Update 23.02.2017: Die Seite ist wieder online, jetzt ohne Fake-Events.

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Update 06.01.2017: Nachdem ich Facebook wiederholt gefragt habe (ohne Antwort darauf zu bekommen), warum denn die Fanpage „Ich liebe Sushi“ noch immer online ist (zuletzt am 15.12.2016), ist die Seite nun offline. Entweder weil sie von Facebook gesperrt wurde oder weil der Betreiber sie offline gestellt hat.


 

Update: unter dem Link findet Ihr das Video nicht mehr. Ihr könnt das Video aber auch anschauen, wenn ihr Euch hier (zumindest vorübergehend) http://fanpagebooster.de/reichweite/ eintragt, dann wird Euch nach Email Bestätigung ein personifizierter Link zum Video geschickt.


 

Ihr wollt wissen, wie man 1,9 Millionen Facebook User in 7 Tagen für 0€ erreichen kann? Dann solltet Ihr das Video von Simon Mader schauen: http://fanpagebooster.de/19mfuef0e (Sorry, ich habe heute leider keinen Link für Dich)

Wenn ihr aber wissen wollt, wie man 1,9 Millionen Facebook User in 7 Tagen für 0€ auf ehrliche Weise erreichen kann, dann braucht ihr das Video von Simon Mader nicht zu schauen.

Denn eigentlich sollte das Video heißen:

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 „Wie ich bis zu 1,9 Millionen Facebook User für 0€ in 7 Tagen getäuscht habe.“

Wer bei dem Video heiße Tipps erwartet, die das eigene Social Media voranbringen, wird hier enttäuscht, denn das einzige Kaninchen, das Simon Mader hier aus dem Hut zaubert, riecht genauso schlimm wie ziemlich alter Fisch. Oder besser gesagt: wie ziemlich altes Sushi.

Denn genau darum geht es bei Simon Maders „Best Practice“, das er auf einer Veranstaltung der Internetseite gründer.de (meines Wissens nach im Juli diesen Jahres in Köln) zum Besten gegeben hat und als Best Practice Video bei Facebook bewirbt, um Empfänger für seinen Newsletter zu akquirieren:

Um Sushi, bzw. um eine Reihe von Fake Veranstaltungen der Facebook-Seite „Ich liebe Sushi“ https://www.facebook.com/ichliebesushi/ mit dem Namen „Sushi Marathon [+Stadtname]“, die (zumindest tlw. für Ende August 2016 angekündigt waren, aber niemals stattgefunden haben. So wie ich Simon Mader in dem Video verstehe, waren echte Veranstaltungen auch nicht geplant. Und es geht darum, dass Simon Mader mit dem Posten einer Fake Veranstaltung in der Gruppe „NETT-Werk Köln“ https://de-de.facebook.com/groups/53367057696 mit einem Fake Facebook- Profil, das er betreibt, viel Reichweite bekommen hat.

Aber „hört“ selbst… oder lest selbst [die Zahlen in den Klammern verweisen auf die Stelle im Video].

Passagen aus dem Video

[08:15] Was ist nämlich das Geheimnis für diese organische Reichweite? Das Geheimnis sind nämlich Facebook Events.

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[08:38] Und dann dachte ich, okay, wie kann man das nämlich ausnutzen? Ich mach ja gar kein Event.-  Ich hab dann schon eins gemacht, zeig ich Euch gleich. – Aber, wie kann ich mir dieses Event zu Nutze machen, wie kann ich mir diese Reichweitenfunktion zu Nutze machen, für mein Projekt und für meine Unternehmung. Und eben, meine richtige Zielgruppe einzusammeln.

[12:40] Gut,  Datum. Ich hab das so weit wie möglich nach hinten gelegt, ich glaub immer so 31. August, bald läuft jetzt bald mal eins ab. Aber am Ende vom Sommer sozusagen hab ich den gelegt, das hatte was mit Sommer zu tun, das Event.

[13:00 ] Ich sag Euch jetzt kurz, wie das Event heißt und ihr könnt auch mal auf Euren Handys gucken, ob ihr da vielleicht teilgenommen habt und wenn ja, dann möchte ich , dass Ihr Euch meldet. Das Event hieß immer Sushi Marathon – Köln, Sushi Marathon – Düsseldorf, – Bremen, – Bonn, alle großen Städte in Deutschland hab ich. Hat irgendjemand davon auf „Interest“ geklickt, hier im Raum? [Zählt im Raum] Eins, zwei, drei, vier, fünf. Ah – sehr gut. Sind bestimmt noch ein paar dabei, die sich jetzt nicht trauen. Es tut mir leid, es wird kein Sushi-Marathon geben. [Pause] Aber finde ich schön, dass ihr teilnehmen wolltet.

