„n-tv Ratgeber: richtiggutbewerben.de ist Testsieger!“ – So wirbt der „Ghostwriter“ Bewerbungsservice richtiggutbewerben.de in einem Blogeintrag :

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Screenshot richtiggutbewerben.de – 08.02.2017

Aber nicht nur da. Auch in Google Anzeigen wirbt man offen mit diesem „Testsieg“: „Profi-Bewerbung ab 67 EUR – Testsieger aus dem TV‎“, bzw. „n-tv Testsieger“

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Screenshot google.de – 08.02.2017

Der Blogartikel verlinkt dann auf den n-tv Bericht, in dem 2 Online-Bewerbungsportale vorgestellt werden: diebewerbungsschreiber.de und richtiggutbewerben.de. Wer sich den 4 Minuten langen Bericht anschaut, wird dann aber schnell feststellen, dass irgendetwas hier fehlt. Es gibt nämlich sowohl keine Gesamtbewertung als auch keine Benennung eines Testsiegers. Vielleicht hat das aber auch seinen Grund. Im n-tv Bericht wird den Bewerbungsservices nämlich nicht dieselbe Aufgabe gestellt, sondern sie wurden gebeten für 2 fiktive Bewerber ein Anschreiben zu verfassen. Diese 2 fiktiven Bewerber haben aber einen unterschiedlichen Erfahrungshintergrund: „Simon Schmidt“ ist Uni-Absolvent und will Trainee im Eventbereich werden. „Markus Müller“ ist „gestandener Ingenieur und möchte einen Job in der Spielzeugautobranche“. Das von den Services verfasste Anschreiben wird im Nachhinein zwar von einem Experten begutachtet und bewertet, eine konkrete Note oder Punkte vergibt der Experte aber nicht. Zumindest wird davon nichts im Beitrag erwähnt. Und seine mündliche Bewertung zu den angefertigten Anschreiben lässt sich miteinander auch nicht wirklich vergleichen. Denn er gibt dem fiktiven Uni-Absolventen schon allein deshalb einen Bonus, weil er Uni-Absolvent ist:

Ich finde, dem jungen Kandidaten Simon muss man das nachsehen. Der kommt frisch von der Uni, der hat sich wahnsinnig viel Mühe gegeben, übers Ziel hinausgeschossen, aber er scheint schon, auch wenn er das nicht wirklich im Text rüberbringt, er scheint schon ´ne emotionale Beziehung zu dieser Aufgabe zu haben. Den würde ich mir in jedem Fall anschauen.“

Ebenso bewertet er das Anschreiben des fiktiven Ingenieurs auch auf Basis seines Erfahrungshintergrundes

„Bei dem Ingenieur, der schon ein bisschen weiter ist, finde ich, der präsentiert sich schlecht, aber man darf sich durch sowas auch nicht abschrecken lassen. Hinter schlechten Anschreiben oder auch nur durchschnittlichen Bewerbungsunterlagen können kluge Köpfe sich verbergen. Also auch da würde ich zumindestens vorschlagen, mal zu telefonieren.

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Wo ist also der Testsieg? Gibt es hier keinen? Ich frage nach und bitte richtiggutbewerben.de um Stellungnahme.

Stellungnahme von richtiggutbewerben.de

Nach meiner Anfrage an richtiggutbewerben.de meldet sich Bilal Zafar, der Geschäftsführer von richtiggut bei mir und beantwortet Fragen zu dem Beitrag von n-tv und zu einem anderen Test. Zur causa „n-tv Testsieger“ äußert er sich so:

„n-tv hat in seinem Test zwei große Online-Bewerbungsportale verglichen. Dazu wurden die-bewerbungsschreiber.de und richtiggutbewerben.de ausgesucht. Unser Produkt, ein Anschreiben, wurde durch den unabhängigen Experten gelobt. Der Experte hat dazu das Fazit gezogen, dass unser fiktiver Bewerber sicher zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden würde (Original-Zitat von Jürgen Hesse aus dem Beitrag: „Den würde ich mir in jedem Fall anschauen.“), während der fiktive Bewerber des anderen Anbieters es wohl schwerer haben dürfte, eine Einladung zu bekommen (Original-Zitat aus dem Beitrag: „Er präsentiert sich schlecht.“). Daher sind wir der Meinung, den Test gewonnen zu haben und uns somit zurecht als Testsieger bezeichnen zu können.“

Womit Bilal Zafar recht hat: die Sprecherin im Beitrag nennt den Vorgang auch Test. Womit er nicht recht hat: dass es ein echter vergleichender Test war, mit einem Testurteil. Denn n-tv sieht seinen eigenen Beitrag als Vorstellung der Online-Bewerbungsportale.

Auskunft von n-tv

Nach meiner Anfrage an n-tv, in der ich um Information bat, ob der Beitrag gekürzt sei und ob es eine Gesamtbewertung oder eine Auszeichnung als Testsieger gab, meldet sich ein Mitarbeiter bei mir per Email und klärt auf:

„Bei dem TV-Beitrag zum Thema „Online-Beratungsportale“ handelt es sich nicht um einen „richtigen“ Test. Es wurde lediglich über Bewerbungsportale berichtet. Ein Beratungs-Experte hat diese Online-Portale und zwei „Muster-Bewerbungen“ aus seiner Sicht eingeschätzt… Ein Testsieger wurde von uns nicht gekürt. Der Beitrag ist online ungekürzt.“

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Fazit

Bei Werbung mit Auszeichnungen, wie z.B einem Testsieg, geht es darum, das Vertrauen der potentiellen Kunden zu gewinnen. Dabei muss und sollte man aber bestimmte Spielregeln einhalten. Einen Testsieg kann man unter anderem nur dann erringen, wenn es auch 1. ein vergleichender Test war (auch hier gibt es bestimmte Anforderungen durch Gesetz und Rechtsprechung) und 2. bei dem Anbieter unter vergleichbaren Bedingungen getestet wurden und 3. bei dem Anbieter auch vergleichbar mit einem Endergebnis bewertet wurden, z.B. mit Punkten oder einer Note.

Im Fall der n-tv Reportage fehlte aber genau das: vergleichbare Bedingungen (vergleichbar wäre es z.B. gewesen, wenn die Anbieter die Anschreiben für dieselben fiktiven Kandidaten hätten erstellen müssen) und eine vergleichbare Gesamtbewertung der Leistung des Anbieters. Selbst der n-tv Mitarbeiter sagt, dass es kein richtiger Test gewesen sei.

Insofern kann ich hier nur die folgende Bewertung geben: richtiggutbewerben.de ist kein n-tv Testsieger.  Höchste Zeit, die vermeintliche, selbstgeschriebene Siegerurkunde abzuhängen und die vermeintliche Goldmedaille wieder abzulegen.

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