigt.

Wir selbst wussten von diesem Vorfall leider nichts, bei der großen Anzahl an Partnerseiten der Vergleichsportale ist es oftmals schwer selbst den Überblick zu erhalten. Somit bedanken wir uns auch für Ihre Arbeit, mit der Sie helfen diese Seiten aufzudecken und zudem Shops wie uns vor diesen warnen.“

  • auch andere Shops haben sich gemeldet, allerdings bisher noch keine weitere Antwort, bzw. Stellungnahme abgegeben.

Update 21.03.2017: Otto hat nochmal bestätigt, dass man expertentesten.de gesperrt habe und die angezeigte Werbung ggf. noch ein „Rest“ von der Übergangsphase gewesen sei. Ich habe heute auch noch einmal zahlreiche Seite bei expertentesten.de geprüft und keine Anzeigen für otto.de mehr gefunden. Ebenso habe ich auch keine Anzeigen für real.de gefunden und die Originalüberschrift wiederhergestellt.


Update 16.03.2017:  Ich habe ursprünglich getitelt „otto.de und real.de sperren expertentesten.de“. Nun habe ich allerdings doch noch Werbung für otto.de auf expertentesten.de gefunden und werde nochmal genauer schauen, ob ich noch Werbung für real.de aufspüren kann. Ich hake am Montag bei otto.de nochmal nach, ob man seine Meinung vielleicht doch geändert hat oder ob dies ein Versehen ist.


Originalartikel 16.03.2017: : Im März habe ich über Irreführungen auf expertentesten.de berichtet (die u.a. auch der WDR in der „Servicezeit“ aufgegriffen hat) Dabei habe ich dargelegt, wie die dahinterstehende Firma, die ever growing GmbH, gearbeitet hat. Nach meinem Artikel haben sich (siehe Artikel) ein paar Details auf expertentesten.de geändert, nach wie vor können aber viele User bei einem flüchtigen Besuch den Eindruck gewinnen, die Plattform habe bei dort umfangreich Produkte wirklich getestet und es handele sich dabei um sorgfältige und fachkundige vergleichende Warentests. Noch immer wird mit „[Produktgruppe] Tests 2017“ geworben, noch immer wird mit Formulierungen behauptet, man habe getestet. Z.B. mit dem Menüpunkt „So haben wir getestet.

Anfragen an amazon.de und billiger.de

Schon im März habe amazon gebeten, sich zu diesem Fall zu äußern, da die ever-growing GmbH Affiliate-Werbepartner von amazon war. Ergebnis: keine Stellungnahme. Scheinbar hat amazon auch keine Schritte gegen expertentesten.de unternommen. Die auf expertentesten.de vorhandenen Links zu amazon enthalten auf jeden Fall noch einen Affiliate-Werbetag, zum Beispiel bei einem angeblichen Laptop Test wird der Werbe-Tag „tag=laptop-expertentesten-21“ angehängt. Zudem wird auch das Logo von amazon auf der Webseite verwendet. Wäre expertentesten.de kein Werbepartner mehr, hätten sie auch keine Lizenz mehr, dieses Logo zu verwendet.

Ebenfalls im März nach Veröffentlichung des Artikels über die Irreführungen der ever-growing GmbH habe ich aber nicht nur amazon um Stellungnahme gebeten, sondern auch die solute gmbh, die billiger.de betreibt. Und ebenfalls durch ihr Werbeprogramm expertentesten.de finanziert. Denn bei jedem Klick auf einen der über die billiger.de Schnittstelle eingebundenen Shops in den Vergleichstabellen der angeblichen Tests wird expertentesten.de vergütet. Ein Pressesprecher von billiger.de hat mich nach meiner Anfrage zwar angerufen, äußern wollte man sich aber nicht.

Erneute Anfrage an billiger.de

Vier Wochen später, am 28.4.2017 habe ich nochmal nachgefragt und um Stellungnahme gebeten.

Stellungnahme von billiger.de

Nach wiederum erneuten Nachfragen hat sich dann die solute GmbH mit folgender Stellungnahme am 7.6.2017 gemeldet:

„Grundsätzlich beruhen unsere Geschäftsbeziehungen auf der Basis unserer allgemein gültigen AGBs. Das ist die Messrichtung für uns. Wir sehen in dem von Ihnen geschilderten Fall keinen Verstoß gegen unsere ABGs.“

Nach Rückfragen

  • bzgl. der Relevanz des deutschen Wettbewerbsrechtes bei der Auswahl von Vertragspartnern und Verstöße gegen das Wettbewerbs durch Partner von billiger.de
  • bzgl. der vertraglichen Ausgestaltung der Geschäftsbeziehung zwischen den Onlineshops, bzw. billiger.de und den Portalen, wie z.B. expertentesten.de
  • ob Onlineshops nachvollziehen können, auf welchen Partnerseiten von billiger.de Werbung für sie gemacht wird
  • ob billiger.de die erfolgte massive Täuschung von Usern auf expertentesten.de nicht als problematisch ansieht
  • ob billiger.de expertentesten.de rechtlich bzgl. inhaltlich überprüft habe.
  • wo ich die AGB finde, auf die man sich beziehe

äußerte sich billiger.de nur recht ausweichend:

„die Portale unterschreiben einen Vertrag mit uns. Und natürlich gehen wir davon aus, dass sich die Portale an die gültigen Gesetze halten.

 Da wir keine Richter sind – und auch nicht sein können –, ist es Aufgabe des Staates die Gesetzeseinhaltung sicherzustellen und gegebenenfalls Urteile zu sprechen.

