„Abmahnwahn“ Teil 1- Zahlungsaufforderung durch Theodor Storm Antiquariat / Programmhefte24.de

Theo_Urh

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Update 1: Ich habe das Theodor Storm Antiquariat um eine Stellungnahme gebeten. In diesem Schriftwechsel wurde dann seitens des Antiquariats behauptet, dass es „nicht um diesen Bilddummy gehe und dass sie aus der der Benutzung des Bilddummys keine Forderungen ableiten“.

Auf meine konkrete Nachfrage

„d.h., den Satz

[…] Sie verwenden als Produktabbildung einen von uns entwickelten und verwendeten Bilddummy, der auf dem stilisierten Porträt Theodor Storms beruht, das unser Unternehmenslogo ist. […]““ 
 
haben Sie nie geschrieben und nie daraus einen urheberrechtlichen Anspruch abgeleitet?“
habe ich dann leider keine Antwort erhalten, der Email Wechsel wurde vom Antiquariat dann abgebrochen. (siehe auch Update 2)
Auf jeden Fall geht es also nicht nur um diesen Bilddummy, sondern auch andere Bilder (siehe auch den neuesten Kommentar im Affiliatepeople.com Thread). Das Antiquariat hat mir auch ein paar konkrete ISBN Nummern zugeschickt. Und jetzt wird der Fall sogar fast noch spannender und die urheberrechtliche Fragestellung noch komplexer. Die Beispiele waren folgende: 1, 2, 3, 4, 5. Große Frage hier: 1. Werden durch die Lizensierung eines solchen Schnappschusses, der ein durch Urheberrecht geschütztes Coverbild eines Buches zeigt, wiederum selber Urheberrechte durch das Theodorm Storm Antiquariat verletzt? (Urheberrechte bestehen bei den vorliegenden Bildern nicht, weil das einfache Schnappschüsse von Produkten sind, hier greift dann § 72, durch den ein Schutz für alle Lichtbilder besteht)
Ein weiteres Update folgt in Kürze.
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Update 2: Einer der betroffenen Affiliates hat mir jetzt nochmal bestätigt, dass auch für den Bilddummy eine Nutzungsgebühr gefordert wurde.
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Update 3: Wie ich vermutet habe, hat das Theodor Storm Antiquariat, bzw. haben die Verantwortlichen mit Ihrer Lizensierung höchstwahrscheinlich selber Urheberrechte verletzt, da sie ohne Genehmigung der Verlage, bzw. Urheber der geschützten Cover / Coverphotos die Produktbilder lizensieren wollen und lizensiert haben. Die Anfertigung des Photos zum Zweck des Verkaufes des (gebrauchten) Buches ist urheberrechtskonform, eine weitere kommerzielle Lizensierung des Bildes allerdings nicht.
Die Anwälte der Kanzlei Wild Beuger Solmecke haben die Problematik der Verwendung einer Photographie eines Buchcovers hier sehr anschaulich beschrieben.
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Vor ein paar Wochen bin ich über ein Facebook Posting auf einen Fall aufmerksam geworden, der bei der Affiliatecommunity affiliatepeople.com diskutiert wurde. In der Zwischenzeit gab es zumindest einen weiteren ähnlich gelagerten Fall (weiter unten in den Kommentaren bei affiliatepeople.com)

Der Fall, so wie bei affiliatepeople beschrieben:

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Ein Affiliate hatte auf seiner Webseite die Amazon-API genutzt, bei der automatisch Bilder und Produktinformationen von bei amazon gelisteten Produkten auf seiner Webseite angezeigt wurden.

Scheinbar wurde auf seiner Webseite auch das Photo dieses Amazon Artikels angezeigt. Ein „Dummy“ Bild für ein fehlendes Produkt, das ein verfremdetes Portrait von Theodor Storm zeigt. Darunter der Untertitel „Sorry! Noch kein Bild“.

Daraufhin bekam der Affiliate scheinbar eine Zahlungsaufforderung für die Verwendung des Bildes vom „Theodor Storm Antiquariat“, die u.a. auch selber bei Amazon aktiv sind und selber als Amazon Seller das Produktbild hochgeladen haben. Der Affiliate schreibt im Forum, dass die Zahlungsaufforderung damit begründet wurde, dass er das beschriebene Bild auf seiner Webseite nutzt:

„[…] Sie verwenden als Produktabbildung einen von uns entwickelten und verwendeten Bilddummy, der auf dem stilisierten Porträt Theodor Storms beruht, das unser Unternehmenslogo ist. […]“

(Update: Das Theodor Storm Antiquariat hat mir auf meine Anfrage hin bestätigt, dass sie für das Bild das Urheberrecht beanspruchen.)

