Update 11.08.2017: Wie ich heute erfahren habe, ist die Zamaro GmbH Ende Juni aufgelöst worden, es wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. In Handelsregister ist zu erfahren:

Bekannt gemacht am: 22.06.2017 02:05 Uhr. Veränderungen 21.06.2017. HRB 203082: Zamaro GmbH, Poing, Landkreis Ebersberg, Gruber Str. 70, 85586 Poing. Über das Vermögen der Gesellschaft ist durch Beschluss des Amtsgerichts München vom 16.06.2017 (Az. 1513 IN 1190/17) das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Die Gesellschaft ist dadurch aufgelöst. Von Amts wegen eingetragen nach § 65 GmbHG.

Ärgerlich für die Kunden, die scheinbar noch Credits haben, insgesamt ist es natürlich zu begrüßen, dass es ein unseriöses Unternehmen weniger am Markt gibt. Zu hoffen ist, dass das Modell nicht unter neuem Namen mit einer neuen Firma nochmal gestartet wird.


Originalartikel vom 25.05.2016: Wir können vor Zamaro nur warnen, viele Kunden haben mit Zamaro keine guten Erfahrungen gemacht. Das Grundmodell eines Kleidertausches mag spannend sein, wie bei Zamaro die Kunden in die Abofalle stolpern ist unserer Meinung nach allerdings mehr „unglücklich“ und verstößt,  wie z.B. die Kanzlei WBS-Law meint, auch gegen geltendes Recht. Denn wenn man nicht aufpasst und bei Zamaro zum ersten Mal bestellt, liefert Zamaro nicht nur Tauschklamotten, sondern eine gepfefferte Rechnung. Insgesamt soll der Kunde ein Premiumabo, „SwapPlus“ genannt, abschlossen haben. Kostenpunkt: 16€ pro Woche bei einer Laufzeit von 24 Wochen = 384€. Das Geld wird in Teilbeträgen vom Konto abgebucht. Bei Rückbuchung oder Nichtzahlung folgen Inkassoschreiben.

Aber ist der Bestellprozess rechtens? Nein, meint z.B. die Kanzlei „Werdermann – von Rüden“ aus Berlin, und rät dazu, die Lastschriftabbuchungen zurückbuchen zu lassen und anwaltliche Hilfe aufzusuchen.

„Dass für die Kündigung des Vertrages eine Tätigkeit des Verbrauchers erforderlich ist, ist ein wesentlicher Bestandteil des Vertrages. Über wesentliche Bestandteile des Vertrages ist der Verbraucher jedoch gesondert aufzuklären.“

Unsere Zamaro Erfahrungen – der Zamaro Bestellprozess im Test

Nachdem wir von Zamaro erfahren haben, wollten wir uns das auch selber anschauen und testen und haben uns auf dem Desktop bei zamaro.de angemeldet und sind die Bestellschritte durchgegangen (hier ein Dokumentationsvideo dazu auf youtube). Nachfolgend unsere Erfahrungen. Was im Bestellprozess sofort auffällt: der Kunde kann in einem Schritt 2 Varianten auswählen: 1. „Warenkorb gratis“ „Zum ausprobieren“ für 0€ (ab Minute 2:12) oder 2. „24 Wochen“ „Plus“ „16€ wtl.“ Im letzten Bestellschritt wird dann allerdings im Kleingedruckten erwähnt:

„Wenn ich zufrieden bin brauche ich nichts weiter zu tun. Lasse ich in den nächsten sieben Tagen, gemäß agb, nichts von mir hören (Anruf genügt) startet Zamaro automatisch die vierundzwanzigwöchige SwapPLUS-Mitgliedschaft zu 16 Euro wtl. für mich.“

Wir hätten bei der Auswahl „Warenkorb“ nicht gedacht, dass wir ein Probeabo abgeschlossen haben, das in einen kostenpflichtigen Vertrag mündet. Gerade weil bei der vorher getätigten Auswahl stand, dass diese Variante kostenlos ist. Wir würden gerade die Bezeichnung Warenkorb als Einmaligkeit des Tauschservices sehen.

Es geht aber noch cleverer: Auf dem Handy ist der Kostenhinweis noch versteckter bzw. erscheint versteckter. Viele Kunden werden z.B. den Zamaro TV Spot in der Fernsehwerbung gesehen (wie Internet World berichtet, hat Zamaro mit der TV Werbung im März 2015 angefangen) und dann gleich auf dem Handy den Shop aufgesucht haben. Aufmerksam darauf geworden sind wir durch ein Posting einer Userin aus der Facebook Gruppe „Zamaro Erfahrungen“, in der sich „überraschte Kunden“ über die Abofalle austauschen (Hier geht es zur Gruppe).

