Fake-Streichpreise waren ja schon das ein oder andere Mal an der Tagesordnung bei toptestsieger.de, z.B. bei lesara oder jüngst bei bettgenuss.de, aber leider werden Fake-Streichpreise auch weiterhin ein Thema bleiben. Insbesondere, weil die Anzahl an ausländischen Händlern auf den Marktplätzen wie ebay oder amazon weiterhin hoch ist und wahrscheinlich auch noch weiter wächst. Zudem drängen immer mehr ausländische Marktplätze nach Deutschland bzw. Europa, ein Umstand, der das Problem noch potenziert. Denn dort ist nicht nur der einzelne Händler schwer zu fassen, auch der ausländische Marktplatz ist für einzelne Kunden oder andere Händler rechtlich nur schwer greifbar. In den letzten beiden Wochen ist mir nun deutsche Werbung für einen solchen US-amerikanischen Marktplatz aufgefallen: wish.com, das von der ContextLogic Inc. aus den USA betrieben wird. Ein ausländischer Anbieter, der aber auch eine deutschsprachige Version des Online-Shops anbietet und bei dem auch deutsche Kunden bestellen können. (einen Test, wie bereitwillig chinesische Großhändler sind, UVP zu faken, finden Sie hier)

Anzeige

Wish.com  – Marktplatz für anonyme? (China-)händler

Wenn man sich das Produktportfolio anschaut, bekommt man den Eindruck, dass es vor allem chinesische Händler sind, die hier aktiv sind. Was Kunden (auf den ersten Blick zumindest) leider nicht erfahren: wer die Händler eigentlich sind. Auf den Produktseiten findet der Kunde unter dem Reiter „Shop-Bewertungen“ nämlich nur einen „Nickname“ des Händlers, aber keine weiteren Informationen zur Identität des Händlers. Klickt er bei dieser Ansicht auf „Shop ansehen“ wird er nur zu einer Übersicht aller Produkte geleitet, die dieser Händler auf Wish anbietet. Auch dort waren keine Informationen zur Identität zu finden. Ich habe mehrere „Shops“ geprüft, konnte aber in keinem Fall Händlerdetails, bzw. kein einziges Händlerimpressum finden.

Wish präsentiert sich aber komplett als Marktplatz und weist in seinem Selbstverständnis als Marktplatz  z.B. Verantwortlichkeiten bzgl. von Textinhalten oder Bildmaterial komplett von sich:

„You agree that Wish is a marketplace and as such is not responsible or liable for any content, for example, data, text, information, usernames, graphics, images, photographs, profiles, audio, video, items, and links posted by you, other merchants, or outside parties on Wish.“

„Sie erklären sich damit einverstanden, dass Wish ein Marktplatz ist und als solcher nicht verantwortlich oder haftbar für jegliche Inhalte, wie z.B. Daten, Text, Informationen, Usernamen, Grafiken, Bilder, Photographien, Audioinhalte, Videos, Produkte und Links die von Ihnen, anderen Händlern oder anderen Parteien auf Wish veröffentlicht werden.“ (Anmerkung: Die Übersetzung stammt von mir.)

Bei den Preisen zeigt man sich aber teilweise verantwortlich, diese werden zwar von den Händlern gemacht, können aber auch – Einverständnis der Händler vorausgesetzt, von Wish selber angepasst werden.

Anzeige

„Wish reserves the right to adjust the prices or shipping costs displayed to users within the movement range agreed by merchants to optimize sales for our merchants. This does not affect the amount or percentage Wish has agreed to pay to merchant for their orders. If merchants have not agreed with the movement range, Wish will never change their prices.“

„Wish behält sich vor, die Preise oder Versandkosten, die den Usern angezeigt werden, innerhalb des Spielraums, in den die Händler eingewilligt haben, zu verändern, um die Verkäufe für die Händler zu optimieren.“

Aber wer ist für die wish.com fast durchgängig bei jedem Produkt angegeben Streichpreise operativ verantwortlich? Die Händler? Wish.com selber? Diese Frage muss gestellt werden, denn stöbert man ein bisschen im wish Onlineshop, fallen einem sofort die oft sehr hohen Rabatte auf. Geht das mit rechten Dingen zu? Ich habe mal eine kleine Mini-Stichprobe gemacht (die natürlich nicht repräsentativ ist)  und nach Alternativpreisen von 5 Produkten gesucht, deren Streichpreise sehr hoch erschienen. Bei der Produktsuche ging es mir nur darum, einen Referenzpreis zu finden, nicht den besten Preis am Markt.