[15:24] Die Ticket URL könnt Ihr auch ausnutzen und könnt einfach Eure Fanpage URL eintragen, wenn jemand dann auf Ticket klickt, kommt er auf Eure Fanpage. Weil es gab ja keine Tickets.

[15:41] Dann empfehle ich Euch noch, hier unten den Haken reinzumachen „Only hosts can post on the event wall“, das heißt nur ich kann quasi in dieses Event reinposten und die Anderen, wenn die das machen möchten, müssen erste genehmigt werden von mir.[.] Weil, es gibt einige wenige, die das durchschauen und die würden Euch dann hassen. Aber die können nix machen. Die werden halt gelöscht.

[16:30 ]Das heißt, ich hab mit nem Face Fakebook Account von mir, schönes nettes Mädchen, ein Beitrag gepostet von diesem Sushi Event in Nett-Werk Köln. Und jeder, der Nett-Werk Köln kennt, weiß, das ist ne richtig dicke Community, da sind über 100.000 Kölner drin. Und dann hat diese „Frau“ dieses Event dareingeteilt und hat – ich glaube, wir haben geschrieben „Wo sind die Sushi-Freaks?“ – So, das hat gereicht. Ich bin dann schlafen gegangen und am nächsten Tag da ging´s richtig ab. Also da haben ganz ganz viele teilgenommen und wie ihr ja wisst, das nimmt dann eben so nen, das Rad fängt sich dann richtig an zu drehen, weil, dann nimmt hier die Susi teil, dann sieht die Vanessa das, dann nimmt die Vanessa teil, dann sieht jeder nochmal alle Freunde von der das. Und das hat eben ´ne wahnsinnige Reichweite.“

(Anmerkung: Es sollte wahrscheinlich Fake Facebook Account heißen)

[21:23 Jetzt sagt Ihr Euch bestimmt: Ey, witzige Geschichte, echt super lustig. Aber was will der mit ner „Ich liebe Sushi“ Seite. Das ist ja auch voll das behinderte Thema.

[21:52] Aber wenn ich Euch sage, dass Ihr quasi, wenn Ihr sowas machen wollt, dann müsst Ihr immer etwas weiter weg denken. Z.B. ein guter Freund von mir, dem gehört der größte Asia Online Shop in Deutschland. Der macht ziemlich viel Umsatz. Jetzt könnt Ihr Euch denken, wer mir diese Seite bald abkaufen wird. Aber die wird noch ein bisschen wachsen davor.

Wir schreiben das Jahr 2016 und als Best Practice wird mir, wird uns von Simon Mader scheinbar Faken & Spammen vorgeschlagen. (Für mich ist das Posten von  einem gewerblich orientierten Link mit einem Fake Account in eine Facebook Gruppe ganz einfach Spam).

Ich finde es bedenklich, dass User scheinbar gezielt und bewusst getäuscht werden, um einen persönlichen, monetären Vorteil daraus ziehen. Genauso bedenklich finde ich es, dass man darüber dann auch noch spricht und das Vortragsvideo für das Eigenmarketing verwendet.

Meinungen aus der Branche

Ich habe zwei andere Social Media Profis gefragt, was sie von dem Video und dem „Best Practice“ halten, Felix Beilharz und Thomas Hutter.

Felix Beilharz (felixbeilharz.de) , Autor von 5 Fachbüchern zu Social Media- und Online-Marketing sowie Lehrbeauftragter an der Universität zu Köln und mehreren Hochschulen meint:

„Mit einem Fake-Account Menschen zu Fake-Events einladen und dann per automatisiertem Script zur Fanpage einladen (was gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstößt und damit illegal ist): Wer meint, so eine dauerhafte und fruchtbare Kundenbeziehung aufbauen zu können, kann das gerne machen. Entsprechende Experten gibt es ja genug im Netz. Es gibt für alles einen Markt.

Ich persönlich kann mich damit nicht identifizieren. Dafür habe ich zuviel Respekt vor Menschen bzw. Kunden, um sie derart hinters Licht zu führen. Für mich ist Social Media Marketing ein tolles Werkzeug, mit Menschen in Kontakt zu treten und durch Qualität, Authentizität und Nutzwert eine Community aufzubauen.

Mein Rat: Frage dich, ob du selbst mit dem, was du gerade tust, auf Kundenseite gern konfrontiert werden willst. Willst du durch Fake-Events veräppelt, von Spam-Bots zugemüllt und von Fake-Accounts eingeladen werden? Dann hau rein. Willst du durch coolen Content von echten Unternehmen überzeugt werden? Dann gib dir Mühe und mach geiles Zeug.

