Update vom 27.11.2017 – Das „Parkhotel Wittekindshof“ hat sich heute doch nocheinmal gemeldet und ebenfalls das Siegel entfernt.

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„Wir nehmen noch einmal Bezug auf Ihre Nachricht über das über das Siegel auf unserer Homepage. Urlaubsguru (Uniq GmbH) haben wir direkt nach Ihrer ersten Mail kontaktiert, diese wollten den Vorgang prüfen und sich melden. Wir warten daher auf Rückmeldung. Bis der Sachverhalt geklärt ist, nehmen wir vorsorglich das Siegel von unserer Homepage.


Originalartikel vom 25.11.2017 – Manchmal führt eines zum anderen und dann wiederum zum nächsten. Auf Urlaubsguru (urlaubsguru.de) wurde ich bei einer Recherche zu firmentest.de aufmerksam (siehe auch firmentest.de offline nach RTL extra Test).

Auch Urlaubsguru verwendete das spätestens nach der „extra“ Reportage auf RTL offensichtliche Fake-Testsiegel von firmentest.de. Auf der Webseite urlaubsguru.de wurde das firmentest.de Siegel neben einem Bewertungssiegel von Trustpilot im „Footer“ positioniert.

Dort wurde stolz verkündet:

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„Firmentest bestätigt: täglich die besten Reiseschnäppchen

Mein Blog wurde mit der Gesamtnote 1,4 bei „Deutschland macht den Firmentest“ ausgezeichnet. Laut Firmentest finden die Nutzer auf meinem Blog „hochwertige und besonders preiswerte Angebote für Pauschalreisen, Kurztrips, Flüge und Hotels“. Das Testurteil lautet: sehr gut.“

Der angebliche „Test“ stammt aus 2014, als ich mir den „Testbericht“ durchgelesen habe, frage ich mich wirklich, wie jemand von Urlaubsguru auf die Idee kommen konnte, dass es sich dabei wirklich um einen Test handelt (hier bei archive.org einzusehen). Eine Firma, die Tipps dazu gibt, wie man echte und gefälschte Hotelbewertungen erkennt (siehe dieser Artikel auf urlaubsguru.de), sollte doch eigentlich wissen, was ein ordentlicher Test und ein ordentlicher Testbericht beinhalten müsste.

Wenig Greifbares wechselt sich mit Trivialem ab. Es gibt zwei Teilnoten, „Webauftritt und Angebot“ und „Kundenbewertungen im Schnitt“, wie genau beim ersten Punkt bewertet wurde, erfährt der Leser nicht. Die Haupteigenschaft, die eigentlich zu testen wäre, wurde scheinbar komplett ausgeklammert, nämlich die Preisgünstigkeit der beworbenen Angebote.

Denn die wird z.B. in der Überschrift nur behauptet: „Urlaubsguru – täglich die besten Reiseschnäppchen“. Ein ordentlicher Test aber hätte die Preise einer Vielzahl von Angeboten (20, 30 oder 50) mit den normalen Marktpreisen der Anbieter und Wettbewerbsangeboten verglichen, um herauszufinden, wie gut die Angebote wirklich sind.

Alarmglocken hätten beim „Guru“-Team spätestens bei den externen „Kundenbewertungen“ schrillen sollen.

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„Dabei wurden besonders die Qualität der Angebote sowie der schnelle und freundliche Service bei Urlaubsanfragen hervorgehoben. In 33 Bewertungen wurde die volle Punktzahl vergeben. In puncto Kundenzufriedenheit erhält der Urlaubsguru folglich die Bestnote 1,0.“

33 externe Kundenbewertungen (ohne dass darauf hingewiesen wird, wo die Kunden abgestimmt haben sollen), bei denen firmentest.de nicht hätte wissen können, ob sie echt oder unecht sind, haben 50% der „Testnote“ ausgemacht.

Der Test ist, wie auch die anderen „Firmentests“ nicht das Geld wert, das dafür bezahlt wurde.

Dass Unternehmen für die angeblichen Tests Geld bezahlt haben, ist ein weiteres Problem. Die Tests wurden nicht von einer unabhängigen neutralen Instanz durchgeführt, sondern wurden in Auftrag gegeben. Das ist grundsätzlich statthaft, bei der Werbung mit den Testergebnissen (in Fällen wo ordentlich und wirklich getestet wurde) muss dies aber deutlich sichtbar für den Verbraucher erkennbar sein. Bei Urlaubsguru hat man dies aber, wie auch bei anderen bisher bekannten Anbietern, unter den Tisch fallen lassen, das „Testsiegel“ wurde so verwendet, als ob der Anbieter neutral und unabhängig gewesen sei.

