Update 18.01.2016: Scheinbar zeigt Storyclash auf den Überssichtsseiten keine kopierten Bilder mehr an. Die angezeigten Bilder auf der Startseite und den Kategorien- und Übersichtsseiten für die einzelnen Nachrichtenseiten zeigen nur noch Bilder innerhalb von Frames.

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Storyclash.com hatte bei seiner Namensschöpfung wahrscheinlich etwas anderes im Sinn, aber bald mag der Name – Clash bedeutet Krach, Konflikt, Streit – auch in anderer Hinsicht Programm werden. Streit entsteht nämlich vielleicht bald mit Urhebern und Verlagen in Deutschland. Aber der Reihe nach.

Was ist Storyclash? Storyclash beschreibt sich selbst als „eine News-Suchmaschine, die in Echtzeit und nach bestimmten Kriterien sortiert, Inhalte aufbereitet.“ Das ist allerdings nicht die ganze „Story“.

Storyclash ist ein Newsaggregator der auf seiner Webseite und in seiner App Nachrichten mehrerer (wir haben bei 100 Seiten aufgehört zu zählen) Newsseiten zusammenführt. Storyclash geht dabei aber weiter als andere Newsaggregatoren und leitet aus der Gesamtübersicht nicht nur zu den Nachrichtenseiten weiter, sondern bindet die Artikel in die eigene Webseite mithilfe eines Frames ein. Sprich: Klickt ein User auf den Spiegel Online Nachrichtenartikel „Drohnen-Crash bei Ski alpin: „Ein Wahnsinn, was da passiert ist“ auf storyclash.com, wird er nicht auf die Artikelseite bei Spiegel weitergeleitet

http://www.spiegel.de/sport/wintersport/marcel-hirscher-fast-von-drohne-getroffen-ein-wahnsinn-was-da-passiert-ist-a-1069247.html

sondern auf die Storyclash Seite, die aus Storyclash Toolbar und Spiegel-Seite besteht.

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http://storyclash.com/Drohnen-Crash-bei-Ski-alpin-Ein-Wahnsinn-was-da-passiert-ist-7205251

Storyclash_1

Das ist allerdings nicht der einzige Schritt. Storyclash lässt diese zusammengebauten Seiten auch von Google indexieren, insgesamt findet man im Google Index ca 577.000 Seiten (Stand 28.12.2015). Tendenz steigend (am 18.12. waren noch 562.000 im Index). Von jeder Seite wird dabei der Titel und ein kurzer Teaser Text als Inhalt in den Suchindex von Google „geschoben“. Bemerkenswert: Google erfasst scheinbar auch den kompletten Text des angezeigten Frames (zumindest auf den von mir geprüften Seiten) und zeigt die jeweilige Storyclash Seite in den Suchergebnissen an.

Storyclash_2

Die Story ist hier natürlich noch nicht zu Ende, es gibt noch einen weiteren Schritt. Storyclash hebt auch noch Bilder in den Index. Geframte Bilder im Suchindex? Nein, Storyclash integriert Artikelbilder, die auf einen Amazon Server (AWS) kopiert wurden (durch wen auch immer) und lässt sie durch Google indexieren. Diese kopierten Artikelbilder werden dabei nicht nur in den Google Index gehoben, sondern werden auch in den Übersichtsseiten von Storyclash angezeigt.

Zum Vergleich: Hier liegt das Bild auf dem Amazon Bilderserver:

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https://s3imgcdn.s3.amazonaws.com/images/2015/12/23/7205251_1450860368.jpg

Hier liegt das Bild von spiegel.de

http://cdn2.spiegel.de/images/image-938219-galleryV9-egge-938219.jpg

Dieses Bild wird auch verwendet, wenn ein User die „Teilen“ Funktion rechts oben in der Toolbar verwendet. Der User könnte zwar denken, dass er den Spiegel Online Artikel teilt, in Wahrheit wird allerdings die URL von Storyclash geteilt und das von Spiegel Online auf den AWS Server kopierte Bild.