Fundort 1: Die 2 Mitgliedschaften werden angezeigt, bei der Plus Mitgliedschaft werden aber KEINE Kosten in der normalen Ansicht angezeigt. Zumindest nicht auf den ersten Blick, zumindest auf einem iPhone 4S (Safari Browser) mit kleinerem Bildschirm.

Zamaro_Erfahrungen_Mobile_1

Erst wenn man diesen Bereich links zur Seite wischt, was viele User nicht machen werden (warum auch?) sieht man einen Kostenhinweis.

Zamaro_Erfahrungen_Mobile_2

Fundort 2: Der User kann den Bestellprozess abschließen und auf Kaufen klicken, obwohl er den Hinweis auf das Premiumabo noch gar nicht gesehen hat. Auf dem iPhone 4S sieht das so aus.

Zamaro_Erfahrungen_Mobile_3

Nur wenn der User noch weiter nach unten scrollt, sieht er weitere Informationen: Zuerst den Hinweis, dass der Warenkorb kostenlos ist und die Gesamtkosten 3,90€ betragen. Zamaro_Erfahrungen_Mobile_4

Erst danach findet sich im Kleingedruckten den Hinweis, den wir von der Desktop Version kennen. Zamaro_Erfahrungen_Mobile_5

Viele Kunden werden diesen Bereich niemals gesehen haben, geschweige denn: das Kleingeschriebene gelesen, das es in sich hat.

Aber: nicht verzagen, diese Gestaltung des Vertragsabschlusses ist laut mehrerer Anwälte nicht zulässig, wie im Artikel von der Kanzlei „Werdermann – von Rüden erwähnt, scheint auch die Verbraucherzentrale Hamburg Zamaro abgemahnt zu haben.

Wendet Euch also, wenn ihr ebenfalls auf obigem Weg in die Abofalle getappt seid und wenn ihr rechtsschutzversichert seid, an Euren Anwalt oder ansonsten an die Verbraucherzentrale Eures Bundeslandes. Und beschwert Euch auf jeden Fall bei der Verbraucherzentrale. Manche Firmen haben auch nach Abmahnungen durch die Verbraucherzentrale einfach mit ihren Abofallen weitergemacht und leicht verändert, manchmal ist es ein jahrelanges Katz- und Maus Spiel. Tretet auch in die Facebook Gruppe ein, es ist immer gut, Kontakt zu anderen Zamaro Kunden zu haben. In jedem Fall hilft es auch, seine Freunde über Facebook, Twitter oder andere soziale Netzwerke, über diesen Anbieter zu informieren, damit diesen nicht ebenfalls teure Rechnungen und Ärger ins Haus flattert.

Schade, dass eine grundsätzlich gute Idee so umgesetzt wird.

11 Responses

  1. Ines Esther

    Und selbst in der Basic-Mitgliedschaft zahlt man hohe versteckte Kosten:
    In der Werbung und auf der Webseite wird erklärt, dass Kleidung kostenlos getauscht werden und jederzeit umgetauscht werden kann. Dies ist jedoch nicht der Fall. Pro Kleidungsstück werden bis zu 5,90 € (Basic-MItgliedschaft) als „Packgebühren“ berechnet, die auch bei sofortiger Rückgabe einbehalten und nicht erstattet werden. Bei einfachen T-Shirts von Billigmarken (TCM, No Name, Aldi etc.) werden z.B. 3,90 € abgezogen, selbst, wenn diese bei Nichtgefallen zurück geschickt werden. Dass Kleider nicht passen oder nicht gefallen, passiert häufig, da es nur ein kleines Foto und keine Beschreibung von Material etc. pro Kleidungsstück gibt. So können bei einem Paket mit 8 T-Shirts, von denen man 3 behalten will, schnell 17,80 € (inkl. Versandkosten) zusammen kommen. Da kann man sich schon wieder bei Tchibo 2 neue T-Shirts von kaufen…