Die angegebenen Streichpreise wären nur zulässig, wenn die Anbieter diese Preise über einen längeren Zeitraum bei Verkäufen (über wish.com) auch erzielt hätten.

wish.com – Stichprobe Streichpreise

Produkt 1:

  • Angeblicher Streichpreis auf wish.com:  428€
  • Gefundener Preis auf aliexpress: ab 33,30€

Anzeige

Produkt 2:

  • Streichpreis auf wish.com: 428€
  • Gefundener Preis auf aliexpress: 30,87€

Produkt 3:

  • Streichpreis auf wish.com: 1.169€
  • Gefundener Preis auf aliexpress: 56,43€

Produkt 4:

  • Streichpreis auf wish.com: 129€
  • Gefundener Preis auf ebay.de: 7,59€

Produkt 5:

  • Streichpreis 1 auf wish.com: 100€
  • Streichpreis 2 auf wish.com: 43€
  • Gefundener Preis auf aliexpress: 11,24€

Fazit

Fünf Produkte mit recht hoch wirkenden Streichpreisen und bei jedem legen die Marktpreise nahe, dass der Streichpreis eher ein Mondpreis ist und kein realer ehemaliger Verkaufspreis auf wish.com. Dafür ist das Missverhältnis zwischen dem Streichpreis und aktuellen Marktpreisen einfach zu hoch.

Ich gehe davon aus, dass dies auch keine Einzelfälle sind, sondern ausländische Händler hier systematisch zu hohe Streichpreise erfinden und damit auch die Kunden in die Irre führen. Aber: die Händler sitzen im Ausland und ob sich der Marktplatz dafür verantwortlich fühlt, ist nach dem Blick in die AGB auch mehr als fraglich. Meine gestrige Bitte um Stellungnahme an den Gründer von wish.com, Peter Szulczewski, blieb bisher unbeantwortet.

Kunden würde ich schon allein wegen dieser dreisten Irreführungen abraten, bei wish.com zu kaufen. Durch viel zu hohe Streichpreise wird eine Wertigkeit der Produkte vorgegaukelt, die diese wahrscheinlich nicht besitzen. Es handelt es sich bei den Produkten allem Anschein nach um die übliche „China-Ware“, die man auf aliexpress findet. Aber auch andere Gründe sprechen dagegen: es gibt keine deutsche Niederlassung von wish.com,  die Firma fühlt sich für die Kundenkommunikation  selber nicht verantwortlich, sondern verweist auf die auf den ersten Blick unbekannten Händler, die wiederum höchstwahrscheinlich in den meisten Fällen im Nicht-EU-Ausland sitzen. Eine für mich ungute Ausgangsbasis, um exzellenten Kundenservice erwarten zu dürfen. Zudem könnten die Kunden bei Problemen mit Produkten hier erhebliche Schwierigkeiten haben, den Händler (oder auch Wish.com) rechtlich zu greifen.

Worüber sich auch viele Kunden nicht im Klaren sind: wenn Verkäufer ihren Unternehmenssitz außerhalb der EU haben, ist der Kunde in der Regel verpflichtet, ab einem Gesamtwarenwert des Pakets von mehr als 22 Euro (inklusive Porto) Einfuhrumsatzsteuer beim Zoll zu entrichten (siehe Regeln für die Einfuhr beim Zoll). Ab einem Wert von über 150€ sind zudem noch weitere Zollabgaben fällig.

 

Anzeige

Leave a Reply