 Wir überprüfen unsere Partner fortwährend und nach bestem Wissen und Gewissen auf Einhaltung des Vertrages. Bei Verstößen gegen unsere AGBs kündigen wir die Vertrags-Beziehungen.“

Auf welche AGB man sich beziehe und ob es die nachfolgenden „Nutzungsbedingungen für Kooperationspartner“ seien, hat man mir nicht verraten. Wenn

„[Nutzungsbedingungen] Kooperationspartner von billiger.de (abrufbar unter http://company.billiger.de/service/nutzungsbedingungen/kooperationspartner.php)

billiger.de ist ein Angebot der solute GmbH, Zeppelinstraße 15, 76185 Karlsruhe

billiger.de ist der deutsche Preisvergleich, der seit 2006 regelmäßig mit einem TÜV-Zertifikat ausgezeichnet wurde. billiger.de ist aktuell vom TÜV Rheinland zertifiziert.

Kooperationspartnern von billiger.de werden zur Ergänzung ihres Online-Angebotes Preisvergleichsinformationen zur Verfügung gestellt. Die Informationen werden von billiger.de aufbereitet und fortlaufend aktualisiert. Der Partner darf diese auf seiner Webseite integrieren.

Der Kooperationspartner ist für seine Online-Angebote und deren Inhalte selbst verantwortlich. billiger.de hat keinen Einfluss auf die Angebote/Inhalte des Partners und prüft diese nicht. Eine Haftung von billiger.de für die Angebote/Inhalte des Partners ist ausgeschlossen.

Die Partnerpublisher können machen was sie wollen? Ich dachte bisher, dass im deutschen Wettbewerbsrecht der Werbetreibende auch für Wettbewerbsverstöße seiner Werbepartner haftet.

Anfragen bei 12 Online-Shops

Billiger.de selbst zeigt sich also nicht verantwortlich für den eigenen Werbepartner. Deshalb wollte ich parallel herausfinden, wie beworbene Online-Shops das selber sehen. Angefragt habe ich bei:

  • comtech.de
  • rakuten.de
  • euronics.de
  • otto.de
  • cyberport.de
  • notebooksbilliger.de (auch für den nullprozentshop.de)
  • computeruniverse.net
  • lidl.de
  • technikdirekt.de
  • etc-shop.de
  • real.de
  • expert-techno.de

Stellungnahmen von real.de und otto.de

Äußern wollten sich lediglich zwei Onlinshops. Diese haben sich dann aber auch nicht nur geäußert, sondern auch reagiert. Ob weitere Shops reagiert haben, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.

Seitens real.de erklärte man:

„Wir haben zwischenzeitlich in die Wege geleitet, dass unsere Produkte aus unserem eigenen real.de-Angebot von der Seite expertentesten.de entfernt wurden.“

Otto.de erklärte:

„vielen Dank für Ihre Anfrage. Unsere Erfahrung zeigt, dass die Kunden im Kaufprozess auf unterschiedliche Kriterien achten und abseits von etablierten Gütesiegeln auch die Einschätzung kleinerer Webseiten-Betreiber, wie beispielsweise Fachblogger, einen Mehrwert bieten kann. Gerade hier ist es entscheidend, dass es sich um einen seriösen Test handelt und dass das Testverfahren für den Verbraucher transparent dargestellt wird.

 Leider zeigt die Praxis, dass es in der Branche in Einzelfällen zu irreführenden Testdarstellungen kommt. Wir sind uns dieser Herausforderungen des Affiliate Marketings bewusst und begrüßen das Vorgehen der Verbraucherschützer und die derzeitige Debatte rund um das Thema. Speziell im Sinne unserer Kunden kritisieren wir intransparente und unseriöse Testverfahren, die die Verbraucher fehlleiten. Die vertraglichen Absprachen mit unseren Vermarktungspartnern sehen ausdrücklich vor, dass sich alle Beteiligten an die jeweils geltenden gesetzlichen Vorschriften halten.

Wir sind dankbar für Ihren Hinweis und haben die Sperrung der Seite expertentesten.de in unserem Partner-Netzwerk veranlasst.“

Weiterhin zu finden sind von den Angefragten auf jeden Fall comtech.de, computeruniverse.net, rakuten.de, notebooksbilliger.de, etc-shop.de,  nullprozentshop.de, expert-techno.de.

Fazit

Dass billiger.de mit einem Schulterzucken auf den Fall reagiert ist nicht nur bedauerlich, sondern extrem bedenklich und wenig verbraucherfreundlich. Hier scheint man nur reagieren zu wollen, wenn konkret Marktteilnehmer oder Vebraucherinstitutionen dagegen rechtlich vorgehen. So ist man geneigt, den Verbraucherzentralen oder der Wettbewerbszentral zuzurufen, nicht nur gegen solchen Seiten vorzugehen, sondern auch Partner dieser Seiten, die diese für Werbung vergüten.

Bedauerlich ist auch die geringe Bereitschaft unter den Online-Shops, das Thema anzugehen. Kurzfristig mag es für sie von Vorteil sein, weil sie Klicks bekommen und Ihnen Käufer zugeführt werden, mittel- und langfristig schadet es aber dem gesamten Ecommerce-Ökosystem, wenn Käufer fehlinformiert werden.

Umso erfreulicher ist es, dass zumindest otto.de und real.de sich als verantwortliche Marktteilnehmer sehen, sich inhaltlich mit dem Thema auch wirklich auseinandersetzen. Und es auch in Ihrer Verantwortlichkeit sehen, konkret zu reagieren.

Leave a Reply