Spätestens aber nach einer Anfrage von RTL (die im TV-Bericht nicht erwähnt wird), hätte man bei Urlaubsguru sich den „Testbericht“ noch einmal durchlesen sollen, den man im eigenen Footer auf jeder Unterseite von urlaubsguru.de präsentiert hat. Spätestens nach dieser Anfrage hätte man das Siegel löschen sollen.

Aber selbst zum Zeitpunkt der Ausstrahlung der Sendung am 25.09.2017 war das Siegel noch online. Zwei Tage später, am 27.09.2017, fragte dann eine Userin auf der Facebook-Seite von urlaubsguru.de kritisch nach:

„Hallo, ich wollte mal fragen, warum ihr mit dem gekauften Test von Firmentest.de werbt? Ist doch peinlich, jetzt wo jeder weiß, dass man den für 2600€ einfach nur kauft und dann eine Jahresgebühr von 1300€ bezahlt. Für eine TÜV Zertifizierung hat es wohl nicht gereicht? Euer Artikel dazu, hat jetzt auch einen sehr krassen Beigeschmack.“„Mein Reiseschnäppchen-Blog wurde von firmentest.de auf Herz und Nieren geprüft.“ Puuhhh, peinlich.

Weitere drei Tage später, am 01.10.2017, habe ich die Frage der Userin dann ebenfalls gesehen und auch noch einmal nachgehakt. Das Siegel war zu diesem Zeitpunkt immer noch online.

Statt aber zu antworten, wurde der Facebook-Beitrag „verborgen“. Bei Facebook gibt es für die Seitenbetreiber eine Funktion, die einen Beitrag nicht löscht, sondern lediglich für die User unsichtbar macht, die nicht mit der Kommentarschreiberin befreundet sind oder die nicht vor dem Verbergen mit dem Beitrag interagiert haben. Nur dann, wenn User den direkten Link haben, können Sie den Beitrag auf Facebook sehen:  Ich habe die Behauptung der Userin, dass ihr Beitrag verborgen wurde, nachgeprüft, es stimmt. Im „Community-Bereich“ der Facebook Seite taucht lediglich ein Beitrag vom 26. September, auf den ein Beitrag vom 28. September folgt, den obigen Beitrag findet man aber nicht. Was ebenso auffällt: alle Userbeiträge in diesem Bereich, die ich mir angeschaut habe, werden vom Social-Media Team entweder geliked oder kommentiert.

Die kritische Nachfrage aber blieb aber nicht nur unkommentiert, sondern wurde also auch unter den Teppich gekehrt. Aber vielleicht ist das ja das normale Verhalten von Gurus, die Verehrung sehr, aber Kritik gar nicht gewöhnt sind?

urlaubsguru.de löscht firmentest.de Siegel

Irgendwann in den darauffolgenden Tagen hat Urlaubsguru das Siegel dann doch aus dem Footer der Webseite gelösch. Allerdings hat man offensichtlich nicht daran gedacht, dass man das Fake-Testsiegel auch noch an anderen „Einsatzorten“ verwendet hat.

Grundsätzlich sollte jede Marketingabteilung dokumentieren, an welchen Stellen sie Test- oder Gütesiegel eingesetzt hat. Auf urlaubsguru.de wurde zwar im Footer das Siegel gelöscht, aber ein Blogbeitrag über den angeblichen Test blieb weiterhin im Blog von Urlaubsguru veröffentlicht (siehe archive.org). Wenn man sich einmal den „So geht´s Bereich“ bei firmentest.de durchgelesen hat (siehe archive.org https://web.archive.org/web/20130723055034/http://www.firmentest.de:80/sogehts) dann fragt man sich wirklich, ob die eine Hand des Gurus nicht wusste, was die andere Hand des Gurus tat. Wenn man ordentlicher gelöscht hätte, wäre einem auch der Kommentar unter dem Artikel aufgefallen:

Die erste Bitte um Stellungnahme an urlaubsguru.de

Deshalb habe ich die beiden Geschäftsführer der UNIQ GmbH aus Holwickede, Daniel Krahn und Daniel Marx am 14.11.2017 um eine Stellungnahme zum Thema Firmentest gebeten und ebenso gefragt, warum weiterhin mit dem Ergebnis von firmentest.de im Blogbeitrag geworben werde.

