In meinem vorerst letzten Bericht über dubiose Testberichte aus der, bzw. für die Bewerbungsservicebranche geht es um trialo.de. Die Webseite wird von der Innovationsschmiede GmbH (vormals trialo GmbH) aus Dortmund betrieben, Geschäftsführer ist Sebastian Baake.

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Trialo gibt ebenfalls an, einen Test unter Bewerbungsservices durchgeführt zu haben. Im Gegensatz zum Fake Test von testsieger-berichte.de oder dem erfundenen n-tv Testsieger fand hier auch ein praktischer Test statt. Dennoch gibt es in meinen Augen einige dubiose Ungereimtheiten.

Unlautere Werbung

Der Testbericht bei trialo erscheint auf den ersten Blick als unabhängig, dies ist aber nicht der Fall. Es besteht eine geschäftliche Beziehung zu zwei von trialo ausgezeichneten Unternehmen, trialo ist Affiliate-Werbepartner von die-bewerbungsschreiber.de und richtiggutbewerben.de. trialo erhält eine Provision für jeden Kunden, den trialo zu diesen Anbietern leitet und der dann bei den Anbietern Kunde wird. Klickt der User den Button „Zum Anbieter“ beim Eintrag von die-bewerbungsschreiber.de  wird er über einen Werbelink von „Zanox“ zu die-bewerbungsschreiber.de  geleitet. Beim Eintrag zu richtiggutbewerben.de handelt es sich auch um einen Werbelink. Sowohl richtiggutbewerben.de als auch die-bewerbungsschreiber.de haben mir bestätigt, dass trialo ein Werbepartner ist.

trialo müsste diese Links nun als Werbelinks kennzeichnen. Da dies nicht erfolgt, verstößt trialo das UWG, das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb.

Dubiose Auswahl der getesteten Unternehmen

Bei der Auswahl der getesteten Unternehmen ging man bei trialo in meinen Augen recht dubios vor. Man hat nur Unternehmen in die Auswahl aufgenommen, die sich vorher bereit erklärt haben, beim Test anfallende Kosten zu ersetzen, bzw. die in Anspruch genommenen Leistungen nicht in Rechnung zu stellen.

Das Problem hierbei: nicht alle der vor dem Test angesprochenen Unternehmen waren dazu bereit. Die Reaktion von trialo: der Anbieter wurde nicht mit in den Test aufgenommen. Darüber informiert trialo die Leser aber nicht. Es wurden also nicht neutral mehrere Anbieter getestet, sondern nur Anbieter, die überhaupt dazu bereit waren, einer unbekannten Webseite wie trialo.de kostenlose Leistungen zur Verfügung zu stellen.

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Fehlende Transparenz

Ebenso halte ich auch die fehlende Transparenz in den Testberichten für problematisch. Die von den Anbieter erstellten Anschreiben werden nicht gezeigt, sondern wurden unkenntlich gemacht. Leser können sich also nicht selbst einen Eindruck von der Leistung der Anbieter verschaffen. Trialo behauptet: „Die vollständigen Texte werden auf Wunsch der Anbieter nicht veröffentlicht, sondern wurden retuschiert.“

richtiggutbewerben.de und die-bewerbungsschreiber.de bestätigen dies, nachdem ich sie gefragt habe, warum das Anschreiben, das erstellt wurde nicht sichtbar ist.

Stefan Gerth von die-bewerbungsschreiber.de antwortete:

Ganz einfach. Es geht hier um ein individuelles Produkt. Damit ein Verbraucher das Produkt ganzheitlich bewerten kann, benötigt er umfangreiche Informationen zum Auftrag, d.h. die Stellenausschreibung, den kompletten Werdegang des Kunden, alle relevanten Zeugnisse sowie Zertifikate und sämtliche Informationen (Mails, Telefonate etc.), die uns zur Verfügung gestellt wurden. Soweit ich mich zurückerinnern kann, hat Trialo signalisiert diese umfangreichen Informationen nicht öffentlich machen zu wollen, da es um einen echten Menschen aus dem Bekanntenkreis ging. Somit machte es keinen Sinn, die Dokumente offenzulegen. Außerdem hätte es den Umfang des Artikels komplett gesprengt. Wir gehen davon aus, dass auch andere Anbieter dem zugestimmt haben und das Ergebnis dadurch in keiner Weise beeinflusst wurde. Für uns sind Tests, eine gute Gelegenheit unser Können unter Beweis zu stellen und zeigen uns auf, wie andere unsere Dienstleistung betrachten.

Bilal Zafar von richtiggutbewerben.de antwortete:

Unsere Bewerbungsunterlagen werden immer individuell für unsere Kunden erstellt: Wir sehen Online-Vorlagen aus diesem Grund auch äußerst kritisch, da eine Bewerbung IMMER persönlich und für eine bestimmte Stelle erstellt werden sollte. Vorlagen verleiten die Bewerber dazu, diese unverändert abzusenden. Deshalb sollen unsere Unterlagen natürlich nicht als Muster im Internet auftauchen.

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Der Anbieter bewerbung-schreiber.com widerspricht der Aussage von trialo, dass alle Anbieter eine Unkenntlichmachung des abgelieferten Anschreibens gefordert haben. Man habe nach Anfrage nach dem durchgeführten Test auch die Erlaubnis bis auf Widerruf gegeben, das Anschreiben zu veröffentlichen, diese aber auch nie widerrufen.

Dass hier trialo.de die User scheinbar falsch informiert, halte ich für sehr bedenklich.

Fehlende Berücksichtigung der Fake-Testsieger Auszeichnungen

Laut trialo hat man die Services im August 2016 getestet. Zu diesem Zeitpunkt haben sowohl richtiggutbewerben.de als auch die-bewerbungsschreiber.de mit Fake-Testsieger Auszeichnungen geworben. Unklar ist, warum dies trialo.de nicht aufgefallen ist, bzw. warum dies nicht berücksichtigt wurde. Meiner Meinung nach gehört dies in eine Bewertung eines Leistungsangebotes dazu. Der Anbieter versprechen hier schließlich die Leistung von Testsiegern obwohl sie gar keine Testsieger geworden sind.

Bitte um Stellungnahme

Sebastian Baake hat zwar auf meine Fragen per Email geantwortet, war aber nicht bereit, eine offizielle Stellungnahme abzugeben.

Fazit

Wenn eine angeblich unabhängige Testseite einen angefragten Anbieter vom eigentlichen Test quasi „ausschließt“, der nicht bereit ist, die angefragte Leistung auch kostenlos zu erbringen, halte ich das für wenig unabhängig. Entweder sollte man in einem solchen Fall dies transparent kommunizieren oder den Anbieter dennoch in den Blindtest mit aufnehmen.

Dass eine angeblich unabhängige Testseite kontinuierlich, auch bei anderen Tests, verschleiert, dass sie Werbepartner der bewerteten Unternehmen ist, ist irreführend und unlauter.  Dem User wird vorgegaukelt, dass man gänzlich unabhängig ist, in Wahrheit verdient man aber an jeder erfolgreichen Vermittlung Geld in Form einer Provision. Je mehr Kunden man wirbt, desto mehr verdient der Anbieter. Je mehr oder öfter der Kunde kauft, desto höher die Provision.

Dass die Testseite trialo.de dann nicht erkennt oder ignoriert, dass zwei der ausgezeichneten Unternehmen mit Fake-Testsieger Auszeichnungen werben, halte ich für unprofessionell und nachlässig. Eine Testseite kürt einen Fake-Testsieger zum Testsieger. Traurig, aber wahr.

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