  2. gundi

    Hallo, Bei mir war es nicht anders.Nach 42 Mails von einer Andrea Weber fühlte ich mich genötigt endlich mal reinzuschauen und die Gratispunkte einzulösen, obwohl mir dort absolut nichts gefallen hat. Habe dann zwei Artikel einfach so bestellt, einer kam nur und der ging sofort in den Container.Für mich galt das Datum vom eintreffen der Ware um eine Entscheidung zu treffen. Habe dann sofort eine Kündigung per Mail geschickt welche nach 2 tagen mit Ablehnung beantwortet wurde. Ich müßte also noch anrufen.Mir wurde auch gleich eine Swap mitgliedsschaft angehängt. heute wurde mir die erste Rate abgebucht.. Ich bin fast 70 jahre, was soll ich tun. So rosig ist meine Rente nicht,

  3. tamara schall

    Hallo :)
    Kann man nun irgendwie sein geld von Zamaro wieder bekommen oder ist das verloren. :(
    Zum Anwalt gehen will ich nicht umbedingt.

    • Daniel

      Hi Tamara,
      wie wurde denn bezahlt? Per Lastschrift? Wenn das nicht länger als 6 Wochen her ist, solltest Du als erstes bei Deiner Bank die Lastschrift zurückgehen lassen.

    • Karin

      Hallo,ich bin auch mit Zamaro reingefallen und habe mein Geld 64,00 Euro zurück buchen lassen.Jetzt droht mir Zamaro mit Debitor-Inkasso.Ich werde mein Geld immer wieder zurück buchen lassen und bei dem Debitor-Inkasso Widerspruch einlegen.Zahlen werde ich ganz bestimmt nicht.

      • Daniel

        Das halte ich auch für den besten Weg. Ich denke, dass Du bei Deiner Bank auch den Anbieter für Lastschriften von Deinem Konto sperren lassen kannst.

  4. Jenny Abrell

    Hallo, ich bin auch reingefallen, habe schon zweimal den Betrag zurückgebucht von meiner Bank u. per Mail geschrieben `sie sollen das gefälligst lassen, Beträge von meinem Kto. abzubuchen u. meinen Account löschen, denn ich habe keine Mitgliedschaft erworben, das was die machen ist gesetzeswidrig… sollen die mal das Gegenteil beweisen… und Zamaro auf eine sog. „Blacklist“ bei meiner Bank setzen lassen, so dass die nicht mehr abbuchen dürfen, nun habe ich bereits vom Inkasso, mit erheblichen Gebühren, Post bekommen u. Widerspruch (Muster gibts bei google) eingelegt. Nun warte ich ab, was passiert, sollte ein Mahnbescheid kommen, was ich nicht glaube, dann lege ich wieder „Widerspruch“ ein. Denen muss das „Handwerk gelegt werden“… kann anderen nur raten : Lasst die Finger von Zamaro u. wenn ihr schon reingefallen seid: lasst euch nicht einschüchtern u. geht dagegen vor und bezahlt bloß nix…

  5. Helmut

    Zamaro scheint schon auf die Abmahnung reagiert zu haben. Nachdem meine Frau auch in die Abofalle geraten ist, habe ich ebenfalls den Handy „Kauf“ aufgezeichnet. Am 17.5.2016 war noch keine Checkbox zum Bestätigen des Widerrufverzichts vorhanden (ist wohl Gesetzeswidrig). Ich denke das ist für alle wichtig die vor dem 17.05.2016 (oder kurz danach) auf die Abofalle reingefallen sind. Identische Screenshots (ohne der Checkbox) sind auch in der Facebook Gruppe zu finden.

  6. S.B.

    Der Artikel spricht sicherlich vielen Kundinnen aus der Seele. Erst als die Abbuchung im ersten Monat bei mir schon passiert war durch Zamaro, habe ich nochmals nachgesehen in den AGB’s (wo keine Details über Kosten zu finden sind) und mich dann der Facebook-Gruppe „Zamaro – Erfahrungsberichte“ angeschlossen, wo ich in Screenshots erstmals sah, an welchem Punkt meiner „kostenlosen Testbestellung“ die Abofalle bei mir zugeschlagen hat. So etwas ist mir noch nie passiert, ich gehöre zu den Verbrauchern, die Angebote im Internet auch mit besonderer Vorsicht genießen – und trotzdem bin ich hier reingetappt. Es war zu schön um wahr zu sein, und jetzt habe ich den Ärger an der Backe. Enttäuschung pur, und inzwischen rate ich jedem, den ich kenne unbedingt von Zamaro ab.

Leave a Reply