Urlaubsguru hat sich direkt am nächsten Tag bei mir gemeldet und wenige Tage später auch eine Stellungnahme der beiden Geschäftsführer zukommen lassen:

„Als die Redaktion von RTL Extra zum Thema Firmentest recherchierte, erfuhren wir erstmals und für uns überraschend von den neuartigen, wohl dubiosen Vorgängen bei dem Anbieter. Wir distanzieren uns von Firmentest; uns war nicht klar, dass es sich dabei um ein zwielichtiges Angebot handelt.

Direkt nach der Sendung haben wir das Siegel nicht nur aus dem Footer auf unserer Webseite gelöscht, sondern auch aus den E-Mail-Signaturen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entfernt. Auch Print-Werbung, die das Logo trug, wird nicht mehr verwendet. Tausende Flyer landeten aus gutem Grund ungenutzt im Altpapier!

Bei dieser Maßnahme (Löschen der Erwähnung von Firmentest) haben wir einzelne Seiten übersehen. Nach einem Hinweis durch toptestsieger, für den wir dankbar sind, haben wir einen erneuten „Löschlauf“ auf allen Seiten unseres jungen Unternehmens gestartet.

Wir finden es schade, dass es immer wieder Anbieter gibt, die das Vertrauen von Verbrauchern und Firmen ausnutzen.

Künftig werden wir bei solchen Angeboten deutlich genauer hinschauen. Insofern sehen wir dieses eher unschöne Kapitel als wichtiges Learning an, um noch besser zu werden.“

Daniel Krahn und Daniel Marx, Geschäftsführer der UNIQ GmbH

„Manchmal führt eines zum anderen…

… und dann wiederum zum Nächsten“, habe ich am Anfang des Artikels geschrieben. Denn nach meiner ersten Anfrage an Urlaubsguru habe ich noch einmal nach dem „Testsiegel“ von firmentest.de für urlaubsguru.de gesucht und habe auf customer-alliance.com ein interessantes Werbeangebot von Urlaubsguru für Hotels gefunden (siehe customer-alliance.com)

Dort werden nämlich „Urlaubsguru Hotelempfehlungen“ angepriesen, die käuflich zu erwerben sind. Die „Lösung für mehr Markenbekanntheit und Direktbuchungen“ kostet laut Angebot 299€ pro Jahr für Hotels bis zu 49 Zimmern, 399€ pro Jahr für Hotels bis zu 50-99 Zimmern und 499€ pro Jahr für Hotels ab 100 Zimmern.

Die Preise könnten etwas veraltet sein, da im Angebot auch noch eine „Integration auf hotelempfehlung.de / at / ch“ versprochen wird (siehe customer-alliance.com), Webseiten, die aktuell nicht aktiv betrieben werden, aber es ist hier recht klar, was verkauft werden soll. Anzeigen für Hotels auf den Kommunikationskanälen von urlaubsguru.de

Präsentiert werden  auch vier Testimonials. Mitarbeiter vom „Hotel Schani Wien“, vom „Mercure Hotel Hamburg City“, vom „Best Western Plus Hotel Erb“ und vom Hotel „a-ja. Das Resort“ loben Urlaubsguru, zumindest ein Testimonial (Mercure Hotel Hamburg City) bezieht sich dabei auch auf die „Urlaubsguru Hotelempfehlungen“.

„Die Zusammenarbeit mit dem Team der Hotelempfehlungen war stets kompetent und zuverlässig. Insbesondere die enge Betreuung durch den Hotel Relations Manager hat uns sehr geholfen unsere Need-Periods optimal zu bewerben. Wir freuen uns auf eine weiterhin enge Zusammenarbeit!“

Natürlich fehlt auch das firmentest.de Gütesiegel nicht, das mich zu diesem Angebot geführt hat. (Dieses wurde scheinbar bisher von Urlaubsguru übersehen.)

Dass das eigentlich Anzeigen sind, die hier verkauft werden sollen und auch verkauft wurden, war auf der Webseite von Urlaubsguru dann allerdings nicht mehr so klar.