In einer Email Anfrage an Storyclash Ende Oktober hatte Andreas Gutzelnig, einer der Geschäftsführer von der medianext GmbH, die Storyclash betreibt, noch geschrieben, dass „Storyclash lediglich die Headlines in der Datenbank speichert“. In einer weiteren Email erwähnt er weiterhin dass sie „juristische Stellungennahmen zu den Vorschaubildern hätten“, „aber nicht zum Google Index“, da könnten sie „auch gar nicht eingreifen“. Zudem erklärte Gutzelnig, dass „die meisten  Publisher auf uns zu kommen und in den Index aufgenommen werden möchten.“

Im Impressum beruft sich Storyclash auf Rechte als Suchmaschine:

„Wir gehen davon aus, dass unser Angebot in keine Rechte Dritter eingreift. Für Deutschland hat der Bundesgerichtshof dazu entschieden, dass ein Urheber, der eine Abbildung eines urheberechtlich geschützten Werkes ins Internet einstellt, ohne technisch mögliche Vorkehrungen gegen ein Auffinden und Anzeigen dieser Abbildung durch Suchmaschinen zu treffen, durch schlüssiges Verhalten seine Einwilligung in eine Wiedergabe von Vorschaubildern der Abbildung erklärt und der darin liegende Eingriff in das Recht auf öffentliche Zugänglichmachung des Werkes (§ 19a UrhG) daher nicht rechtswidrig ist (BGH, Urteil vom 29. April 2010 – I ZR 69/08, BGHZ 185, 291 – Vorschaubilder I).“

Alles also unproblematisch? Die Formulierung, dass die „meisten Publisher auf Storyclash zukommen“ legt nahe, dass nicht mit allen Publishern ein Kooperationsvertrag vorliegt. Gleiches lässt der Hinweis im Impressum auf das BGH Urteil vermuten.

Wir haben den Medienrechtsanwalt Christian Solmecke von Wilde Beuger Solmecke Rechtsanwälte zum Sachverhalt befragt:

Toptestsieger.de: Kann sich der Betreiber, für den Fall, dass kein Vertrag zwischen Betreiber und Publisher besteht, darauf berufen, eine Suchmaschine zu sein und ein Vorschaubild i) kopieren und hosten zu dürfen und ii) ohne Urheberinformationen in den Übersichten anzuzeigen, wenn statische Feedseiten zu den einzelnen Publishern generiert werden?  Insbesondere, wenn bei einem Facebook Share genau dieses selber gehostete Bild (das ja auch recht groß ist) geteilt wird, statt des Originalbildes?

Christian SolmeckeAus meiner Sicht ist zweifelhaft, ob der Betreiber das Vorschaubild auf seinem Server hosten und von dort aus öffentlich zugänglich machen zu darf. Die Rechtsprechung des BGH zu Vorschaubildern bezog sich auf die Google-Bildersuche. Ob diese Rechtsprechung auf News-Aggregatoren übertragbar ist, ist bislang nicht geklärt worden. Der Unterschied zur Bildersuche besteht darin, dass die Bilder nicht auf Anfrage des Nutzers nach einem bestimmten Suchbegriff angezeigt werden, sondern die Beiträge und somit auch die Vorschaubilder vorausgewählt sind. Darüber hinaus hat der BGH in den Vorschaubilder-Entscheidungen nur über das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung entschieden, nicht über das Vervielfältigungsrecht. Die BGH-Urteile zu den Vorschaubildern bei der Google Bildersuche sind also hier nicht unbedingt übertragbar.

Toptestsieger.de: Stellen wir uns vor, es gäbe keine Übersichten der einzelnen Newsseiten, sondern nur die geframten Seiten + die Seiten im Google Index mit den Minisnippets in Form von einzelnen Seiten und die Bilder würden auch auf die Originalquelle verlinken. Liegt ein Urheberrechtsverstoß vor oder ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht?

Christian Solmecke: In diesem Fall würde weder ein Verstoß gegen Urheberrechte, noch gegen Leistungsschutzrechte vorliegen. Das Einbinden der fremden Artikel durch einen Frame ist aus urheberrechtlicher Sicht nach der aktuellen Rechtsprechung des EuGH zulässig. Danach dürfen urheberrechtlich geschützte Inhalte, die auf fremden Internetseiten öffentlich zugänglich gemacht werden, im Wege des Framing eingebunden werden. Der „Framende“ macht die Inhalte der fremden Seite dadurch nicht selbst öffentlich zugänglich. Zu der wettbewerbsrechtlichen Bewertung in so einem Fall gibt es noch keine Entscheidungen.

Toptestsieger.de: Der Anbieter sitzt in Österreich, welches Urheberrecht gilt für ihn?

