Richtiggutbewerben.de ist regelmäßigen toptestsieger Lesern aus einigen Artikeln bekannt. Zum ersten Mal habe ich über die Firma im Februar diesen Jahres geschrieben, z.B. als sie sich selber zum n-tv Testsieger gekürt hatten, obwohl es gar keinen ordentlichen vergleichenden Test gab. Nach Intervention von n-tv beendete man dann die Bewerbung als n-tv Testsieger (richtiggutbewerben.de Erfahrungen – der ntv Fake Testsieger). Ende März habe ich dann darüber berichtet, wie richtiggutbewerben.de z.B. mit veralteten Durchschnittsbewertungen warb. Zudem hatte man die Ergebnisse von unterschiedlichen Bewertungsportalen selber zusammengefasst, obwohl die Portale unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe haben.

Anzeige

In der  Zwischenzeit ist richtiggutbewerben.de nun dazu übergegangen nicht mehr mit der selber aggregierten Note zu werben. Man verlinkt nur noch die Kundenbewertungen  auf shopvote.de, bzw. führt ein paar Kundentestimonials auf der Startseite auf, etwas „aufgehübscht“ durch Bilder aus Bilderdatenbanken.

Allerdings wirbt man nun mit einem Pseudo-Testsiegel von einer unseriösen Plattform: education-2008.org.

Richtiggutbewerben.de – Bester Anbieter bei education-2008.org?

Laut Testsiegel hat die Webseite education-2008.org, die scheinbar aus den USA stammt, im Juni 2017 richtiggutbewerben.de als „Bester Anbieter“ ausgezeichnet und die Note „Sehr gut“ (1,2) vergeben. Dabei hat richtiggutbewerben.de scheinbar die „Beste Bewerbung“ geliefert.

Der Name der Webseite sollte Kunden allerdings schon einmal stutzig machen. Education-2008.org? Haben wir nicht schon 2017? Schließlich ist das Gütesiegel auch von 2017. Eine kurze Webrecherche zeigt: die Webseite gehörte ursprünglich zu einer Innovationskonferenz in Breckenridge, Colorado, USA. Der eigentliche Domaininhaber hat die Domain wahrscheinlich entweder verkauft oder auslaufen lassen.

Der jetzige Domaininhaber bleibt allerdings anonym. Sucht man nach diesem bei „Whois Diensten“ wird nur ein Privacy Service angezeigt, der den eigentlichen Domaininhaber der Webseite verschleiert. Schon das macht die Webseite in meinen Augen unseriös. Dieses negative Bild wird dadurch ergänzt, dass nicht ersichtlich wird, wer die Webseite eigentlich betreibt. Der Link „Aboutus“ oben links auf der Webseite ist falsch, auf der Seite „Inquiry“ wird nur ein Kontaktformular angeboten. Auch per Google-Suche konnte ich keine Informationen über die Firma oder die Person finden, die diese Webseite betreibt.

Anzeige

Ebenso merkwürdig war, dass ich Freitagmittag letzter Woche (28.07.2017) als ich die Webseite zum ersten Mal besucht habe, keinen Test von Bewerbungsservices finden konnte. Weder über die Google Suche, noch über die interne Suchfunktion.

Bitte um Stellungnahme bei richtiggutbewerben.de

Da ich den Test auf education-2008.org nicht fand, sondern lediglich einen Artikel auf Englisch, in dem richtiggutbewerben.de verlinkt war, bat ich kurz danach am gleichen Tag Bilal Zafar, den Geschäftsführer der richtiggutbewerben.de GmbH um Hinweis, wo der Test zu finden sei. Ebenso habe ich gefragt, ob er sich bewusst sei, dass die Seite unseriös sei, da keine Informationen über den Anbieter zu finden seien, keine „Über uns“ Seite existiere und auch der Domaininhaber anonymisiert sei.

Diesbezüglich antwortete Bilal Zafar mir, dass der Test seriös sei und nur temporär auf der Seite nicht verfügbar sei.

Auf die Nachfrage, welche Firma denn die Seite betreibe und wo sie sitze, hat Herr Zafar mir allerdings nicht mehr geantwortet. Ebenso wenig kam er meiner Bitte nach, mir eine Kopie des Test zukommen zu lassen.

Bitte um Stellungnahme education-2008.org

Anzeige

Education-2008.org habe ich ebenfalls um Stellungnahme bzgl. fehlender Informationen einiger Ungereimtheiten auf der Seite gebeten. Diese Anfrage wurde nicht beantwortet.

Der „Testbericht“ bei education-2008.org

Dennoch habe ich den „Test“, bzw. den „Testbericht“  einige Tage danach doch noch gefunden. Nach telefonischer Nachfrage am 31.07.2017 beim Kundenservice von richtiggutbewerben.de erklärte mir der Mitarbeiter, der Testbericht wäre doch online und per Suchfunktion auf der Webseite auffindbar. Das war er auch wirklich. Über die Google Suche ist der Artikel aber weiterhin nicht auffindbar gewesen, für Suchmaschinen ist er nämlich mit einem „No-index Tag“ für Suchmaschinen gesperrt. Ein Fehler, oder will man auf Seiten des Webseitenbetreibers gar nicht, dass der Artikel gefunden wird?