Im Bereich der Hotelempfehlungen jedenfalls heißt es auf der Startseite lediglich:

„URLAUBSGURU EMPFEHLUNGEN

Hier stelle ich euch Top Hotels in Deutschland und umliegenden Ländern vor. Alle Hotelarten und die beliebtesten Regionen sind mit dabei. Schaut euch um und entdeckt das beste Hotel für euren Urlaub!“

Dass Unternehmen dafür bezahlt haben, hier zu erscheinen, wird nicht klar. Dabei müssen Anzeigen klar als „Anzeige“ oder „Werbung“ gekennzeichnet werden. Auch auf der jeweiligen Anzeigenseite  für die Hotels wurde die Anzeige nicht als Anzeige gekennzeichnet, sondern mit dem Hinweis „Sponsored“ ergänzt. Es mag vielen Leuten, die auch Englisch können, klar sein, dass der Hinweis „Sponsored“ irgendeine Abhängigkeit oder Verbindung von Hotel und Webseite bedeutet, diese Kennzeichnung reicht allerdings nicht aus. Viele Leute in Deutschland können kein Englisch, grundsätzlich hat Werbung auch als „Anzeige“ oder „Werbung“ gekennzeichnet zu sein, ansonsten handelt es sich um Schleichwerbung, also irreführende Werbung.

Die nicht ausreichende Kennzeichnung „Sponsored“ wurde zudem aber noch von anderen Elementen überlagert, die eher den Eindruck gemacht haben, Teil einer neutralen Hotelempfehlung zu sein. Die Texte wirken wie echte Empfehlungen vom „Urlaubsguru“, zu jedem Angebot gibt es ein Urlaubsguru Fazit, auf der rechten Seite wurde die Urlaubsguru Hotelempfehlung in Prozent angezeigt, darunter sogar ein Siegel „Hotelempfehlung 201X – urlaubsguru.de“. Bei so einer Aufmachung kann man in der Tat das Gefühl bekommen, dass es sich um eine echte, eigene und neutrale Empfehlung handelt.

Die fehlende Kennzeichnung als Anzeige war allerdings nicht das einzige Problem mit diesen gekauften „Hotelempfehlungen“.

Das urlaubsguru.de  Hotelempfehlungssiegel

Denn das Siegel „Hotelempfehlung 201X“ wurde nicht nur auf der jeweiligen Anzeigenseite veröffentlicht, es wurde den Hotels scheinbar auch für die Verwendung auf deren Webseiten zugeschickt. Dort allerdings wurde und wird bei den Anbietern, die ich mir angeschaut habe, nicht darauf hingewiesen, dass dies keine neutrale Empfehlung ist, sondern man das Siegel nur dann erhält, wenn man eine Anzeige im Bereich „Hotelempfehlungen“ bucht. Das halte ich allerdings für irreführend, gerade dann, wenn das Siegel neben anderen Kundenempfehlungssiegeln positioniert wird, mit denen die Hotels ausgezeichnet werden.

Wie z.B. auf der Webseite des „Parkhotel Wittekindshof“ (parkhotel-wittekindshof.de), wo das Siegel unterhalb eines „Zertifikates für Exzellenz 2016“ und eines Siegels von Holidaycheck für die Weiterempfehlungsquote angezeigt wird.

Hätten Sie gedacht, dass das ein (mit-)gekauftes Siegel ist oder eher eine echte, unabhängige Auszeichnung?

Auch auf der Webseite des „Bestwestern Hotel Köln“ wurde das Siegel im Bereich „Auszeichnungen“ aufgeführt.

Auch hier kann man stark bezweifeln, dass die potentiellen Gäste dies als reine Werbeplakette identifiziert hätten.

Ebenso wurde das Siegel auch auf hanse-hotel.de verwendet, der Webseite des „Best Western Hanse Hotel Warnemünde“.

Das Hotel „Villa Kastania“ aus Berlin setzt das Siegel ebenfalls auf der Startseite ein.

Ich habe alle Hotels vor einer Woche (15.11.2017) um Stellungnahme gebeten. Drei Hotels haben sich bei mir gemeldet, davon allerdings nur das Hotel Wittekindshof mit einer Stellungnahme:

„Die Firma Uniq GmbH mit Sitz in Holzwickede hat uns im Jahr 2016 kontaktiert, nach einer Prüfung wurde unser Haus aufgenommen. Anschließend haben wir das Siegel Hotelempfehlung von seitens Urlaubsguru erhalten. Seit dem 01.01.2017 arbeiten wir fest mit der Firma Uniq GmbH (Urlaubsguru) zusammen, und zahlen einen monatlichen Werbebeitrag dass unser Haus eine eigene Landing Page hat.“

Auf meinen folgenden Einwand wurde nicht mehr geantwortet:

