Google und Facebook Bewertungen sind für Unternehmen optimal. Man kann sich prima selbst bewerten, keiner prüft die Bewertungen, keiner schaut genau hin, Fake-Bewertungen werden von niemandem auf Anfrage hin überprüft und wenn man es geschickt macht, kann es auch keiner nachweisen.

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Insofern sollten Kunden den Bewertungen bei Facebook und Google, auch wenn sie noch so prominent angezeigt werden, einfach gar nicht mehr vertrauen. Auch Meta-Gütesiegel, die die Google oder Facebook Bewertungen in den Durchschnitt mit aufnehmen, kann man aus denselben Gründen nicht vertrauen. Wenn Bewertungen nicht durch eine neutrale Instanz geprüft werden, haben sie keinerlei Aussagekraft. (Das gilt natürlich auch für viele andere Portale, leider gibt es hier zu viel Wildwuchs.)

Auch hier möchte ich das Problem an einem Beispiel dokumentieren, bei dem die Firma nicht anonym sich selber bewertet hat, sondern die von den eigenen Mitarbeitern bewertet wurde. Bei Mitarbeiterbewertungsportalen wie z.B. kununu.com wäre das auch kein Problem, weil Verbraucher bei diesen Bewertungen wissen, dass es sich um Mitarbeiterbewertungen handelt und es ja gerade um die Bewertung der Beziehung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber geht.

Bei Bewertungen bei Google oder Facebook gehen normale Verbraucher in meinen Augen aber nicht davon aus, dass es sich um Mitarbeiterbewertungen handeln könnte. Google z.B. empfiehlt das auch konkret:

„Interessenkonflikte: Rezensionen sind am wertvollsten, wenn sie ehrlich und unvoreingenommen sind. Daher sollten beispielsweise Geschäftsinhaber und ihre Mitarbeiter darauf verzichten, das eigene Unternehmen bzw. den eigenen Arbeitsgeber zu bewerten.“

Facebook selber hat scheinbar überhaupt keine Regeln für Bewertungen, ich habe jedenfalls keine gefunden. Aber wer sollte die Einhaltung auch überprüfen?

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Grundsätzlich gibt es aber auch Regeln für Kundenbewertungen, nämlich indirekt durch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), nach dem geschäftliche Handlungen nicht irreführend sein dürfen.

Ziegert Immobilien – die auffällig unauffälligen Mitarbeiterbewertungen

Ich erwarte jedenfalls bei Google oder Facebook nicht, dass Mitarbeiter einer Firma für die Firma abstimmen, weil sie meinen Augen bzgl. der Leistungen Ihres Arbeitgebers nicht neutral sind.

Irreführend finde ich solche Bewertungen, weil nicht an jeder Stelle klar ersichtlich ist, dass es sich um Bewertungen von Mitarbeitern handelt.

Schauen wir uns z.B. an, wie die Bewertungen von Ziegert Bank- und Immobilienconsulting (ziegert-immobilien.de) angezeigt werden:

Screenshot Google Suche „Ziegert Immobilien“

Sucht ein Kunde nach der Firma z.B. mit den Suchwörtern „Ziegert Immobilien“, werden im rechten Bereich der Suchergebnisseite mehrere Bewertungsdurchschnitte angezeigt. Z.B. einen Durchschnitt von 4,3 von 5 Sternen bei 18 Google Rezensionen oder 4,1 von 5 Sternen bei 27 Facebook Bewertungen.

Sehen Kunden hier, dass Mitarbeiter teilweise diese Rezensionen geschrieben haben und die Firma bewertet haben? Nein. Werden sich alle User die einzelnen Rezensionen anzeigen lassen? Nein. Das heißt, selbst wenn die Mitarbeiter in den Rezensionstexten angeben würden, dass sie Mitarbeiter wären, würde das ein großer Teil der User gar nicht erfahren, weil sie sich einfach die Details nicht anschauen.

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Im Fall von Ziegert Immobilien haben aber scheinbar Mitarbeiter die Firma bewertet, ohne über ihr Arbeitsverhältnis aufzuklären.

Ein Profil, das das Foto einer Mitarbeiter benutzt schreibt z.B. auf Englisch innerhalb des letzten Jahres:

„I was at several real estate companies to get a better overview of the market. But Ziegert was the one that convinced me due to their professional and friendly performance. Their service is exceptional, they assisted me at every step, got the best terms for me and informed me about the follow-up financing. I am very happy with my decision.“

Die automatische Google Übersetzung wird für deutsche Nutzer auch angezeigt:

„Ich war bei mehreren Immobiliengesellschaften, um einen besseren Überblick über den Markt zu bekommen. Aber Ziegert war es, der mich aufgrund ihrer professionellen und freundlichen Leistung überzeugte. Ihr Service ist außergewöhnlich, sie unterstützten mich bei jedem Schritt, bekamen die besten Bedingungen für mich und informierten mich über die Folgefinanzierung. Ich bin mit meiner Entscheidung sehr zufrieden.“

Die entsprechende Mitarbeiterin arbeitet bei Ziegert seit mehr als einem Jahr. Wenn dies wirklich die Mitarbeiterin geschrieben hat, wäre das schon irreführend. Selbst wenn die Mitarbeiterin die Leistungen der eigenen Firma in Anspruch genommen hat, weil sie einfach kein normaler Kunde ist. Auch andere Namen von Profilen, die Ziegert bewertet haben, entsprechen den Namen und Photos von Ziegert Mitarbeitern (Nachnamen sind teilweise auf den Anfangsbuchstaben begrenzt) oder Ex-Mitarbeitern, die zum Zeitpunkt der Bewertungsabgabe für Ziegert gearbeitet haben. Beim Hauptprofil trifft dies auf fünf Bewertungen zu, bei dem Bauprojekt „Am Hochmeisterplatz“  bei zwei Bewertungen, beim Bauprojekt „No1 Charlottenburg“ bei einer Bewertung und beim Bauprojekt „Sapphire“ ebenfalls bei einer Bewertung.