Während sich die meisten Kommentatoren mit der Frage beschäftigen, ob und wie das „Theodor Storm Antiquariat“ Nutzungsrechte dieses Produktbildes an Amazon abgegeben hat oder nicht und inwiefern Amazon Affiliate Partner damit überhaupt für die Nutzung eines Bildes haftbar gemacht werden können, möchte ich mich mit einem anderen Aspekt beschäftigen, der mir im konkreten Fall einfacher und wichtiger erscheint:

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Genießt der Urheber dieses Bildes überhaupt Urheberrechte?

Schauen wir ins Urheberrecht: § 1 UrhG sagt:

 „Die Urheber von Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst genießen für ihre Werke Schutz nach Maßgabe dieses Gesetzes.“

§ 2 gibt eine nicht abschließende Aufzählung, welche Werke genau geschützt sein können und grenzt zudem den Schutz des Urheberrechtes in § 2, 2 wieder ein

„Werke im Sinne dieses Gesetzes sind nur persönliche geistige Schöpfungen.“

Was heißt das genau? Die deutsche Rechtsprechung hat dies schon vor rund 60 Jahren genauer ausgeführt:

„Von sonstigen Erzeugnissen unterscheidet sich ein urheberrechtlich geschütztes Werk dadurch, das etwas Neues und Besonderes, von bisher Bekannten zu Unterscheidendes darstellt und auf diese Weise dem individuellen menschlichen Geist Ausdruck verleiht. Charakteristische Merkmale des Werkes sind somit sein geistiger Inhalt, seine Ausdrucksform, und seine Individualität. Zufallswerke sind keine Werke in diesem Sinne, da sie nicht durch den individuellen Geist geprägt sind. Geschützt ist jedes einzelne Werk als solches, nicht hingegen die Werkgattung, der es angehört.“ Quelle: Bundesgerichtshof: BGHZ 18, 175 ff.

Die Frage stellt sich also ob das Bild eine persönliche geistige Schöpfung ist und eine gewisse Schöpfungshöhe erreicht.
Ob die Schöpfungshöhe erreicht ist, ist natürlich eine Einzelfallentscheidung und wahrscheinlich nicht immer leicht zu beantworten.
Nach meiner Ansicht in diesem Fall aber schon. Wenn man die Google Bildersuche bemüht, wird recht schnell klar, was wahrscheinlich die Vorlage für das Bild aus dem Logo vom Theodor Storm Antiquariat war:
Eine Radierung von Theodor Storm, die nach erster Recherche wahrscheinlich gemeinfrei ist.
Diese Radierung wurde meines Erachtens mit irgendeinem Effekt eines Bildbearbeitungsprogrammes bearbeitet. Geschätzte Dauer (ohne Start des Programms, aber mit Vorkenntissen): maximal 20 Sekunden inklusive ovaler Bildausschnitt. So lange habe ich jedenfalls gebraucht, um mit Gimp,  dem  Filter „Ölgemälde“ (Filter -> Künstlerisch -> Ölgemälde) und der Ausschneidefunktion das folgende Bild zu erstellen:
Storm3Storm3Storm3
Auch wenn die Nuancen etwas anders sind, wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit ein automatischer Filter für die Erstellung verwendet.  Und die Radierung nicht in kunstfertiger Handarbeit abgemalt und mit einem eigener Interpretation des Originalwerkes aufgewertet. Diese Meinung zu Filtern, Effekten und einfachster digitaler Bearbeitung lässt sich auch in der Rechtsprechung finden, z.B. in einer Entscheidung des OLG Hamms über die Schutzfähigkeit von Webseiten:
„Es fehlt aber an der erforderlichen Schöpfungshöhe bei den in Rede stehenden Grafiken (…), durch die einer solchen Grafik erst urheberrechtlicher Schutz zuteil werden kann. Denn es handelt sich bei den Grafiken im Ausgangspunkt um Fotografien, die am Computer lediglich verfremdet worden sind, um gewisse hell-dunkel-Effekte zu erzielen.

Es ist nicht ersichtlich, inwieweit dieser Verfremdungseffekt auf besonderen Leistungen beruht, die die Grafiken über das normale handwerkliche Können hinausheben. Es ist nicht ersichtlich, daß diese Verfremdungseffekte eine Kunstfertigkeit verlangen, die nicht jedem gegeben ist, der Bilder am Computer verfremden will. Auch die Klägerin hat in diesem Zusammenhang zur Schöpfungshöhe der Grafiken nichts Detailliertes vortragen können.“

Meiner Ansicht nach, lässt sich dieser Kommentar 1:1 auf den vorliegenden Fall anwenden. Ich sehe keine großartige Eigenleistung und Eigenschöpfung und die für Urheberrechtsschutz nötige Schöpfungshöhe als nicht erreicht an.

Nach dem Urheberrecht ist dieses Bild mit Sicherheit nicht schutzfähig.

Ich hoffe also, dass kein Affiliate auf solche Forderungen eingeht oder unnötig Geld für einen Anwalt ausgibt.

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