„Die entsprechende Anzeige wurde am 28.11.2017 veröffentlicht und war von Anfang als „Sponsored“ gekennzeichnet. Auch wenn dies gegenüber den deutschen Verbrauchern nicht als ordentliche Werbekennzeichnung gilt, so zeigt es, dass hier von Anfang an eine vertragliche Beziehung bestand. Dass Ihr offizieller Vertrag erst mit dem 01.01.2017 gestartet hat, ist in meinen Augen irrelevant. Relevant ist, dass Hotels ohne eine gebuchte Anzeige nicht im Bereich „Hotelempfehlung“ auftauchen.“

Das Parkhotel Wittekindshof ist übrigens das einzige von den vier Hotels, das Siegel bisher noch nicht entfernt hat. Beharrt man hier wirklich auf der Sichtweise, dass dies eine unabhängige Auszeichnung ist?

Am schnellsten hat die „Villa Kastania“ aus Berlin reagiert, dort wurde direkt nach meiner Anfrage das Siegel entfernt. Auch die beiden übrigen Hotels haben in der Zwischenzeit die Siegel von ihrer Webseite gelöscht.

Die zweite Bitte um Stellungnahme an urlaubsguru.de

Nachdem ich also die gekauften „Hotelempfehlungen“ entdeckt habe, habe ich dann nach der ersten Rückmeldung von Urlaubsguru um eine weitere Stellungnahme zu diesem Thema gebeten. Auch hier wurde schnell reagiert.

„Wir danken Ihnen, lieber Herr Brückner, für Ihre wertvollen Hinweise, die es uns ermöglichen, unsere Webseiten zu optimieren. Unsere Überprüfung hat folgende Verbesserungen zur Folge:

  1. Sie haben Recht: „Anzeige“ ist noch unmissverständlicher als „Sponsored“. Mit der bisher genutzten Kennzeichnung haben wir jedoch niemals ein Geheimnis daraus machen wollen, dass es sich um gesponserte Inhalte handelt.
  2. Das Siegel „Hotel Empfehlung 2017“ werden wir künftig nicht mehr nutzen. Vielen Dank für Ihren Hinweis.
  3. Den Grad der Empfehlung (als Prozent-Angabe) haben wir in der Vergangenheit gemäß interner Richtlinien aus externen Datenquellen, die allesamt öffentlich zugänglich sind, zusammengestellt. Unsere Absicht war es, eine Differenzierungsmöglichkeit erkennen zu lassen. Wenn beispielsweise zwei Hotels in Berlin bei uns in den Hotelempfehlungen zu finden sind, dann sollte es schon einen sichtbaren, informatorischen Mehrwert mit Aussagekraft geben, welches das bessere Hotel ist. Unser Ziel war das Veröffentlichen neutraler Informationen für unsere Leserinnen und Leser. Auf anwaltlichen Rat hin werden wir künftig auf die Veröffentlichung dieser Prozentangabe verzichten.
  4. Über Ihre Anfrage hinausgehend haben wir uns übrigens auch dafür entschieden, Logos von Dritten (beispielsweise das „Zertifikat für Exzellenz“ oder gewonnene Awards) nicht weiter zu verwenden.

Sie müssen wissen, dass es uns stets und ausschließlich – auch im werblichen Umfeld – um die sachliche Information unserer Leserinnen und Leser ging und geht. Wir wollen Hotels vergleichbar machen; nicht nur über die Darstellung der Differenzierungsmerkmale in einem langen Text, sondern auch über schnell erfassbare Bewertungen innerhalbe einer Schulnote oder (wie in unserem Fall) mit einer Prozentangabe. Wir sind betroffen darüber, dass unsere gute Absicht sich nicht mit den Vorstellungen des Gesetzgebers, Entscheidungen der Judikative und Ihnen deckt. 

Wir danken Ihnen nochmals für Ihre Hinweise – die Folgen lassen uns jedoch mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Wir finden es schade, dass regulatorische Maßnahmen und Formalitäten dazu führen, dass es Kreativität und jungem Gründergeist schwergemacht wird.

Unsere Absichten waren und sind stets die Besten – zum Wohle unserer Leserinnen und Leser. Wir sind zuversichtlich, dass wir nun noch verbraucherorientierter und besser am Markt wachsen werden. An unserer Reaktion und Stellungnahme ist ersichtlich, dass wir berechtigte Kritik aufnehmen, verarbeiten und zu besseren Ergebnissen umsetzen. Wir sind jederzeit an pragmatischen und sinnvollen Lösungen interessiert. Nur durch Feedback wie das Ihrige gelingt es uns, besser zu werden. Dafür danken wir Ihnen.“

Die in der Stellungnahme angegebenen Änderungen sind auch bereits umgesetzt. Nach wie vor werben aber nicht nur das Parkhotel Wittekindshof, sondern auch noch weitere Hotels mit dem Siegel von urlaubsguru.de, wie man auch mit der Google Bildersuche (siehe google.de) leicht feststellen kann.