Grundsätzlich können solche Bewertungen natürlich von jedem angelegt werden, auch von Wettbewerbern des Unternehmens, die den Konkurrenten in einem schlechten Licht erscheinen lassen wollen.

Wenn dies auch auf diese Bewertungen zutrifft, sollte die Ziegert Bank- und Immobilienconsulting GmbH hier im Namen der Mitarbeiter schleunigst aktiv werden, um etwaigen Missbrauch von Bildern und Namen zu unterbinden.

Fakt ist allerdings, dass der Bewertungsdurchschnitt von Ziegert Bank- und Immobilienconsulting bei Google ohne diese fünf Bewertungen mit je fünf Sternen nicht bei 4,3 Sternen läge, sondern bei 3,2 (3,15) Sternen.

Bewertungen von Ziegert-Mitarbeitern bei Facebook

Dass es bei der Firma allerdings scheinbar Usus ist, das eigene Unternehmen zu bewerten, sieht man dann zweifelsfrei bei Facebook. Dort kann man nämlich nachvollziehen, dass es sich um echte Profile handelt und dass bei Facebook wirklich Mitarbeiter bewertet haben. Auch hier aber ohne den Hinweis, dass sie Mitarbeiter sind. Ich habe mir den Aufwand gemacht, nachzurecherchieren, welche Bewertungen von Mitarbeitern abgegeben wurden (laut Angaben der Mitarbeiter auf Portalen wie XING oder Linkedin)

Auf Facebook hat Ziegert 20 5-Sterne Bewertungen davon stammen mindestens 13 Bewertungen von Mitarbeitern. Die einzige 4-Sterne Bewertung wurde ebenfalls von einer Mitarbeiterin abgegeben. Bei einer von den 5-Sterne Bewertungen handelt es sich übrigens nicht um einen „normalen“ Mitarbeitern, es ist der Geschäftsführer der Firma.

Der seit Januar 2017 als Geschäftsführer tätige Sven Henkes bewertete seine Firma in seiner Position als „Chief Strategy Officer & Member of Group Leadership Team“ (laut eigenen XING Profil) im Oktober 2016  mit fünf Sternen und Worten (siehe Bewertung bei facebook.com)

„Tolle Immobilien, kompetente Beratung und Rundum-Service.“

Als Werbeaussage wäre das ja kein Problem, aber als Text einer scheinbaren Kundenbewertung?

Ein anderer Facebook Nutzer schreibt sogar ein paar Monate später:

„Fakebewertung“

Dies bleibt von Herrn Henkes und vom Unternehmen allerdings unkommentiert. Sieht man das Problem nicht? Auch wenn er Zeitpunkt der Bewertung noch nicht Geschäftsführer war: das Lob ist weiterhin zu sehen. Wie authentisch würde das wirken, wenn normale Kunden wissen würden, dass es sich hier um einen der Chefs des Unternehmens handelt?

Ohne die Bewertungen von Mitarbeitern läge der Bewertungsdurchschnitt bei Facebook bei 3,2 (3,15) und nicht bei 4,1 von 5 Sternen.

Bitte um Stellungnahme an Ziegert Immobilien

Ich den Eigentümer des Unternehmens und anderen Geschäftsführer Nikolaus Ziegert und auch das Unternehmen selber gestern gebeten, diese Mitarbeiterbewertungen zu kommentieren. Bisher habe ich auf diese Anfrage keine Reaktion erhalten. Nach wie vor sind die Bewertungen wie zum Zeitpunkt meiner Anfrage an Herrn Ziegert online.

Fazit

Auch wenn Bewertungen bei Google und Facebook recht einfach zu generieren sind und von den Webgiganten ungeprüft bleiben, sollte man als Unternehmen sich nicht von eigenen Mitarbeitern bewerten lassen. Solche Bewertungen müssen von Unternehmen noch nicht einmal selber initiiert worden sein, damit sie irreführend wirken. Unternehmen sollten in meinen Augen innerhalb Ihrer Social-Media Richtlinien ihre Mitarbeiter verpflichten, solche Bewertungen nicht abzugeben oder sie gegebenenfalls zu löschen. Insbesondere dann, wenn sie die Bewertungsdurchschnitte maßgeblich beeinflussen und nur durch diese Bewertungen einigermaßen akzeptable Bewertungsdurchschnitte erhalten. Es macht zwar mehr Aufwand, Kunden kontinuierlich zu bitten, ehrlich das eigene Angebot zu bewerten, aber umso mehr kann sich dann über die sehr guten Bewertungen freuen. Andernfalls bleibt zumindest bei Facebook noch eine andere Möglichkeit: die Bewertungsfunktion einfach komplett abzuschalten. Dann muss man sich auch nicht vor negativem Bewertungsfeedback auf der eigenen Facebook Präsenz fürchten.

 

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