Der „Testbericht“, datiert auf den 28.07.2017 (dem Tag meiner Anfrage bei richtiggutbewerben.de)  unterstreicht allerdings meinen Eindruck, dass man hier unseriös vorgeht. Der angebliche Test ist in meinen Augen ein Pseudotest, das Testsiegel lediglich auf Fake-Niveau. http://education-2008.org/job-application-services-best/

Das zeigt schon eines, der angeblichen „Testkriterien“:

  • Ist ein englischsprachiger Kundenservicemitarbeiter verfügbar? (50% der Testnote)
  • Wie schnell ist der Service? (25% der Testnote)
  • Wie gut ist die Bewerbung? (25% der Testnote)

Eine reine Verfügbarkeit eines englischsprachigen Kundenservicemitarbeiters darf und kann bei einem seriösen umfassenden Test von Bewerbungsservice nicht 50% der Endnote ausmachen. Genauso wenig, wie bei einem Supermarkttest die reine Verfügbarkeit einer englischsprachigen Kassiererin 50% der Endnote ausmachen darf.

Auch die Testnoten selber zeigen, dass man hier unseriös vorgegangen ist. Laut „Testbericht“ wurden 3 Anbieter „getestet“: bewirbdichclever.de, tt-bewerbungsservice.de und richtiggutbewerben.de

Obwohl man mit dem Anbieter bewirbdichclever.de nicht einmal gesprochen hat und keine Informationen über Schnelligkeit des Bewertungsservice eingeholt hat, geschweige denn die Schnelligkeit und vor allem die Güte des Service getestet hat, wurde hier eine Note vergeben. Eine 3,0 auf einer Skala von 1-6.

Die „Bewertung“ von tt-bewerbungsservice.de wirkt auch oberflächlich und dubios:

„Good, proper answer, but no new orders possible. Takes 5-7 days. Overall rating: 2,5“

„Gut, korrekte Antwort, aber keine neuen Aufträge möglich. Braucht 5-7 Tage. Gesamtbewertung: 2,5“.

Was bedeutet „korrekte Antwort“? Warum vergibt man ein „Gut“, wenn keine neuen Aufträge möglich sind und scheinbar der Bewerbungsservice gar nicht getestet werden konnte (25% der Note)? Verlässt man sich bei der „Schnelligkeit“ auf die Angabe des Anbieters? Wäre die Note besser geworden, wenn der Anbieter gesagt hätte, dass er derzeit keine Aufträge annimmt, aber generell in einem Tag ein Bewerbungsschreiben liefern könnte?

Ebenso dubios geht es auch bei der Bewertung von richtiggutbewerben.de weiter:

„No website in English available, call was answered very friendly and an English agent was available. Takes 4 days or 24h with an extra charge. Overall rating: 1,2”

„Keine Webseite auf Englisch verfügbar, Anruf wurde sehr freundlich beantwortet und englischer Mitarbeiter war verfügbar. Dauert 4 Tage oder 24 Stunden mit Aufpreis. Gesamtbewertung: 1,2“.

Diese Bewertung wirkt so, als ob es einen Anruf bei richtiggutbewerben.de gab und ob man dort angefragt hätte, wie lang das Erstellen der Bewerbung dauert. Nicht gesagt wird allerdings, wie lang das Erstellen der Bewerbung gedauert HAT. Unklar bleibt auch, wie gut der angeblich getestete Bewerbungsservice überhaupt war und warum. In einem Nachsatz zur Bewertung wird nur generell gesagt „richtiggutbewerben.de – we admit that this is not the perfect name for a service providing help in Englisch – did the job very well.” „did the job very well” – „Hat den Job sehr gut erledigt”. Welchen Job? Das Erstellen eines Anschreibens?

Der Test ist in meinen Augen lediglich ein Pseudotest, denn die Testkriterien sind unvollständig und unsinnig gewichtet. Der Testbericht wiederum berichtet nur oberflächlich und schwammig, die Testergebnisse sind dubios, da Gesamtnoten vergeben werden, obwohl von zwei Bewerbungsservices augenscheinlich noch nicht einmal ein Bewerbungsschreiben erstellt worden ist.

Fazit

Wenn Firmen mit Gütesiegeln werben, sollten sie sich vergewissern, dass der Anbieter seriös ist. Wenn ein Anbieter seine Identität nicht offen kommuniziert, bzw. sogar verschleiert sollte man davon absehen, mit einer Bewertung von solch einem Anbieter zu werben.

Aber auch wenn der Anbieter nicht seine Identität verschleiert, sollte man sich als Unternehmen vergewissern, dass ein Test ordentlich und seriös durchgeführt wurde. Wenn so offensichtlich ist, dass ein Test lediglich ein Pseudotest ist (wie bei education-2008.org) sollte eine Firma davon absehen, mit einer solchen Bewertung zu werben. Denn das Werben mit Ergebnissen von solch offensichtlich unseriösen Pseudotests ist irreführend und verstößt gegen das UWG.

Richtiggutbewerben.de wäre also richtig gut beraten, dieses unseriöse Pseudo-Siegel wieder von der Webseite zu entfernen.

Leave a Reply