Da sollte das Urlaubsguru-Team noch einmal nachhaken. Grundsätzlich ist zwar das jeweilige Hotel für seine eigene Webseite verantwortlich, aber die Hotels sind auch Vertragspartner von Urlaubsguru, bzw. der UNIQ GmbH und die wiederum hält die Rechte an dem Siegel und ist damit für den Einsatz auch mitverantwortlich. Nach der schnellen Reaktion bin ich aber guter Dinge, dass man die Hotels informieren wird und auch überprüfen wird, dass die Siegel nicht mehr eingesetzt werden.

Die Hotels selber sollten allerdings auch in Ihre Verträge und Emails schauen, welche Leistungen Ihnen überhaupt verkauft worden sind. War z.B. die Siegelnutzung Teil des Angebots? Das sieht man im Angebot bei der „Customer-Alliance“ (das kann veraltet sein) nicht, dort steht aber in den Angebotsdetails „Drei Links zu Deiner Webseite“. Die finde ich aber nicht, in den Anzeigen sind lediglich „Redirect-Links“ enthalten, die zu einer webseiteninternen „Redirect“-Seite führt. Das gilt aber generell nicht als Link auf der Webseite, weil die „Redirect“-Seite keine wirkliche Unterseite einer Webseite ist.

Auf der Anzeigenseite des Best Western Hotel Köln gibt es z.B. keinen direkten Link zur Hotelseite. Selbst die Domain bestwestern-koeln.de mit derselben Domain verlinkt, sondern mit http://go.urlaubsguru.de/best-western-hotel-koeln-angebot-2 .

Fazit

Man hat bei Urlaubsguru.de offensichtlich in der Vergangenheit einiges falsch gemacht.

Ein Fake-Testsiegel von firmentest.de verwendet, einen Testbericht, bei dem eigentlich jetzt nur aus allen Wolken fallen darf, wenn man ihn niemals jemals zuvor gelesen hat.  Keine gründliche Überprüfung des firmentest.de Sachverhalts nach der Anfrage von RTL. Keine Reaktion auf die kritische Nachfrage einer Userin bei Facebook, stattdessen hat man den Beitrag versteckt. Keine konsequente Überprüfung aller möglichen Fundstellen bzw. Einsatzorte des Siegels. Keine konsequente Überprüfung möglicher kritischer Themen im Unternehmen. Mindestens 439 gekaufte „Hotelempfehlungen“, die nicht als Anzeige, sondern lediglich als „Sponsored“ gekennzeichnet waren. Siegelvergabe für „Hotelempfehlungen“, obwohl Voraussetzung für die Siegelvergabe war, dass man die Anzeige bucht.

Aber zumindest jetzt reagiert man schnell, äußert sich zum Thema und versucht nicht, die Sache einfach nur auszusitzen. Vor allem hat man jetzt auch konsequent die problematischen Punkte gelöscht, bzw. geändert. Das werte ich sehr positiv, am schnellen Feedback der Firma und der nach vorherigem Zögern jetzt konsequenten Änderungen können sich andere Unternehmen ein Beispiel nehmen.

Den Kommentaren in der zweiten Stellungnahme zur Regulierung kann ich allerdings nicht beipflichten. Mehr denn je brauchen wir Bestimmungen zur Werbung mit Test, Empfehlungen und Vergleichen in redaktionellem Gewand. Das zeigen auch die Beispiele auf toptestsieger.de. Mehr denn je bräuchten wir aber auch noch mehr finanzielle Ressourcen für die Institutionen, die das bereits bestehende Recht auch konsequent durchsetzen können, im Namen der Verbraucher und des fairen Wettbewerbs. Bei der Vielzahl an Anbietern in der Internetwirtschaft kommen Verbraucherzentralen, Wettbewerbsverbände & Co. in meinen Augen fast gar nicht mehr hinterher. Dadurch gibt es aber in vielen Teilmärkten, in denen der Vertrieb über das Internet unumgänglich ist, einen äußerst negativen Wettbewerbsdruck, dem leider viele Unternehmen so begegnen, dass sie einknicken, den kürzeren Weg wählen und ebenfalls anfangen, Fünfe gerade sein zu lassen.

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