Jeder bekommt die Kunden, die er verdient.“

Ähnlich sieht das Thomas Hutter. Er ist Geschäftsführer der Hutter Consult GmbH, die große und mittelgroße Unternehmen im deutschsprachigen Raum zum Einsatz von Facebook im kommerziellen  Umfeld berät und betreibt einen der großen deutschsprachigen Blogs zum Thema Facebook Marketing: thomashutter.com

„Was im Video gezeigt wird, darf keinesfalls als Best Practice dargestellt werden. Einerseits ist es eine riesige «Verar*****» von Menschen und andererseits sind daraus resultierende «Passion Pages», bzw. die damit verbundene Werbung, schlussendlich als «Schleichwerbung» zu taxieren. Dh. entsprechende «Hacks», wenn man die so nennen will, sind von Beginn an im dunkelgrauen bis schwarzen Bereich von Facebook Marketing anzusiedeln und rechtlich nicht lupenrein. Warum solche Themen an Veranstaltungen von gründer.de aufgezeigt werden, ist mir absolut schleierhaft. Gerade Gründer, bzw. Start-Ups, sollten möglichst von Beginn an mit nachhaltigen Strategien arbeiten, der vermeintlich «schnelle Erfolg» durch dubiose Methoden, könnte sich sehr bald im Nichts auflösen. Die darin investierte Zeit wäre verloren und allenfalls rechtliche Folgen könnten sich teuer niederschlagen.“

Ich wollte auch Simon Mader zu Wort kommen lassen und um Stellungnahme gebeten. Dieser Bitte ist er allerdings nicht nachgekommen. Auch wenn man sehr beschäftigt ist: meiner Meinung nach kann man immer 3 Zeilen zu einem Thema schreiben. Schließlich kennt er ja die Events und er kennt seinen Vortrag.

Um Stellungnahme habe ich auch die Codekarussel UG gebeten, deren Webseite https://sushimarathon.splashthat.com/ auf der „Ich liebe Sushi“ Seite in der Seitenbeschreibung verlinkt war. Vielleicht hat Simon Mader die Seite schon an Codekarussel verkauft? Ich wollte es herausfinden. Und wissen, was den mit den 10 Events ist, die immer noch auf der Sushiseite angekündigt werden: https://www.facebook.com/ichliebesushi/events

Ich wurde zwar von Codekarussel angerufen, aber auch die Geschäftsführer der Codekarussel UG waren zu keiner offiziellen Stellungnahme bereit. Allerdings wurde irgendwann in den letzten 2 Tagen der Link zu der Sushi-Webseite von  Codekarussel von der Facebook Seite gelöscht, Impressum: Fehlanzeige.

Ebenfalls hatte ich Thomas Klußmann, den Geschäftsführer von gründer.de, gefragt, ob er etwas zu dem Video und dem Vortrag sagen möchte. Insbesondere interessiert mich, ob er das Thema und den Inhalt des Vortrags gekannt hat, bzw. ob er diesen Vortrag so akzeptiert hätte, wenn er das Thema gekannt hätte. Aber leider gab es von Thomas Klußmann oder jemand anderem von gründer.de keine Stellungnahme.

Fazit

  1. Social Media Experte sollte man sich auf jeden Fall nicht nennen, wenn man auf der einen Seite Faken und Spammen als Best Practice verkauft, auf der anderen Seite aber nicht die Zeit erübrigen will oder kann, sich zu einem heiklen Thema zu äußern.
  2. Wer auf seinen Veranstaltungen Vortragende einlädt, die ihre Fake&Spam Aktionen als kreativ darstellen, sollte nochmal an seiner Speaker-Akquise und an seinem Filter arbeiten. Da ist irgendein Fehler im System und Sand im Getriebe.
  3. Es wird viel getrickst und getäuscht im Internet – und Social Media Bereich. Aber mal ganz ehrlich: innovativ und kreativ ist das nicht und stolz kann man darauf noch weniger sein.

Am Ende verkaufen die Faker nur eines: nicht leckeres Sushi, sondern ganz schön stinkigen Fisch.

 

One Response

  1. Danny

    Klar, wer will den auch schon eine Stellungnahme abgeben. Kann ich irgendwo verstehen. Die Leute haben dafür keinen Bedarf. Und wenn es eine Abmahnung regnet dann klärt das eben deren Anwalt. Hast du das Produkt gekauft und getestet? Vielleicht funktioniert es ja wirklich :D

    Antworten

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