Christian Solmecke: Im Urheberrecht gilt das sog. Schutzlandprinzip. Das bedeutet, es ist immer das Recht des Landes anwendbar, in dem der Urheber Schutz begehrt. Bei Internetsachverhalten ist also deutsches Recht anwendbar, wenn der urheberrechtlich geschützte Inhalt in Deutschland abrufbar ist.

Die Dimension des Bilderkopierens kann bei 595.000 Seiten im Suchindex von Google natürlich groß sein. Wir haben auf auf Storyclash 100 Portale (es gibt mehr) daraufhin überprüft (eine Liste findet ihr am Ende des Artikels), ob Bilder kopiert wurden. Dabei wurden zu 3 Nachrichtenseiten keine Bilder angezeigt (Bild.de, Kölner Stadtanzeiger (ksta.de), volume.at). 2 weitere Newsseiten wurden scheinbar einmal gelistet, werden aber jetzt nicht mehr angezeigt (zeit.de, faz.net). Ob die Newsseiten sich oder die Bilder haben löschen lassen, ist unklar.

Storyclash ist jedenfalls in den letzten Monaten ohne eigene Inhalte kräftig gewachsen. Similarweb.com schätzt den Desktop-Traffic von Storyclash auf 100.000 User im November. Ist Storyclash stark durch das Huckepack-Indexieren geworden? Groß geworden durch die Google Bildersuche? Das weiß erstmal nur Storyclash selber.

Die Verlage sollten hier jedenfalls auf der Hut sein. Es erscheint generell möglich, dass man relevanten Traffic auch mit „Duplicate Content“ aufbauen kann (Google Traffic), viralen Traffic auf die eigene Seite „umlenken kann“ (Facebook Shares).

Können und sollten die Verlage wirklich daran interessiert sein, so ein Modell wie Storyclash zu unterstützen? Ich bezweifele es. Das Beispiel zeigt wieder einmal, dass kleine Anbieter nicht unterschätzt werden sollten und die Contentanbieter einem Dauer“angriff“ ausgesetzt sind. Von Anbietern, die Reichweite aufbauen wollen, die Inhalte brauchen und für die eigenen Portale verwenden. Das Beispiel zeigt auch, welche Möglichkeiten das EuGH Urteil zumindest in der Dimension „Urheberrecht“ eröffnen könnte und in meine Augen auch, dass geklärt werden muss, ob massenhaftes Framing ganzer Inhalte auch wettbewerbsrechtlich zulässig ist Schon allein um das Verhältnis Aggregatoren / Publisher näher zu klären. Und letzlich stellt sich auch die Frage, ob so eine Art des Framing dem Grundgedanken des Urheberrechtes entspricht.

Denn warum sollte man noch Nachrichten produzieren, wenn man fremde Seiten einfach framen darf?


Liste der untersuchten Newsseiten auf Storyclash: (Hinweis: aufgelistet sind auch Seiten aus Österreich und anderen Ländern, dieser Artikel bezieht sich jedoch ausschließlich auf die Rechtslage in Deutschland.)

zeit.de
faz.net
ksta.de
bild.de
volume.at
welt.de
spiegel.de
schwarzwaelder-bote.de
focus.de
t-online.de
augsburger-allgemeine.de
tt.com
krautreporter.de
laola1.at
9gag.com
jezebel.com
gawker.com
standard.at
tnw.com
buzzfeed.com
cnn.com
thechive.com
wired.com
golem.de
tagesschau.de
n-tv.de
transfermarkt.de
reuters.com
jolie.de
vox.de
n24.de
nachrichten.at
huffingtonpost.de
sueddeutsche.de
kicker.de
goal.com
sport1.de
bunte.de
postillon.de
rtl.de
hefting.co
motherboard.com
spektrum.de
mobilegeeks.de
heise.de
bz-berlin.de
oe24.at
morgenpost.de
promiflash.de
miss.at
spieletipps.de
mann.tv
rebell.at
viennatelegraph.com
antenne.at
kino.de
chillpanda.net
giga.de
servus.tv
blogrebellen.de
schlagerportal.com
weltenraum.at
mdr.de
queerpride.de
mopo.de
badische-zeitung.de
suedkurier.de
finanzen.ch
jetzt.de
redaktionell.ch
srf.ch
news.at
retter.tv
regionews.at
ggg.at
nerdcore.de
express.de
zett.de
berliner-kurier.de
puls4.com
sat1.de
vice.com
freenet.de
geo.de
handelsblatt.com
dwdl.de
deutsche-startups.de
wuv.de
meedia.de
rp-online.de
stern.de
derwesten.de
ard.de

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