Im April diesen Jahres habe ich über meine Erfahrungen mit vergleich.org, genauer gesagt, mit dem Pressesprecher von vergleich.org berichtet. Ich fand es dubios, dass das Photo des Pressesprechers auf mehreren Seiten im Internet zu finden war und ebenso dubios, dass es bei einem Gastartikel von einem „Robin Schulz“ von vergleich.org ebenfalls verwendet wurde.

Vor einigen Wochen wurde allerdings das Thema nochmal hochgespült, als „Herr Leonard Steiger“ nicht mehr als Pressesprecher auf der Presseseite von vergleich.org aufgeführt wurde. Ich bin dann nochmal auf Spurensuche gegangen, weil Herr Steiger ja ein fähiger PR-Experte zu sein schien, für so jemanden hätte ich auch selber noch Verwendung. Im Zuge der Suche wurde ich dann auf die Quelle des Photos hingewiesen (danke Alex!), die ich selber übersehen hatte. Das Bild stammt von der US-Amerikanerin Jade Krafsig, die unter dem Nickname „Jade“ (https://morguefile.com/creative/jade) bei morguefile.com ihre Bilder eingestellt hat. Hier findet man auch das Bild, das den Pressesprecher von vergleich.org zeigen soll: https://morguefile.com/p/635656

vergleich_org_erfahrungen

Screenshot des Originalbildes von Jade Krafsig auf morguefile.com

vergleich.org Fake Pressesprecher

Screenshot der bei archive.org archivierten Seite des Pressebereichs von vergleich.org aus April 2016

Jade Krafsig, die Urheberin des Bildes, hat mir recht schnell auf meine Anfrage geantwortet. Dieses Bild zeige keinen „Leonard Steiger“ und er arbeite auch nicht für „vergleich.org“.

Während meiner Suche nach Leonard Steiger habe ich dann allerdings nicht nur den Tipp für die Quelle des Bildes bekommen, es wurde mir auch von einer ehemals internen Quelle mitgeteilt, dass der Name „Leonard Steiger“ ein Pseudonym sei, das bei vergleich.org verwendet wurde.

In Summe heißt das also: Vergleich.org hat seinen Pressesprecher erfunden. Einen Pressesprecher der auf vielen Seiten zitiert wird.

https://www.lendico.de/blog/lendico-testsieger-vergleich-org

„Im Testverlauf haben wir mehrere Überarbeitungen festgestellt“, sagt Leonard Steiger von Vergleich.org. „Noch hat Lendico nur das zweitgrößte Angebot an Krediten. Seit der Marktplatz auch Kredite für Unternehmen anbietet, wächst das Angebot insgesamt am schnellsten“, so der Tester.“

http://www.noz.de/deutschland-welt/gut-zu-wissen/artikel/549026/bahn-bietet-tickets-bei-busportalen-gunstiger-an

„Leonard Steiger, Redakteur bei vergleich.org, sagte gegenüber unserer Redaktion: „Auf den Fernbus-Suchmaschinen gibt es Sparpreise, die man anderswo nicht findet.“ Dabei handele es sich durchaus nicht um kleine Kontingente. „Wir haben bei 85 Verbindungen die Preise verglichen. Bei den Tickets gibt es eine hohe Verfügbarkeit.“

https://www.lead-digital.de/aktuell/social_media/tipps_fuer_youtuber_lieber_product_placement_als_spots

Bei Lead-Digital tritt „Leonard Steiger“ sogar als „Youtube Experte“ auf:

Zu nachlässig die Betreuung, zu schlecht die Leistungen, die man als Youtuber dort bekommen würde, so die Kritik. Leonard Steiger von Vergleich.org hat zusammengefasst, wie das Geschäftsmodell aussieht, welche TKPS möglich sind – und warum Product Placement in diesem Bereich so lukrativ für alle Beteiligten ist.

http://www.20min.ch/digital/news/story/27885661?redirect=mobi&nocache=0.3816158266272396

Ebenfalls als Youtube Experte hat es „Leonard Steiger“ bis in die Schweizer 20minuten geschafft:

„Hat man sich eine Fan-Base aufgebaut, winkt unter Umständen das grosse Geld. Dann kann man nämlich versuchen, Einnahmen durch Product Placements zu erzielen. «Diese Art Werbung gilt als lukrativste», weiss Leonard Steiger, denn diese Einnahmen müssten nicht mit Youtube geteilt werden.“

Vergessen sollte ich natürlich auch nicht „Robin Schulz“, der mit ebenfalls der „IT-Recht Kanzlei“ in München als Gastautor zu sehen ist. http://www.it-recht-kanzlei.de/viewNews.php?_rid=6981

Was die Betreiber eines Portals, die Kaufempfehlungen geben wollen, sich dabei denken, ihren Pressesprecher zu erfinden wollte ich natürlich auch herausfinden. Meine Anfrage an Leonard Quack und Valentin Dushe, den beiden Geschäftsführern der VGL Verlagsgesellschaft mbH, die vergleich.org betreibt, blieb allerdings ebenso unbeantwortet wie meine Anfrage an die beiden aus dem April diesen Jahres.

Das ist genauso bedauerlich, wie die Erfindung eines Pressesprechers in meinen Augen hochgradig unseriös ist. So eine Firma vergibt Gütesiegel? Testnoten? Testsieger? (der letzte Punkt ist noch eine zusätzliche Geschichte, die ich in Kürze in Verbindung mit dem „großen Nischenseitentest“ ansprechen werde.) Würde ich dieser Firma bei einer einzigen Produktempfehlung vertrauen? Nein, nicht nach der Geschichte mit einem erfundenen Pressesprecher.

One Response

  1. Darkwing Duck

    Vergleich.org hat noch mehr Dreck am Stecken – die Sterne unter „Hat Ihnen dieser Vergleich gefallen?“ werden definitiv manipuliert, damit das Rich Snippet in den SERPs schöner aussieht und Klicks anzieht.

    Könnt ja gerne mal ein wenig testen, dann seht ihr was ich meine.

    Zumindest von einer Seite aus scheint vergleich.org aber gerade die Quittung zu bekommen. In SISTRIX ist die Sichtbarkeit im Dezember von einstmals 14 auf nur noch knapp über 4 gefallen. Sieht mir beinahe nach einer manuellen Penalty aus vielleicht?

    Ich will nicht schadenfroh sein, nur bei den Dingen, die sich vergleich.org geleistet hat und immer noch leistet, käme so etwas nicht unverdient.

    Übrigens zeigt vergleich.org auch, wie viele Sterne ein Produkt auf Amazon hat. Dies ist laut der neuen ToS ebenfalls nicht erlaubt und über die API auch nicht mehr möglich. Vergleich.org fängt das wohl mit einem Skript ab. Auch sehr fragwürdig diese Praxis.

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